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Mindener Museum: Objekt im Fokus Mai und Juni

2. Mai 2017 | Minden. Das Museumsteam möchte die Vielfalt, die Geschichte und den Dokumentationsstand seiner Sammlung vorstellen. Deswegen wird alle zwei Monate ein Objekt der Sammlung frei zugänglich im Foyer des Museums ausgestellt und seine Geschichte erzählt.

  • In der Sammlung des Mindener Museums werden rund 60.000 Objekte bewahrt. Trotz Dauer- und Sonderausstellungen oder Leihgaben an andere Museen lagern 95Prozent der Sammlung verborgen im Magazin. Die Vielfalt und die Geschichte der Sammlung und das Wissen über die Objekte stellt das Museumsteam regelmäßig in Kabinettausstellungen vor. Alle zwei Monate wird außerdem ein „Objekt im Fokus“ im Foyer des Museums ausgestellt und dort seine Geschichte erzählt.
                                                   
    Das Objekt im Fokus in den Monaten Mai und Juni ist ein Opernglas aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dieses Hilfsmittel ermöglichte es Besucherinnen und Besuchern bei Opern-, Theater- oder anderen Bühnenaufführungen das Geschehen auch auf größere Entfernung besser zu verfolgen.

    Operngläser, auch Theaterglas, Stecher oder Operngucker genannt, waren besonders in der Oberschicht des 19. Jahrhunderts verbreitet. Im Jahre 1823 meldete der Wiener Mechaniker F. Voigtländer erstmals ein österreichisches Patent auf die sogenannte „Doppel-Theater-Perspektive“ an. Zwei Jahre später wurde das Instrument von B. Wiedhold und A. Schwaiger in Wien verbessert. Jetzt konnte auch der Augenabstand verstellt werden. Die Konstruktion der Operngläser basierte auf dem schon von Galileo genutzten Prinzip binokularen Sehens, nach dem er seine Fernrohre entwickelte. Die einfachen Theatergläser ermöglichten jedoch nur eine geringe Vergrößerung des Sichtfeldes. Sie wurden deswegen generell nur zur Beobachtung des Geschehens auf und neben der Bühne verwendet. Die Gläser entlasteten die Augen und sollten auch fern- und kurzsichtigen Menschen beim Sehen helfen.

    Der junge Thomas Mann schrieb über die Vorzüge des Opernglases und wie er sie nutzte, um Besucherinnen auszuspähen: „Ich sehe Sie links vorne hereinkommen, mit ihrer Mutter und ihren Brüdern, sehe, wie Sie zu ihrem Platze in einer der vorderen Stuhlreihen gehen, sehe den Silbershawl um Ihre Schulter, Ihr schwarzes Haar, die Perlenblässe Ihres Gesichtes darunter…- es ist nicht zu sagen, wie vollkommen und wunderbar im Einzelnen ich Sie sehe!“

    Dass das Opernglas Bedeutung als modisches Accessoire hatte, ist an der teilweise recht aufwendigen Ausstattung mit Edelsteinen, Elfenbein oder anderen kostspieligen Materialien abzulesen. Viele Operngläser wurden verschenkt oder als Ehrung vergeben.

    Bei dem Mindener Objekt im Fokus handelt es sich um ein etwas schlichteres, industriell gefertigtes Opernglas aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hergestellt aus Messing, wurden beide Rohre mit Leder bezogen. Dazu gehört ein passendes Futteral aus schwarzem Leder mit glänzend, blauem Innenfutter. Hergestellt wurde das Opernglas, wie es in goldenen Lettern zu lesen ist, bei Friedrich Lücke, Mechaniker und Optiker in Hannover. Ins Mindener Museum kam das Objekt in den 1990er Jahren im Rahmen eines Nachlasses aus Minden.

    Aufgrund des Alters und der Herkunft aus einer Mindener Familie kann man davon ausgehen, dass das Opernglas schon im Vorläufer des heutigen Mindener Stadttheaters, der 1869 eingeweihten „Tonhalle“ genutzt wurde. Dort wurden „theatralische, musikalische Aufführungen und sonstige künstlerische Vorstellungen“ ausgerichtet. Erst nach dessen Schließung entstand zwischen 1906 und 1908 der Bau des heutigen Stadttheaters.

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