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In "Mini-Minden" verdient jeder das Gleiche

15. August 2016 | Minden. 14 Tage lang gibt es Minden zwei Mal: als real existierende große Stadt und als Planspiel "Mini Minden" im Kinder- und Jugendkreativzentrum Anne Frank.

  • 90 Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren haben im Rahmen der Ferienspiele eine eigene Stadt aufgebaut und entwickeln diese noch bis zum 19. August weiter. Es gibt in „Mini-Minden“ natürlich eine Bürgermeisterin und einen Stellvertreter, der am vergangenen Donnerstag (11. August) persönlich die Presse empfing. Parteien wurden gebildet, ein Wappen gemalt und eine Polizei installiert, die die Stadt bewacht und für Ordnung sorgt. Selbstverständlich gibt es auch einen Bußgeldkatalog und „Mini Minden“ hat eine eigene Währung: die Mini-Mark (MM). Die „Bürger/innen“ der Stadt arbeiten in der Bäckerei, im Reisebüro, in der Bank, im Supermarkt, im Finanzamt, im Jobcenter, bei einem Bauunternehmen oder im „Wellness-Salon“. Hier werden auch Nägel lackiert und Haare mit Krepp-Papiersträhnen bunt gemacht.

    „Jeder hat hier einen Job und jeder verdient 10 Mini-Mark in der Stunde, davon müssen 2 Mark an Steuern gezahlt werden“, erläutert der stellvertretende Bürgermeister Mares Douha in einer Pressekonferenz, zu der er auch gleich seine Pressesprecherin Nele Feldkötter mitgebracht hat. Auf die Frage, wo denn die am Dienstag gewählte Bürgermeisterin Shari Kapteina sei, antwortet er: „Sie hat heute Urlaub!“ Den bekommt man nicht einfach so, sondern muss dafür einen Antrag stellen, den der stellvertretende Bürgermeister an diesem Tag für jeden unterschreibt. Der „Urlaub“ muss selbstverständlich auch mit Mini-Mark bezahlt werden.

    Ausflüge können im „stadteigenen“ Reisebüro gebucht werden. Sie führen unter anderem in die Sparrenburg nach Bielefeld, zu Bauer Bernd nach Borgholzhausen und in eine Tropfsteinhöhle. Jeder/Jede Bürger/in Mini-Mindens hat die Möglichkeit, an einem dieser täglich stattfindenden Urlaubsausflügen teilzunehmen. Auch wird ein gemeinsamer Kurzurlaub über drei Tage im Jugendgästehaus in der Nähe von Hülsede für alle Einwohner/innen der Stadt im Rahmen dieser besonderen Ferienspiele angeboten.

    „Der Ruheraum ist heute zu einer Tierarztpraxis umgewandelt worden“, erklärt der stellvertretende Bürgermeister Mares Douha bei einem Rundgang. „Behandelt“ werden hier die mitgebrachten Kuscheltiere. Der Tobe-Raum nebenan, wo getobt werden darf, ist an diesem Tag geschlossen. Im Stockwerk darüber läuft gerade eine Kontrolle. Die Polizei misst mit einem Gerät die Geschwindigkeit, mit der Kinder über den Flur laufen oder gehen. Gerannt werden darf hier nämlich nicht. Ein Kandidat kommt doch glatt auf 15 Stundenkilometer – viel zu schnell, denn nur 10 km/h sind erlaubt, was ein Schild anzeigt. Das kostet ein Bußgeld, welches auch sofort entrichtet werden muss.

    Bestraft werden sollen natürlich auch die, die gegen die selbst festgelegten Gesetze verstoßen. „Bußgelder allein wirken nicht immer“, so Mares Douha. Er denkt nun über ein gelb-rotes Karten-Verfahren nach. Bei Rot droht die Zelle, an der gerade fleißig in der Polizeistation gezimmert wird. Es gab nämlich auch schon „Straftaten“, wie der Diebstahl einer Handtasche, die der Bürgermeisterin gehörte. Der Fall konnte aufgeklärt werden. Doch Mares Douha sieht auch, dass Strafen nicht die eigentliche Lösung für ein friedliches Miteinander in „Mini-Minden“ sein können. Deswegen ist es ihm besonders wichtig zusammen mit der Bürgermeisterin, die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder der kleinen Stadt ernst zu nehmen. Und auch deshalb haben sie stetig ein offenes Ohr für ihre Bürger/innen und setzen sich bei den Betreuern dieser Maßnahme für deren Belange ein.

    Wie die Kinder sind auch die ehrenamtlichen Betreuer vom Freizeitmitarbeiterclub (FMC) täglich mit Eifer dabei und unterstützen die Teilnehmer/innen beim Bau ihrer Stadt. Denn nicht nur die „Kleinen“ sollen an diesem Projekt wachsen und Partizipation erleben. Deswegen wurde Mini-Minden zusammen mit zwei ehrenamtlichen Helferinnen, Dorit Meier und Celina Biber, entwickelt, berichtet Daniela Thoring, Koordinatorin im Bereich Jugendarbeit/Jugendschutz.

    Während der Presserundgang läuft, arbeiten die Banker derweil – unterstützt von einem Bauarbeiter – an einem Kartenautomat aus Pappkarton. Der hat in der Bankfiliale gefehlt. Auch das hat sich aus dem Planspiel heraus entwickelt. „Die Idee kam von den Kindern selbst“, berichtet ein Betreuer. Aus der Küche des Jugendhauses strömt der Duft von Schokolade und Kuchen. In der „Bäckerei“ werden gerade Schoko-Croissants hergestellt, die danach im Supermarkt verkauft werden. Hier gibt es auch Briefmarken. Denn die Briefe, auf der keine Marke kleben, werden nicht befördert. Darauf verweist ein Schild auf dem städtischen Briefkasten. 

    „Es wird eigentlich alles gemacht, was sonst auch bei den Ferienspielen läuft“, erläutert Karsten Geier als verantwortlicher Mitarbeiter im „Anne Frank“ für das Projekt. Es wird gespielt und gebastelt, es gibt Sportangebote, Ausflüge und Mittagessen - nur dieses Mal eben eingebunden in ein Projekt, welches wiederum Bestandteil eines noch größeren Projektes ist. Diese Maßnahme ist in das vom LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) geförderte Praxisentwicklungsprojekt „Partizipation und Selbstbildung von Kindern und Jugendlichen in der Mindener Bildungslandschaft“ eingebettet, erläutert Daniela Thoring. So haben die Ferienspielkinder am Ende der elftägigen Aktion die Möglichkeit, Parallelen zu ihrem realen Wohnort zu ziehen und die Gelegenheit, den städtischen Mitarbeitern Anregungen und Themen, die sie stark beschäftigen, mitzugeben und damit Veränderungen anzuregen.

    „Wir wollen lernen und wissen, was die Kinder in ihrer Stadt Minden haben möchten und brauchen“, ergänzt Deborah Hupe aus dem Bereich Jugendarbeit / Jugendschutz. Dabei sollen die Erfahrungen aus dem Projekt „Mini Minden“ in die reale Welt transferiert werden. Am Ende des Planspiels sollen die Kinder sammeln, was sie sich für das große Minden wünschen. Dazu ist auch ein Besuch der Kinder-Bürgermeister beim „echten“ Bürgermeister Michael Jäcke angedacht. Der würde sich auf einen solchen Termin freuen, wie er spontan auf eine Anfrage antwortete.

    Pressestelle der Stadt Minden, Susann Lewerenz, Telefon 0571 89204,

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