Ein moderner Bau vor einem einsturzgefährdeten Fachwerkhaus in Bochum: Die Weimarer Republik war im Westen in vielerlei Hinsicht eine Republik der Gegensätze.

Foto: LWL-Medienzentrum für Westfalen/Ernst Krahn

Ausstellung „Weimar im Westen: Republik der Gegensätze“ im Mindener Museum

10. September 2019 | Minden. Um 16 Uhr wird die Ausstellung, die um stadtgeschichtliche Objekte aus der vielfältigen Sammlung des Museums ergänzt wird, eröffnet. 

  • Die multimediale Wanderausstellung „Weimar im Westen: Republik der Gegensätze“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) im Verbundprojekt „100 Jahre Bauhaus im Westen“ macht ab Samstag, 21. September, Station im Mindener Museum. Um 16 Uhr wird die Ausstellung, die um stadtgeschichtliche Objekte aus der vielfältigen Sammlung des Museums ergänzt wird, eröffnet. Ausstellungskuratorin Dr. Julia Paulus vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte wird in die Präsentation einführen, zu der das Mindener Museum zahlreiche Ton- und Bilddokumente beigetragen hat. Zur Eröffnung ist der Eintritt frei.

    Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Während der Weimarer Republik genossen erstmals alle Deutschen demokratische Rechte und Freiheiten. Gleichzeitig wurden in dieser Zeit die Zerbrechlichkeit und Gefahren der Demokratie spürbar. Kurz gesagt war die Weimarer Republik eine Republik der Gegensätze: Politische Aufbrüche und soziale Fortschritte gingen mit sozialen Konflikten und extremer Gewalt einher.

    Die multimediale Wanderausstellung „Weimar im Westen: Republik der Gegensätze“ spürt diesen Widersprüchen im Rheinland und in Westfalen-Lippe nach. Hier werden Probleme und Erfolge der ersten deutschen Demokratie wie unter einem Brennglas sichtbar. Auf der einen Seite stehen die Aufbrüche in die Moderne, wie sie in den Bauhausbauten Rheinlands und Westfalens, in sozialen Reformprojekten oder im Wandel von Lebensstilen auch in der „Provinz“ sichtbar wurden. Auf der anderen Seite waren Abschottung, Antisemitismus und Ausgrenzungen von Andersdenkenden sowie Gewalt fester Bestandteil der politischen Kultur. Und nicht zuletzt bestimmte der ökonomische Mangel den Alltag vieler Rheinländer und Westfalen. Darüber hinaus bildeten Rheinland und Westfalen das Zentrum reichsweiter Auseinandersetzungen. Der Ruhraufstand linker Arbeiter zur Abwehr des Kapp-Putsches 1920 und der Ruhrkampf 1923 gegen die französische Militärbesatzung erregten weit über die Region hinaus die Gemüter aller Deutschen. Die Wahlerfolge der NSDAP in Lippe Anfang 1933 wiederum wurden von den Nationalsozialisten als Startschuss für die „Machtergreifung“ im Reich inszeniert.

    Die Wanderausstellung präsentiert sich einem breiten Publikum in vier begehbaren Würfeln mit einem vielfältigen multimedialen Angebot. Bislang unbekannte Fotos und Filme stehen im Mittelpunkt der Schau, die erstmals einen umfassenden Blick auf „Weimar im Westen“ eröffnet. Ergänzt wird diese regionale Perspektive durch eine umfangreiche Einführung in die allgemeine Geschichte Deutschlands zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus mit ihren vielfachen Bezügen zu Rheinland und Westfalen-Lippe.

    Die Ausstellung wurde zum 100. Jahrestag der Weimarer Nationalversammlung im Januar 2019 im Düsseldorfer Landtag erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Seitdem ist sie bis Ende 2019 an sieben Orten im Rheinland und in Westfalen-Lippe zu sehen, in Minden noch bis zum 26. Oktober. Darüber hinaus steht Besucher*innen ein umfangreiches Begleitprogramm mit Online-Angeboten, Filmen und Veranstaltungen, Materialien für Schulen, Studierende und historisch Interessierte zur Verfügung (www.weimar-im-westen.de). Erarbeitet wurden Ausstellung und Begleitprogramm vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte in Kooperation mit dem LWL-Medienzentrum für Westfalen und dem LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte.


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