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Den Friedhof modern denken: Entdeckerpfad „Das grüne Klassenzimmer“ auf dem Nordfriedhof

29. Juni 2017 | Minden. Um das Thema Friedhof den Menschen näher zu bringen, hat sich Friedhofsmeister Alwin Pamin in den vergangenen Monaten viele Gedanken gemacht.

  • Der Mindener Nordfriedhof ist nicht nur ein Ort der Trauer, er soll mehr als eine Parkanlage gesehen werden, sagt er. Gemeinsam mit der Architektin Christina Stoffers ist aus diesem Grund das Friedhofs-Konzept überarbeitet und modernisiert worden. Eine Idee, die jetzt umgesetzt wurde, ist das „Grüne Klassenzimmer“.

    Das ist ein Entdeckerpfad für Kita- und Grundschulkinder. An unterschiedlichen Stationen gibt es die Möglichkeit Natur hautnah zu erleben. Beispielsweise ist ein großer Baumstamm mit herausnehmbaren Fächern zu bestaunen. Die Kinder können mit den Händen hineingreifen und unterschiedliche Materialien ertasten. Jahresringe zählen, Bienenstöcke anschauen und saisonale Bepflanzung gehören auch zum Entdeckerpfad dazu. „Wir möchten damit erreichen, dass Kinder vorurteilsfrei an das Thema Friedhof herangehen. Hier gibt es nicht nur Gräber und Gruften, sondern auch viel Spannendes zu erleben“, betont Pamin. Eine erste Gruppe konnte der Friedhofsmeister jetzt bereits empfangen – Kinder der Bierpohlschule nahmen den Entdeckerpfad bereits unter die Lupe. Die Kitas und Grundschulen müssen sich vorab nicht anmelden – sie sollen die Möglichkeit nutzen auch spontan einen Ausflug zum Nordfriedhof zu machen und dabei das „Grüne Klassenzimmer“ erforschen.

    Zum Bestaunen gibt es aber noch mehr: Auf Neugierige wartet das selbstgebaute Insektenhotel. Das hat auch seinen Platz im Parkfriedhof gefunden. Initiiert wurde das Projekt von Alwin Pamin. „Die Idee gab es schon seit einiger Zeit. Für die Umsetzung suchten wir nach einem passenden Partner“, sagt der Friedhofsmeister. Aus diesem Grund sprach er die Biologische Station Minden-Lübbecke e.V. an. Sascha Traue, Mitarbeiter im Bereich Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit, dachte sofort an die Schule Rodenbeck. Denn seit 2014 besteht die Zusammenarbeit zwischen der Biologischen Station und den Schülerinnen und Schülern. Der Kooperationspartner war also gefunden.

    Begonnen hat das Projekt mit einer Ortsbegehung, d.h. es wurde erst einmal geschaut, was überhaupt notwendig ist, um ein Insektenhotel zu bauen. Das war im vergangenen Jahr. Anfang 2017 ging es von der Planungsphase in die praktische Umsetzung – das Baumaterial wurde bestellt. „Wir haben die Manpower“, sagt Steffen Kempe, Werklehrer und Verantwortlicher für das Projekt Insektenhotel bei der Schule Rodenbeck/Außenstelle Fasanenstraße. Unter seiner Leitung werkelten vier Schüler jeden Mittwoch an dem Projekt. Die Grundkonstruktion besteht aus langen Kanthölzern. Für das Insektenhotel auf dem Mindener Nordfriedhof wurde Douglasie verwendet. Dieses Holz zeichnet sich durch seine Beständigkeit aus. Das Insektenhotel hat eine Größe von zweimal zwei Meter.

    In den vergangenen Wochen wurden die Fächer mit Inhalt gefüllt. „In die einzelnen Fächer sind Schilfrohre oder gelöcherte Backsteine eingesetzt worden. Das bietet den Insekten einen gute Brut-Möglichkeit“, beschreibt Sascha Traue von der Biologischen Station. Der ideale Standort für das Insektenhotel ist sonnig und witterungsgeschützt. Dadurch wird sichergestellt, dass für die Insektenbrut notwendige Wärme vorhanden ist und auf der anderen Seite die Tiere ausreichend vor Wind und Niederschlägen geschützt sind.

    Das und vieles mehr lernten elf Mädchen und Jungen der Bierpohlschule beim Besuch auf dem Nordfriedhof. In drei Arbeitsgruppen – Schilfrohre schneiden, Lehm anrühren und Holzscheite durchlöchern – machten sie sich daran, die Fächer des Insektenhotels zu füllen. Neben den praktischen Aufgaben vermittelte Sascha Traue auch Wissenswertes über das Leben und Wirken von Bienen. Warum sind Insekten wichtig für Menschen und Pflanzen und warum brauchen sie eigentlich ein Hotel – darauf fanden die kleinen Entdecker*innen gute Antworten. Jetzt sind einige der Fächer gefüllt und bieten verschiedenen Insekten ein neues Zuhause. Aber es gibt auch im kommenden Jahr noch etwas zu tun, denn die Fächer können erweitert werden, sagt Traue.

    Und das Projekt zieht weitere Kreise. Die Kinder des Ganztages der Grundschule Kutenhausen haben ebenfalls ein Insektenhotel gebaut. Das steht auf der Wiese des Friedhofs Kutenhausen. Zehn Kinder der Projektgruppe „Insektenhotel“ haben an zwei Nachmittagen unter Anleitung von Sascha Traue gewerkelt. Dieter Böttger vom Heimatverein Kutenhausen hat in der Werkstatt den Holzrahmen gefertigt und die Kinder haben die Fächer mit unterschiedlichen Materialien, wie Lochziegel und Schilfrohre, gefüllt. Dieses Insektenhotel ist ein lebendiges Projekt, denn auch hier wird in Zukunft weiter gearbeitet, sagt Kathrin Möhring, Schulleiterin der Grundschule Kutenhausen.

    So gibt es nicht nur auf dem Mindener Nordfriedhof einen neuen Nistplatz für Wildinsekten, sondern auch die Wiese des Kutenhauser Friedhofs bietet ein neues Zuhause. Die „grünen Klassenzimmer“ stehen für kleine und große Besucher*innen bereit. Es kann viel entdeckt, erforscht, gelauscht und gerochen werden. 

    Pressestelle Stadt Minden, Katharina Heß, , Tel.: 0571/89204.

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