Der "Magische Ring" nach dem Vertikutieren und vor der Einsaat. Foto: Gunnar Heilmann

Magischer Ring nach dem Aufkeimen der Saat und mit erkennbarem Verlauf der äußeren Stützmauer des Festungsgrabens. Foto: Gunnar Heilmann

Und so sah der "Magische Ring" nach dem Mähen aus. Foto: Gunnar Heilman

Schon wieder ein bisschen grüner: der Magische Ring am 20. August. Foto: Stadt Minden

Ein Schild weist auf das Kunstwerk hin. Foto: Stadt Minden

Ring-Kunstwerk versehentlich gemäht

19. August 2019 | Minden.  Künstler Gunnar Heilmann war fassungslos. Stadt und Städtische Betriebe bemühen sich um „maximal mögliche Schadensbegrenzung“. 

  • „Intervention Königsglacis l Magischer Ring l Zwischenfrucht“ - so hat Künstler Gunnar Heilmann seinen Beitrag für die am 7. September beginnende Kunstausstellung „Wagnis. Wagner“ genannt. Insgesamt zehn Objekte, Installationen und Street Art werden bis zum 6. Oktober in der Mindener Innenstadt und im Glacis zu sehen sein. Drei Ausstellungsbeiträge kommen aus Minden. Einer davon ist der „Magische Ring“ von Gunnar Heilmann. Er hat Anfang Juli im Königsglacis Phacelia (auch Bienenweide,  Bienenfreund,  Büschelschön oder Büschelblume genannt) in Form eines Ringes eingesät.

    Der Blumen-Ring sollte als Bodenskulptur im Ausstellungszeitraum blühen. Das wird nun schwierig, denn ein größerer Teil seines Kunstwerkes ist in der vergangenen Woche versehentlich einem Mäher der Städtischen Betriebe Minden (SBM) zum Opfer gefallen. In dem Bereich des Königsglacis‘ hinter dem Ratsgymnasium wird regelmäßig gemäht. Doch sollte die vom Künstler eingesäte, rund 600 Quadratmeter große Fläche eigentlich ausgespart und nur die umgebende Fläche nach entsprechender Anweisung des Künstlers gemäht werden.

    „Die Stadt Minden und die Städtischen Betriebe bedauern diesen Vorfall außerordentlich. Wir haben uns sofort bei Herrn Heilmann entschuldigt und stehen mit ihm in Bezug auf eine maximal mögliche Schadensbegrenzung im Gespräch“, sagt die Beigeordnete für Bildung, Kultur, Sport und Freizeit der Stadt Minden, Regina-Dolores Stieler-Hinz. Und weiter: „Wir sind alle zuversichtlich, dass dies auch zum großen Teil gelingen wird.“ Kunst im öffentlichen Raum berge immer Risiken. Aber letztendlich spiegele diese Kunst im Besonderen das Leben in all seinen Facetten wieder. Damit werde diese unfreiwillige Intervention lebendiger Bestandteil des „Magischen Ringes“, so Stieler-Hinz.

    Die Städtischen Betriebe, die für dieses Versehen verantwortlich sind, haben sofort am vergangenen Freitag, 9. August, Phacelia an den betroffenen Stellen nachgesät. Zum kompletten Blühen werde das Kunstwerk aber wohl in drei Wochen nicht gebracht. „Von der Einsaat bis zur Blüte braucht die Pflanze sechs bis acht Wochen“, so Denis Rinne (Städtische Betriebe, Bereich Grünflächen). Blau wird der Ring zu Beginn der Ausstellung vermutlich nicht sein, aber die „Form als Ring wird deutlich sichtbar sein“, meint Gunnar Heilmann.

    Er stand am Morgen des 8. August fassungslos vor den Resten seines Kunstwerks. Der Mäher habe nicht alle Pflanzen erwischt, aber einen größeren Teil und er habe tiefe Spuren hinterlassen, berichtet Heilmann in einem Gespräch am vergangenen Donnerstag (15. August) im Rathaus. Er habe daraufhin sofort das Kulturbüro der Stadt Minden angerufen. Mitarbeiterin Beate Schmalen, die das Kunstprojekt „Wagnis. Wagner“ für die Stadt Minden betreut, Gunnar Heilmann und eine Kollegin der Städtischen Betriebe berieten am 8. August nachmittags vor Ort, was zu tun ist, um den entstandenen Schaden zu begrenzen.

    Trotz anderweitiger Absprachen wurde die Fläche turnusgemäß gemäht. „Die wichtige Information ist bei dem ausführenden Mitarbeiter aufgrund von Urlaubsvertretungen leider nicht angekommen“, sagt Horst Lehning, Leiter des Betriebshofes der SBM. Die Städtischen Betriebe haben ihre volle Unterstützung zugesagt. Zudem soll vor Ort auf den frisch eingesäten Bereich hingewiesen werden, um Spaziergänger*innen, Jogger*innen und Hundehalter*innen darauf aufmerksam zu machen, dass hier etwas Besonderes entsteht, was nicht betreten werden sollte.

    Gunnar Heilmann wird sein Werk auch weiter eng betreuen, wässert den Ringbereich regelmäßig und mäht die Innenfläche des Blumen-Ringes selbst. Das befindet sich im „Kessel“ eines historisch bedeutsamen Areals des Glacis. „Hier war einst eine Wallanlage der Bastion VI der preußischen Ringfestung“, erläutert Heilmann. Seinen Ring sieht er als „temporäre Intervention“. Der Ring hat einen Außendurchmesser von 30 Metern und einen Innendurchmesser von zwölf Metern. Der Ring wird von einer Bodenmarkierung durchschnitten, die den Verlauf der äußeren Mauer des früheren Wallgrabens sichtbar macht.

    Er versteht seinen Beitrag zum „Wagnis. Wagner“ auch als einen möglichen Impuls für die weiteren Überlegungen zur Ausgestaltung des Pflege- und Entwicklungskonzeptes für das Glacis, das im Herbst vom Rat beschlossen werden soll. Gunnar Heilmann hofft nun, dass sein „Ring“ bis zum Ende der Ausstellung am 6. Oktober blüht.

    „Das Kunstwerk soll bis in den Spätherbst stehen bleiben, ausblühen und wird dann erst untergepflügt“, sagte Denis Rinne zu. Das „Unterpflügen“ ist meist das Schicksal von Phacelia, die in der Landwirtschaft gerne als Zwischenfrucht und damit als natürlicher Dünger zur Bodenbereitung eingesetzt wird. Außerdem ist sie – was ihr umgangssprachlicher Name Bienenweide/Bienenfreund auch sagt – eine Blume, die viele Insekten anzieht und ernährt.

    Informationen zum Projekt „Wagnis. Wagner“
    Minden wird im September und Oktober 2019 für vier Wochen zu einer „Wagner-Stadt“. Zum einen ist das Stadttheater Schauplatz für den gesamten Ring-Zyklus von Richard Wagner, der zweimal aufgeführt wird. Zum anderen ist der „Ring der Nibelungen“ Impulsgeber für eine Kunstaktion im öffentlichen Raum mit dem Titel „Wagnis. Wagner“. Dem Aufruf der Stadt Minden, der Minden Marketing GmbH, der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen und dem Verein für aktuelle Kunst Minden-Lübbecke sind bis Ende April 49 Künstlerinnen und Künstler aus der gesamten Bundesrepublik gefolgt.

    Insgesamt zehn Objekte, Installationen und Street Art werden vom 7. September bis 6. Oktober in der Mindener Innenstadt und im Glacis zu sehen sein.
    Drei Ausstellungsbeiträge kommen aus Minden. Sieben weitere wählte eine hochkarätig besetzte Fachjury aus den eingereichten, bundesweiten Projekten im Mai 2019 aus.

    „Dieser Kunstwettbewerb bietet erneut die Gelegenheit, uns als Stadt der Kultur zu präsentieren. Wir haben etwas Großes gewagt“, streicht Regina-Dolores Stieler-Hinz, Beigeordnete für Bildung, Kultur, Sport und Freizeit, heraus. Die letzte Aktion für bildende Kunst im öffentlichen Raum habe es 2009 zum Gedenken an die 250 Jahre zurückliegende „Schlacht bei Minden“ gegeben. 

    Die Künstlerinnen und Künstler waren aufgerufen, sich dem „Wagnis. Wagner“ zu stellen. Sie sollten sich mit dem „Mythos Wagner“, seinem Opernkosmos und dem historischen Kontext im Spiegel der heutigen Weltsichten beschäftigen. „Keine ganz leichte Aufgabe“, so Regina-Dolores Stieler-Hinz. Aber die Ergebnisse waren beeindruckend. Zwölf Künstlerinnen und Künstler bekommen nun die Gelegenheit, sich und ihre zehn Arbeiten in Minden zu präsentieren.

    Eröffnet wird die Kunstausstellung im öffentlichen Raum am Samstag, 7. September, um 11 Uhr im Stadttheater. Flankiert wird die Aktion von einem Vermittlungsprogramm sowie weiteren Veranstaltungen und Angeboten, darunter Vorträge, Konzerte, Lesungen, Filmvorführungen, Ausflüge und auch ein Tortenbüffet des Wagner-Verbandes. Das Programm ist unter anderem bei der Minden Marketing GmbH erhältlich, liegt aber auch im Rathaus, im Kulturbüro und in den städtischen Kulturinstituten aus. Es werde auch noch einen Katalog zum Kunstwettbewerb sowie einen Flyer mit einer Route zu den einzelnen Objekten und Installationen geben, kündigt Beate Schmalen vom Kulturbüro der Stadt Minden an. 

    Pressestelle der Stadt Minden, Susann Lewerenz, Telefon 0571 89204,

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