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Abschluss der archäologischen Arbeiten an der Alten Bürgerschule

15. Juni 2010 - Pressestelle, Anna Gebauer

Minden. Die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) beenden in dieser Woche ihre Arbeiten in der Baugrube hinter der „Alten Bürgerschule“ in der oberen Altstadt. In der nächsten Woche werden dann die Bagger anrollen, um auf dem Gelände ein Mehrfamilienhaus und eine Tiefgarage zu errichten.

Archäologin Dr. Andrea Bulla entdeckte im Rahmen der Grabung mehr als 200 Einzelfunde aus verschiedenen Epochen.Rund acht Wochen hatten die Archäologen auf der Fläche zwischen Ritterstraße, Alter Kirchstraße und Videbullenstraße gearbeitet und dabei über 200 Einzelfunde aus verschiedenen Epochen entdeckt. „Insgesamt haben wir hier viele Informationen zur Stadtgeschichte bekommen“, berichtet die Archäologin Dr. Andrea Bulla. Auch die Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Minden und dem Bauherrn Ulrich Rabe sei sehr reibungslos verlaufen.

Viele der Funde stammen aus der Zeit, als auf dem Gelände ein Kloster des Dominikanerordens stand. Das Kloster wurde 1236 gegründet und bestand rund 300 Jahre. Anhand von alten Plänen konnten die Archäologen schon vor der Grabung die ungefähre Lage des Gebäudes bestimmen. „Uns war auch bekannt, dass das Kloster aus einem West-, Nord- und Ostflügel bestand“, erklärt Bulla. „Da hier aber noch nie gegraben wurde, wussten wir nicht, ob auch an der Südseite des Geländes ein Gebäude stand.“

Die Grabungen zeigten jedoch, dass sich an der Südseite des Gebäudes lediglich ein Kreuzgang befand und das Areal bis zur Klostermauer ansonsten nicht bebaut war. „Die Dominikaner haben an dieser Stelle vermutlich bewusst eine Fläche freigelassen, um bei Bedarf das Kloster erweitern zu können“, vermutet die Archäologin. Da das Kloster jedoch 1539 aufgegeben wurde, seien diese Pläne nie realisiert worden.

In einem Teil des Kreuzgangs, den die Archäologen in den vergangenen Wochen freilegten, fanden sich zahlreiche menschliche Knochen. In den unteren Erdschichten befanden sich sogar ganze Skelette, unter anderem zwei Frauen mit Neugeborenen an ihrer Seite. „Wer diese Frauen waren, gibt uns allerdings noch Rätsel auf“, so Bulla. Es könnte sich beispielsweise um Frauen handeln, die im Kloster aushalfen oder dort nur für eine begrenzte Zeit lebten.

Auf dem Grabungsgelände hinter der Alten Bürgerschule legten die Archäologen unter anderem einen Kreuzgang und zwei Brunnenanlagen frei.Das Gelände zwischen Ritterstraße, Alter Kirchstraße und Videbullenstraße ist im Laufe der Jahrhunderte ganz unterschiedlich genutzt worden. Der Dominikanerorden erwarb Grund und Boden im 13. Jahrhundert vom Ritter von Beldersen, dessen Besitz in der Altstadt einem Brand zum Opfer fiel. Aus der Zeit des Rittergutes entdeckten die Archäologen auf dem Gelände zwei Brunnenanlagen und mehrere multifunktionale Gruben. Nach der Auflösung des Dominikanerklosters ging die Fläche in den Besitz der Stadt über, die in den folgenden Jahrhunderten dort mehrmals baute, abriss und neu baute. Zuletzt stand dort eine 1875 errichtete Turnhalle. „Wir haben hier einen sehr geschichtsträchtigen Ort vorgefunden, der aus der Mischung von bürgerlichem Leben und christlichem Dasein entstanden ist“, erklärt Bulla. 

Zum Abschluss der Grabungsarbeiten bietet die Archäologin allen Interessierten am Mittwoch, 16. Juni, eine einmalige Führung über das Grabungsgelände an. Sie wird hier die Arbeit der vergangenen Wochen sowie die interessantesten Funde vorstellen. Treffpunkt ist um 17 Uhr hinter der „Alten Bürgerschule“ an der Ritterstraße. 

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