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Ehemalige Grundschule in Leteln soll für die Unterbringung von Flüchtlingen hergerichtet werden

16. September 2016 | Minden. Die Stadt Minden wird - vorbehaltlich der Zustimmung des Rates für Haushaltsmittel in 2017 - in die seit Juli 2013 leerstehende Grundschule in Leteln investieren, um hier interimsweise Flüchtlinge in kleineren Wohneinheiten unterbringen zu können.

  • Das gaben Bürgermeister Michael Jäcke und Erster Beigeordneter Peter Kienzle Mittwochabend (14. September) am „Runden Tisch“ in Leteln und am Donnerstagabend (15. September) im Haupt- und Finanzausschuss bekannt.

    Die mündlich vorgestellten Pläne wurden am Mittwoch von den eingeladenen Letelner Vereinsvertretern und Ehrenamtlichen überwiegend positiv aufgenommen. Das Projekt zur Unterbringung von Asylsuchenden in Leteln sei bauordnungsrechtlich auf drei Jahre begrenzt, berichtet der Bürgermeister weiter. Auf die Frage nach der Zukunft der stillgelegten Sporthalle, sagte Bürgermeister Michael Jäcke, dass diese auf jeden Fall für ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen zur Verfügung stünde, solange die Gemeinschaftsunterkunft besteht. Nicht genutzt werden kann die Turnhalle allerdings, wenn hier im Notfall Flüchtlinge untergebracht werden müssen.


    Die Klassenräume sollen voraussichtlich ab Sommer 2017 so hergerichtet werden, dass hier je vier Menschen oder eine Familie übergangsweise leben können, bis eine Wohnung für sie gefunden ist. Jeder Raum wird mit Doppelstockbetten, einem Tisch, Stühlen und einem Schrank ausgestattet sein. Es wird auch eine Kochmöglichkeit geben. Teil des Konzeptes ist es, dass die Asylsuchenden sich selbst verpflegen. Maximal 90 Menschen könnten so in dem ehemaligen Schulgebäude mit einer „für diese Situation bestmöglichen Privatsphäre“ unterkommen, so Bürgermeister Michal Jäcke.

    Die Planungen für die Herrichtung des Schulgebäudes als Wohn-Gemeinschaftsunterkunft sollen Anfang 2017 stehen. Rund 870.000 Euro sollen für die Maßnahme in den Haushalt 2017 eingestellt werden. „Die Maßnahme ist deutlich günstiger, als wenn wir für diese Zwecke einen Neubau erstellen würden“, rechnete Bürgermeister Jäcke vor. Das Land stellt für die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen pauschale Mittel zur Verfügung. Dabei werden 10.000 Euro pro Asylsuchende im Jahr zu Grunde gelegt, so Kienzle.

    Der geplante Verkauf des städtischen Grundstücks in Leteln würde dann zunächst zurückgestellt. Ein Investor hatte das Interesse geäußert, hier eine Senioreneinrichtung errichten zu wollen, berichtet Erster Beigeordneter Kienzle auf Anfrage eines Letelner Bürgers im Rahmen des „Runden Tisches“. Dazu hatten Bürgermeister Michael Jäcke und Ortsvorsteher Heinrich Weihe eingeladen, um als erstes die Leteler direkt zu informieren. Jäcke lobte das ehrenamtliche Engagement für die in Leteln wohnenden Flüchtlinge. Es gibt hier auch schon Patenschaften. Das Engagement könne auch mit Spenden- und Fördermitteln unterstützt werden, so Jäcke.

    „Wir wollen vorausschauend denken und nicht wie im vergangenen Jahr von der Situation überrascht werden.“ Das habe die Stadt Minden teilweise an ihre Grenzen gebracht, so der Bürgermeister im Hinblick auf die sehr kurzfristig aus dem Boden gestampfte Notunterkunft in Häverstädt, wo bis zu 300 Flüchtlinge in einer Dreifachsporthalle und in einem Zelt untergebracht waren. Die Halle sei nach wie vor nicht für den Sport nutzbar und müsse saniert werden. Hier finden derzeit Gespräche mit der Bezirksregierung Detmold zur Ermittlung des Schadens und zur Übernahme eines Teils der Kosten statt.

    Die Schule in Leteln ist bereits von Anfang März bis Mitte Juli 2016 für die Unterbringung von Asylsuchenden genutzt worden. Sowohl die ehemaligen Klassenräume im Erdgeschoss als auch die stillgelegte Turnhalle wurden innerhalb kürzester Zeit von der Stadt Minden und von ehrenamtlichen Helfern hergerichtet. Sie hätte maximal 128 Flüchtlinge aufnehmen können, aber in der Spitze wohnten hier - nur in den Klassenräumen - übergangsweise rund 20 Flüchtlinge, die vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) betreut wurden. Als im Frühjahr insgesamt weniger Flüchtlinge kamen, wurde die Einrichtung im Sommer „wieder vom Netz“ genommen. Sie stehe aber nach wie vor bereit und könne innerhalb einer Woche wieder aktiviert werden, wenn zeitgleich viele Flüchtlinge nach Minden kämen, so Kienzle.

    Minden habe in diesem Jahr rund 230 Flüchtlinge zugewiesen bekommen, berichtet der Erste Beigegeordnete. Dieses waren in der Mehrzahl Familienzusammenführungen. Aktuell erwartet die Stadt in den kommenden zwei Wochen rund 100 Flüchtlinge, die von der Bezirksregierung Arnsberg bereits angekündigt wurden. 50 weitere sollen in diesem Jahr noch folgen. Ziel sei es weiter, diese in Wohnungen unterzubringen.

    320 Wohnungen hat die Stadt Minden in diesem und im vergangenen Jahr angemietet. „Wir haben derzeit Kapazitäten für 300 Personen in Wohnungen und Gemeinschaftsunterkünften frei“, so Kienzle. Die Stadt Minden habe gegenüber der Bezirksregierung Arnsberg, die landesweit für die Zuweisung von Flüchtlingen zuständig ist, den Wunsch geäußert, möglichst Familien zugewiesen zu bekommen. Ob dieses auch so eintritt, könne niemand genau sagen.

    Friedrich Rodenberg von der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke begrüßte das jetzt vorgestellte Konzept für die Grundschule Leteln. Die Erfahrung der vergangenen Monate habe gezeigt, dass es deutlich weniger Konfliktpotenzial gebe, wenn die Asylsuchenden in Wohnungen oder kleineren Wohneinheiten untergebracht werden. Mehr Privatsphäre entschärfe die Situation spürbar, so der Leiter der Mindener Polizeiwache, der auch noch eine aktuelle Zahl nannte, die überraschte: So gab es im vergangenen Jahr 10 Prozent weniger Straftaten in Minden als 2014 – und das bei knapp 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern mehr.

    Pressestelle der Stadt Minden, Susann Lewerenz, Telefon 0571 89204,

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