Vorder- und Rückseite der Elfenbeinminiatur von Johann Christian Krüger

Foto: Mindener Museum

Ein Selfie aus dem 18. Jahrhundert

15. März 2019 | Minden. Im Schaufenster des Mindener Museums liegt ein Miniaturportrait aus. Die Miniaturmalerei von damals ist vergleichbar mit dem heutigen Schießen von Selfies mit dem Smartphone.

  • Im Schaufenster zur Stadtgeschichte präsentiert das Mindener Museum Dinge aus verschiedenen Epochen der Mindener Historie. Ein Fach mit wechselnden Objekten widmet sich besonderen Themen und aktuellen Fragestellungen.

    Bei Nachforschungen in der Sammlung zur Vorbereitung der Laborausstellung zur Schlacht bei Minden ist eine Elfenbeinminiatur in einer kleinen roten Schatulle wiederentdeckt worden. Miniaturmalerei gibt es seit dem 16. Jahrhundert. Sie war vor der Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert das, was für uns heute das Selfie oder der Schnappschuss mit dem Smartphone sind. Die kleinen Porträts trugen früher Bilder der Herrschenden wie der preußischen Könige hinaus zum Volk. Als Luxusgut am Hof verbreiteten sich die Miniaturbilder schnell, weil sie leicht zu transportieren waren und sich sehr gut eigneten, einen bildlichen Eindruck von unbekannten Menschen zu vermitteln oder an bekannte Persönlichkeiten zu erinnern. Miniaturen verwendete der Adel bei der Brautwerbung, als Andenken oder Liebesgabe. Im 18. Jahrhundert entdeckte auch das Bürgertum die Miniaturmalerei für sich. Die zierlichen Porträts wurden als Ring, Medaillon, Anhänger, Armband oder Brosche getragen. Größere Formate hängte oder stellte man auf. Im Kunsthandwerk finden sich Miniaturen auch in Form von Dosenbildern, die Behältnisse jeder Art schmückten. Miniaturen waren oft nicht einzigartig: Viele Künstler kopierten vorhandene Porträts und reduzierten sie im Maßstab. Die Größe der Miniaturen ist unterschiedlich, doch 20 Zentimeter gelten als Höchstmaß.  Die Techniken der Miniaturmalerei reichen von Wasserfarben auf Papier, Pergament oder Elfenbein über Ölmalerei auf Kupfer und Gold bis hin zur Emaille-Malerei.

    Das wiederentdeckte Miniaturporträt trägt auf der Rückseite die Notiz: „Hans Christian Krüger Königl. [lich] Preussischer Camer- [Cammer-]Gerichts-Rath, und Revisor bey dem General-Ober Finanz-Krieges- und Domainen Directoris, 38 Jahr alt, gemahlet von A: F: König Hofmahler in [B]erlin d: 25ten Apr: 1766. [i]n golde eingefast [vo]n J.P. Remii, Hoffgeheusem[acher] Berlin“.

    Hans ist eine Kurzform von Johann(es), daher dürfte es sich bei der hier abgebildeten Person um Johann Christian Krüger [23.11.1727-22.6.1798], Berlin, handeln. Seine Lebensdaten entsprechen dem Alter, das im Text auf der Rückseite der Miniatur mit 38 Jahren angegeben wird. Unter Berücksichtigung des Entstehungsdatums der Miniatur - 25. April 1766 - und vor allem der genannten Funktionsbezeichnung „Königlich Preussischer Kammergerichtsrat und Revisor beim General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domainen-Direktorium (kurz: Generaldirektorium) lässt sich die abgebildete Person eindeutig identifizieren. Das Generaldirektorium war eine zwischen 1723 und 1808 bestehende preußische Zentralbehörde mit Sitz in Berlin für die Innen- und Finanzverwaltung.

    Die Miniatur stammt vom Miniaturmaler Anton Friedrich König, dem Älteren [1722-1787], aus Berlin. König malte u.a. Miniaturportraits Friedrich des Großen [1712-1786], der ihn 1767 zum Hofmaler für Miniaturporträts ernannte. König war bis zu seinem Tod Ehrenmitglied der Akademie der Künste. Die verlorene, offenbar ursprünglich goldene Einfassung stammt vom Taschen-Uhrgehäusemacher und Graveur Jean Pierre Remy (*ca. 1717- gest. 16.3.1796), der aber entgegen der Inschrift doch kein Hof-, sondern nur Gehäusemacher war.

    Wie und wann das Objekt in die Sammlung des Mindener Museums gelangte, konnte bisher leider nicht herausgefunden werden. Sehr wahrscheinlich ist aber ein Bezug zur Schlacht bei Minden. Krüger war seit 1761 Freimaurer und lernte über seine Loge den Herzog von Braunschweig kennen. Einen direkten Bezug zur Schlacht bei Minden und der Person Krügers gibt es bislang nicht.

    Mindener Museum, Di.-So. 12-18 Uhr; Sonderöffnungszeiten für Gruppen.
    Weitere Infos unter www.mindenermuseum.de oder 0571 / 9724020 oder .


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