Kriegersanitätskolonne Minden, um 1900

Foto: Mindener Museum

„Glaube, Liebe, Vaterland – 150 Jahre Deutsches Rotes Kreuz Minden“

22. September 2017 | Minden. Das Mindener Museum zeigt eine Ausstellung zu einem der ersten DRK-Vereine Westfalens.

  • Das Mindener Museum präsentiert von Samstag, 30. September 2017, bis zum 21. Januar 2018 unter dem Titel „Glaube, Liebe, Vaterland“ eine Ausstellung zum 150jährigen Bestehen des Ortsvereins Minden des Deutschen Roten Kreuzes, einem der ersten in Westfalen und im damaligen Deutschen Reich. Die Ausstellung beleuchtet anhand zahlreicher originaler Exponate die 150jährige Geschichte der Rot-Kreuz-Bewegung zwischen Kriegs- und Friedensdienst, von der Fürsorge und Wohlfahrtspflege im Kaiserreich bis zum Rettungsdienst, Katastrophenschutz oder der Jugendpflege heute. Die Ausstellung wird am Samstag, 30. September, um 16 h eröffnet. Zur Ausstellungseröffnung ist der Eintritt frei.

    Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz wird 1863 gegründet. Seine Gründung verdankt es Henry Dunant (1828-1910), einem Schweizer Geschäftsmann und Humanisten. Er veröffentlicht ein Buch mit seinen Erinnerungen an die chaotische Versorgung verwundeter Soldaten nach der Schlacht bei Solferino im Juni 1859. 1863 lädt ein „Internationales Komitee“ Genfer Bürger Interessierte zu einer ersten internationalen Konferenz in die neutrale Schweiz ein. Im Anschluss gründen sich 10 Rotkreuzgesellschaften, unter anderem in Italien, Spanien, Frankreich und Preußen. Eine zweite Konferenz findet im August 1864 statt. 12 der 16 vertretenen Staaten, darunter die Großmächte Preußen und Frankreich, vereinbaren in der 1. Genfer Konvention erstmals völkerrechtliche Regeln zum Schutz verwundeter und kranker Soldaten und des Sanitätspersonals.

    In Minden wird 1867 ein Vaterländischer Frauenverein vom Roten Kreuz gegründet, einer der ersten in Westfalen und im damaligen Deutschen Reich. 1885/89 bildet sich eine Sanitätskolonne, die zunächst zum Kriegerverein gehört. Beide Institutionen sind die historischen Wurzeln des heutigen DRK-Ortsvereins. Die Ausstellung zeigt, dass beide Vereine der Gedankenwelt der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstammen, die durch Angst vor drohenden Kriegen in Europa, aber auch von traditionellen Geschlechterrollen geprägt ist. Im Jahre 1917 gründet der Frauenverein ein Kinderheim, das der Vorläufer der heutigen Elsa-Brandström-Jugendhilfe ist. Die wohltätige Arbeit ergänzt die Angebote der städtischen oder kommunalen Armenverwaltung. Im Mai 1933 passt sich das DRK durch eine neue Satzung dem Führerprinzip an und begrenzt seine Aufgaben auf die Unterstützung des militärischen Sanitätsdienstes, den Kern der Genfer Konvention. Fürsorge- und andere „Friedenstätigkeiten“ werden aufgegeben und von NS-Organisationen übernommen. Mit dem Ausschluss von Jüdinnen und Juden aus den Sanitätskolonnen und seinen Schwesternschaften bricht das DRK den Grundsatz der Neutralität, dem es als Teil der internationalen Rotkreuzbewegung verpflichtet ist.

    Im Laufe ihres Bestehens verändern sich die Ziele und Aufgaben beider Vereine ebenso wie das Verständnis der Geschlechterrollen. Lange Zeit sind die verschiedenen Aufgaben des Roten Kreuzes zwischen den Geschlechtern nach traditionellen Rollen verteilt: Männer sind als Krankenträger und Sanitäter im Kriegsfall auch an vorderster Front tätig. Frauen arbeiten meist im Hintergrund. Sie versorgen und pflegen die Verwundeten und Kranken und kümmern sich um Verbandsmaterial und medizinische Instrumente. Heute können sich Frauen und Männer gleichermaßen für den Beruf des Sanitäters oder Krankenpflegers entscheiden.

    Die Ausstellung im Mindener Museum präsentiert einen spannenden Überblick über die 150jährige Geschichte, die auch zentrale Aufgabenfelder wie die Erste-Hilfe-Ausbildung, Rettungsdienst oder den Katastrophenschutz umfasst.

    Am Donnerstag, 5. Oktober, 17 Uhr und am Sonntag, 15. Oktober, 14 Uhr finden erste öffentliche Führungen durch die neue Sonderausstellung statt. Am Mittwoch, 11. Oktober, können Interessierte zwischen 12:45  und 13:15 an einer halbstündigen Mittagspausenführung durch die Präsentation teilnehmen. Am Dienstag, 7. November, hält die Historikerin Verena Lauhoff um 19 Uhr im Museum einen Vortrag zur Geschichte des Vaterländischen Frauenvereins in Minden.

    Mindener Museum, Di - So 12-18 Uhr; Sonderöffnungszeiten für Gruppen.
    Weitere Infos unter www.mindenermuseum.de oder 0571 / 9724020 oder .

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