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Best-Practice-Beispiele

Klimaschutz trifft Denkmalschutz

  • Gebaut in Zeiten billiger Energie aus Kohle und von Eigentümern mit gutem Einkommen, bieten denkmalgeschützte Gebäude heute ein hohes Einsparpotenzial beim Energieverbrauch. Durch verschiedene Sanierungsmaßnahmen, die sinnvoll miteinander kombiniert werden können, werden der veränderte Nutzung und Komfortansprüchen Rechnung getragen.

    Durch eine optimierte Dämmung (Außen- oder Innenwände, des Daches, der Kellerdecke), einer Heizkessel- und Fenstererneuerung wird der Heizbedarf stark reduziert. Zusätzlich wird das Wohnklima verbessert und eine Gebäudenutzung somit gefördert, was einem Leerstand und Verfall vorbeugt. Auch Photovoltaikanlagen können, von der Straßenseite nicht sichtbar, angebracht werden.

    In jedem Fall ist eine Einzelfallprüfung und frühe Kontaktaufnahme mit der Unteren Denkmalbehörde sinnvoll. Dabei wird ein Kompromiss zwischen höchstmöglicher Energieeffizienz und der Bewahrung des ursprünglichen Denkmals gefunden. Verschiedene Fördermöglichkeiten und günstige Kredite erleichtern die Finanzierung der Sanierungsarbeiten und bringen einen gesteigerten Marktwert der Immobilie.

    • Lagerhaus wird gemütlich (Priggenhagen 6)

      Priggenhagen 6 - vor und nach der Sanierung


      Das ehemalige Lagerhaus für Tee und Kaffee, später Molkereiprodukte, wurde 1895 als dreigeschossiger Backsteinbau im Stil der norddeutschen Neogotik errichtet. Eine Mauerwerkskrone mit Turmpfeilern verdeckt das flach geneigte Pultdach, der Lastenkran im Walmdach ist auch heute noch ein absoluter Blickfang. 1991 wurde das Gebäude in die Denkmalliste der Stadt eingetragen.

      Zusammen mit Gaby Lippek kaufte der Zimmermann Andreas Rolf das Haus 2010 nach über 30-jährigem Leerstand und sanierten es in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz weitestgehend eigenhändig. Vom Land NRW wurde die Restaurierung mit Hilfe des ausgelaufenen Fassadenförderungsprogramms unterstützt, da sich das Gebäude in einem ausgewiesenen Sanierungsgebiet befindet.

      Die Eisenfenster wurden aufgearbeitet und durch nachgebaute Holzfenster von Innen ergänzt, die Gitter entfernt. Durch Holzfaserplatten und eine in den Lehmputz integrierte Wandstrahlungsheizung wurden die Außenwände von innen gedämmt. Bedingt durch Brandschutzauflagen mussten einige Fenster im hinten liegenden Bereich zugemauert werden, was das Lagerhaus innen zusätzlich verdunkelte. Daher wurde der alte Schacht des Lastenaufzugs verglast und damit eine Lichtdurchflutung vertikal durch das gesamte Gebäude bis hin zum Keller erreicht. Eine flach auf das Dach aufgesetzte Lichtkuppel und eine gläserne Ausstiegsluke als Zugang zur Dachfläche waren notwendige Zugeständnisse an eine zeitmäßige Wohnraumnutzung, da das Gebäude sonst über keinen Garten verfügt. Letztere ist nahezu vollständig durch den Ziergiebel verborgen und verändert das Gebäude somit äußerlich nicht. Die Lagerhaustüren im Straßengiebel blieben hinter den verglasten Fenstertüren erhalten. Der ursprüngliche Charakter des Lagerhauses blieb, nicht zuletzt auch durch den versiegelten Betonfußboden im Obergeschoss, weitestgehend erhalten.

      2013 erhielt der Umbau des Gebäudes eine Anerkennung im Rahmen der Verleihung des Westfälisch-Lippischen Denkmalpreises.

      Kontakt: Diana Berg, Kleiner Domhof 17, 32423 Minden (Tel.: 0571-89650)

    • Campus-Mindener Technologie Zentrum (Campus-MTZ)

      Campus-MTZ - vor und nach der Sanierung


      Auf dem Gelände der ehemaligen Artilleriekaserne befindet sich heute, in direkter Nähe zur Fachhochschule Bielefeld - Campus Minden, das Gebäude des Campus-MTZ.

      Der frühere Remontenstall beherbergte seinerzeit Pferde in der Kriegsausbildung. Nachdem das denkmalgeschützte Gebäude von einem Metallveredlungsbetrieb genutzt worden war, folgte ein jahrelanger Leerstand und langsamer Zerfall des historischen Gebäudes.

      Nach dem Kauf des Gebäudes durch das Mindener Technologiezentrum 2013 folgte in enger Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde die verträgliche und energetische Sanierung. Zusätzliche Wärmeschutzfenster wurden eingebaut ebenso wie eine Photovoltaik-Anlage auf der Südseite dem Gebäude vorgelagert angebracht, ein Blockheizkraftwerk installiert (welches das Gebäude mittels Fußbodenheizung erwärmt) und eine Wärmepumpe integriert. Zusätzlich wird ein Elektrofahrzeug mit dem selbst produzierten Strom aufgeladen und mehrere Büros versorgt, welche inklusive aller Nebenkosten vermietet werden. Die Dachbalken sind noch in gutem Zustand und dienen heute in den Räumen als schöner Blickfang. Der charakteristische Stall mit seinen Metallstählen und den Futterkrippen aus Beton blieb ein großer Raum, indem Veranstaltungen aller Art für bis zu 150 Menschen stattfinden können, ausgestattet mit einem Beamer und einer Leinwand. Die technischen Anlagen des Gebäudes wurden in einem Technikraum am Saalende untergebracht und durch Glaselemente abgetrennt. Stromleitungen und Lampen wurden außen entlang der Wand verlegt um das Gebäude nicht irreversibel zu verändern.

      Denkmalschutz und Klimaschutz sind sehr gut miteinander vereinbar. Alte Gebäude werden heutigen Komfortansprüchen und steigenden Energiepreisen wieder gerecht, durch sinnvolle Nachnutzung werden Leerstand und Verfall verhindert und Denkmäler erhalten.

      Kontakt: Uwe Schreiner, Artilleriestraße 17, 32427 Minden (Tel.: 0571-3927250, E-Mail: )

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