Bildung, Kultur, Sport

Drahtnetzwiege (um 1900) und Teddy (ca. 1910). Foto: LWL/Schüttemeyer
„Alle in einem Bett“ von Erwin Grosche und Dagmar Henze (2014) sowie das Wiegenlied „Die Blümelein sie schlafen“ von Anton Wilhelm v. Zuccalmaglio (1803-1869) im „Liederbuch für die westfälischen Volksschulen“ (1914). Foto: LWL/Schüttemeyer
Wecker aus den 1940er Jahren. Foto: LWL/Schüttemeyer
Instrumente für einen Hausarzt aus dem 20. Jahrhundert. Foto: LWL/Schüttemeyer

Leben im Bett. Lesen, Essen, Wanzen jagen

  • Minden (lwl). Ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch im Bett. Deshalb be­schäftigt sich die neue Wander­ausstellung „Leben im Bett“ des Landschaftsverbandes West­falen-Lippe (LWL) mit den unterschiedlichen Möglich­keiten, ein Bett zu nutzen. „Alles außer Schlafen“ lautet dabei das Motto der Ausstellung, die in der Zeit vom 5. Mai bis zum 1. Juli im Mindener Museum zu sehen ist. Anhand ausgewählter Beispiele erfahren Besucher mehr über die Aktivitäten des Menschen im Bett. Den Rahmen bilden das heimische Bett und die Zeit vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

    „Man kann sogar noch weiter gehen als nur von einem Lebensdrittel im Bett zu sprechen: Sein ganzes Leben kann ein Mensch im Bett verbringen“, erklärt Felix Banzhaf vom LWL-Museumsamt für Westfalen. „Menschen werden oft in einem Bett geboren, Kinder spielen und lernen dort, Erwachsene lieben und arbeiten im Bett. Einsam braucht man dabei auch nicht zu sein, denn Bettgenossen, ob Teddybären oder Bettwanzen, finden sich schnell. Das Bett ist viel mehr als ein Ort zum Schlafen. Menschen nutzen es auf unterschiedliche Art, manchmal freiwillig und manchmal nicht.“


    Ansichtskarte „Frühstück im Bett“ aus den 1910er Jahren. Privat; Foto: LWL

    Museen und Privatpersonen aus Westfalen-Lippe haben Exponate für diese LWL-Wanderausstellung zur Verfügung gestellt. So vielfältig wie das Thema sind dabei auch die Stücke. Mal humorvoll, mal ernst ermöglichen sie eine Annäherung an die Praktiken rund ums Bett. Ein Kapitel der Ausstellung widmet sich beispiels­weise dem Essen und Trinken. Dafür steht eine sogenannte Trem­bleuse aus dem 18. Jahrhundert. Das ist eine spezielle Tasse für Trink­schokolade, die gerne am Morgen getrunken wurde. Ein Betttablett und ein praktischer Handstaubsauger sind als Hilfsmittel für ein modernes Frühstück im Bett in der Ausstellung zu sehen.

    „Im Bett erleben Menschen Höhen und Tiefe des Lebens. Von der Geburt bis zum Tod, immer wieder finden wichtige Ereignisse im Lebenslauf im Bett statt“, so Banzhaf. Es ist dabei nicht nur ein Ort von Ruhe und Erholung, sondern auch ein Ort von Krankheit und Leiden. Ein längerer Aufenthalt im Bett geschieht meist nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil eine Krankheit einen Menschen ans Bett fesselt. Der Schriftsteller Heinrich Heine (1797-1856) verbrachte die letzten acht Jahre seines Lebens gelähmt und unter Schmerzen leidend in seiner „Matratzengruft“ in Paris. Trotzdem arbeitete er weiter und schrieb beeindruckende Gedichte.

    Jedes der acht westfälischen Museen, die die Ausstellung präsentieren, zeigt vor Ort jeweils ein Bett aus seinem Bestand und ergänzt die Ausstellung so um ein Objekt aus seinem Gebiet. Weitere Exponate stellen Bezüge zur Region her. So gab es in der Vergangenheit diverse Hochzeitsbräuche und Streiche, die das Bett einbezogen. „Wobei sich die Brautpaare vermutlich nicht unbedingt über Steine im Bettstroh oder klingelnde Wecker im Schlafzimmer gefreut haben“, vermutet Banzhaf. Die westfälischen Nachbarn und Verwandten konnten aber auch sehr fürsorglich sein. Im Münsterland war es zum Beispiel üblich, einer Wöchnerin einen besonderen Korintenstuten, einen „Kroamstuten“, ans Bett zu bringen.

    Weitere Themen sind der Medienkon­sum und das Arbeiten im Bett, Tiere im Bett sowie Glaube und Politik rund ums Bett. Mit Hilfe von Texten, Objekten, Bild- und Tonquellen sowie Tast­sta­tionen präsentiert die Ausstellung diese Themen sinnlich wahrnehmbar für die Besucher.

    Im Rahmen von museumspädago­gischen Programmen gibt es Führungen für Erwachsene und in Leichter Sprache an. Texte in Leichter Sprache ermöglichen einen einfachen Zugang zu den Inhalten.  Außerdem erscheint ein Begleitband zur Ausstellung mit wissenschaftlichen Beiträgen über einzelne Aspekte zum Thema „Leben im Bett“.

     

     

     

     

    Leben im Bett. Lesen, Essen, Wanzen jagen.

    Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen

    Mindener Museum, Ritterstraße 23-33 in 32423 Minden

    5. Mai bis zum 1. Juli

    Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 12 bis 18 Uhr

     

    Die weiteren Stationen:

    Westfälisches Schieferbergbau- und Heimatmuseum,
    Schmallenberg-Holthausen                                        8. Juli 2018 bis 2. September 2018

    Museum Haus Kupferhammer, Warstein                    9. September 2018 bis 4. November 2018


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