Die Dienststellen der Stadtverwaltung sind persönlich nur nach Terminvereinbarung erreichbar. Mehr Informationen. 

Seminar zu Leichter und Einfacher Sprache in Ausstellungen im Mindener Museum

2. Juli 2018 | Minden. Wie kann man Ausstellungen und Museumsführungen einfacher und verständlicher gestalten, um möglichst vielen Menschen den Museumsbesuch zu ermöglichen?

  • Dies war die zentrale Frage, welche im Mindener Museum von den unterschiedlichsten Teilnehmergruppen aus den Bereichen der Museumsarbeit, der Heimatmuseen und der Heimatpflege, erörtert wurde. Der Museumspädagoge Ulrich Neseker und die Referentin in der Geschäftsstelle des WHB, Sarah Pfeil, gaben mit einer kurzen theoretischen Anleitung und vielen Praxisbeispielen einen Überblick zum Thema. Dazu gehörte auch eine Führung in Leichter Sprache durch die Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen „Leben im Bett. Lesen, Essen, Wanzen jagen“, die derzeit im Mindener Museum gezeigt wird.
    Allein in Deutschland können 14,5 Prozent der Bevölkerung zwischen 16 und 64 Jahren keine zusammenhängenden Texte verstehen. Menschen mit Migrationshintergrund, Grundschulkinder und Menschen mit Demenz profitieren ebenfalls von einer einfachen Schreibweise. Praktische Erfahrungen mit der Einfachen Sprache und einer direkten Ansprache von Menschen mit kognitiven Defiziten hat Ulrich Neseker schon viele Jahre gesammelt. Neseker erklärt: „Mein Anspruch ist, mich stets auf die Gruppe einzustellen, die vor ihm steht. Mein Grundprinzip ist die didaktische Reduktion.“ Dass Leichte Sprache nicht leicht, sondern vielmehr harte Arbeit ist, berichtete Sarah Pfeil aus der Zeit ihres Volontariats in der LWL-Kulturabteilung. Eine generelle Herausforderung bei der Erstellung von Texten in Leichter Sprache, ist die gemeinsame Abstimmung unter den Entscheidungsträgern.
    Sarah Pfeil gab den Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern mit auf den Weg, dass alle an einem Strang ziehen müssen, um ein solches Projekt intern und extern erfolgreich zu gestalten.
    Zu Anfang der Führung durch die Wanderausstellung „Leben im Bett. Lesen, Essen, Wanzen jagen“ in Leichter Sprache, fragt Neseker die Seminargruppe: „Wer von Ihnen liest im Bett?“ und „Wer von Ihnen isst im Bett?“. Dadurch gelang es Neseker, die Teilnehmenden aktiv durch die Wanderausstellung „Leben im Bett. Lesen, Essen, Wanzen jagen“ in Leichter Sprache zu führen. Der Rundgang behandelte viele unterschiedliche Aspekte, die mit dem Thema Bett assoziiert werden. Beginnend mit Themen, wie der Geburt, Sexualität, Tieren im Bett und berühmten Malern, die im Bett arbeiteten, erklärte Neseker auch Fremdwörter, wie Aphrodisiakum, kurz und griffig.
    Die Seminargruppe setzte sich intensiv mit den Ausstellungstexten und den von der Lebenshilfe geprüften Texten auseinander und verglich diese kritisch miteinander. Im gemeinsamen Austausch über die Eindrücke der Ausstellung, lobten die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer insbesondere den „Austausch auf Augenhöhe“. Außerdem wurde deutlich, dass eine komplizierte Ausdrucksweise nicht immer zielführend ist.
    Ein Teilnehmer kam zu dem Schluss, dass er sich vornehmen würde, kurze und prägnante Sätze zu schreiben und zukünftig seinem Gegenüber mehr Zeit zum Nachfragen zu geben.
    Sarah Pfeil gibt den Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern abschließend den Tipp: „Machen Sie sich vorab bewusst, welche Zielgruppe man erreichen möchte. Dann ist auch die Auswahl der geeigneten Sprachform klar.“

    Philipp Koch, Museumsleiter Mindener Museum, Telefon 0571 972 4016.

  • © 2016 Stadt Minden

    Bitte wählen Sie Ihre Cookie-Präferenzen.