„I.Qu.I.“-Projekt: Schon mehr als 200 Geflüchtete sprachlich qualifiziert

20. November 2017 | Minden. Die Initiatoren und Förderer des Integrations-Projektes „I.Qu.I.“ (Identifizieren, Qualifizieren, Integrieren) können auf erfolgreiche 20 Monate zurückblicken.

  • Seit dem Start am 1. März 2016 konnten mehr als 200 Geflüchtete aus Minden und Umgebung in 13 Kursen sprachlich qualifiziert werden. „Die Qualifizierung war ein Sprungbrett für viele Teilnehmer*innen, mit der ein Einstieg in Arbeit oder Ausbildung erst möglich wurde“, berichtet Natalie Egert, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung und zuständig für das Projekt. Zahlreiche Teilnehmer*innen hätten eine Beratung und Unterstützung bezogen auf Arbeits- oder Ausbildungssuche in Anspruch genommen.

    Das Angebot richte sich in erste Linie an Geflüchtete mit guter Vorbildung oder einem Studium aus Ländern, für die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) keine Sprachkurse finanziere. „Das sind im Prinzip alle, die sich im laufenden Asyl-Verfahren befinden und keinen sicheren Anspruch auf ein Bleiberecht haben“, so Egert. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind Menschen aus Afghanistan, aus Guinea, Mali, Bangladesch, Tadschikistan und weiteren Ländern.

    Mit dem Projekt wolle sich die Stadt Minden nun am Bundeswettbewerb „Zusammenleben Hand in Hand – Kommunen gestalten“ beteiligen, berichtet der Erste Beigeordnete Peter Kienzle. Dieser an alle Kommunen der Bundesrepublik gerichtete Wettbewerb wurde vom Bundesinnenministerium ausgelobt. Hiermit sollen herausragende, kommunale Aktivitäten zur Integration von Zuwanderern und zur Förderung des Zusammenlebens mit der Bevölkerung vor Ort prämiert und bekannt gemacht werden.

    Das zusammen mit dem Campus Minden der Fachhochschule Bielefeld 2015 erarbeitete I.Qu.I.-Projekt wird finanziell von den Flüchtlingspartnern Minden – einer Initiative von allen Serviceclubs, zahlreichen Unternehmen und der Stadt Minden - unterstützt. Die Flüchtlingspartner übernehmen die Kosten für die Lehrkräfte und das Lernmaterial. Der Eigenanteil der Teilnehmer*innen beträgt hier lediglich 30 Euro. Die Stadt Minden hat – verteilt über die Haushalte 2016 bis 2018 – 29.000 Euro für das Projekt eingestellt und eine Teilzeitstelle eingerichtet, die sich im Schwerpunkt um die Teilnehmer*innen der Sprachkurse und die Vermittlung der sprachlich qualifizierten Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt kümmert, so Kienzle weiter.

    Die Idee für das Projekt entstand Anfang des Jahres 2015 aus der Erkenntnis heraus, dass sich in den Integrationskursen häufig hochqualifizierte Geflüchtete befanden, die in diesen Kursen oft - aufgrund der langsamen Lernstoffvermittlung - unterfordert waren. Es wurde festgestellt, dass in Minden und Umgebung kein Angebot an speziellen Sprachkursen mit angemessenem Lerntempo bestand, so Natalie Egert. Das Projekt entwickelte sich zunächst auf der Basis, Personen mit Hochschulzugangsberechtigung zu identifizieren, um diesen die Fortsetzung eines abgebrochenes Studiums oder die Aufnahme eines Studiums durch die rasche Vermittlung der deutschen Sprache mithilfe von B 2 und C 1-Crashkursen zu ermöglichen.

    Im Laufe des Projektes stellte sich aber heraus, dass nicht nur für Geflüchtete mit Hochschulzugangsberechtigung ein Sprachkursangebot geschaffen werden musste, sondern auch für viele andere gut qualifizierte Geflüchtete, um die Chancen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu erhöhen beziehungsweise zunächst einmal zu schaffen, da bis dahin lediglich die Teilnahme an den Integrationskursen (Sprachniveau B 1) durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert wurde. Es fehlte also nach Abschluss des Integrationskurses die Anschlussfinanzierung für einen Fortgeschrittenen-Sprachkurs.

    „Das Niveau der rund siebenmonatigen Kurse und die Lern-Geschwindigkeit kann an die jeweiligen Teilnehmer angepasst werden“, erläutert Egert weiter. Aktuell habe sich herausgestellt, dass der Bedarf an einem berufsbegleitenden Angebot für junge Flüchtlinge in einer Ausbildung oder mit einem Praktikumsplatz besteht. Dieser Abend-Kurs hat am 11. September angefangen. Auch ist ein Angebot für Frauen in den Räumen einer Kita angedacht, die aus Gründen der Kinderbetreuung keinen Sprachkurs besuchen können.  

    Viel Werbung für das sehr gut angenommene Qualifizierungs-Projekt war überhaupt nicht erforderlich. Am Anfang kamen Flüchtlinge, die von Ehrenamtlichen „vermittelt“ wurden und mit denen im Vorfeld ein Gespräch geführt wurde. Im weiteren Verlauf hatte sich das Angebot bereits „sehr gut herumgesprochen“, berichtet die zuständige Mitarbeiterin. Unterrichtet werden die Geflüchteten in den I.Qu.I.-Kursen vier Mal pro Woche von pensionierten Lehrkräften. Räumlichkeiten stehen in Schulen, städtischen Gebäuden oder in Kirchengemeinde-Häusern zur Verfügung.

    „Viele geflüchtete junge Menschen aus Minden und Umgebung konnten damit aufgefangen werden. Ihnen wurde eine schulische und berufliche Entwicklung ermöglicht“, streicht der Erste Beigeordnete Peter Kienzle heraus. Durch dieses Projekt wurden zudem viele positive Erfahrungen mit den Geflüchteten gemacht, die oft sehr zielstrebig seien, und sich gerne eine Zukunft in Deutschland aufbauen wollen. Auch die Arbeitergeber*innen profitieren. Mit dem Projekt konnte ebenfalls ein funktionierendes Netzwerk zur Bundesagentur für Arbeit, zur Pro Arbeit des Kreises Minden-Lübbecke, zu den Sprachschulen und weiteren Organisationen aufgebaut werden, nennt Kienzle einen weiteren Aspekt.

    Pressestelle der Stadt Minden, Susann Lewerenz, Telefon 0571 89204,

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