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10. Dezember 2020 | Minden. Verändertes Angebot für Frauen – „Wir machen uns auf den Weg“. 

  • Viele gute Dinge passieren dann, wenn man sich überwindet und den ersten Schritt geht. Sich überwunden, das haben auch Lina aus Syrien und Meneskşe aus der Türkei. Die beiden jungen Frauen sind beim Sprachkurs „Wir machen uns auf den Weg…“ im Begegnungszentrum Bärenkämpen dabei. Lina lernt dort seit zwei Jahren, wie sie sich in ihrer neuen Heimat verständlich machen kann. Dabei kommt es nicht darauf an, dass die Teilnehmerinnen die gesamte deutsche Grammatik perfekt wiedergeben können, sondern sie sollen sich in Alltagssituationen zurechtfinden. Die Themen für den Kurs geben die Frauen selbst vor. Meneskşe ist in diesem Jahr dazugekommen. Sie wurde durch Mundpropaganda auf den Kurs aufmerksam. Die beiden jungen Frauen sind sich darin einig, dass es ohne Sprache und Lesen einfach nicht geht. 

    Begonnen hat das Projekt vor rund zwei Jahren in der Mosaikschule über einen Antrag des Fördervereins im Quartiersbeirat Bärenkämpen. Die Kursleiterin Gudrun Egger und die Integrationsassistentin Akila Cheich Houssein sind mit viel Engagement und Begeisterung mit einem Kurs pro Woche gestartet. „Mittlerweile haben wir die Gruppe in zwei verschiedene Kurse aufgeteilt. Nicht jede Frau kommt mit denselben Voraussetzungen an. Jetzt gibt es einen A-Kurs für Fortgeschrittene und einen B-Kurs für Analphabetinnen“, erklärt Egger. Unterstützt wird das Kursangebot von der Quartiersmanagerin Elke Ruhe-Hartmann, die die Teilnehmerinnen bei Anfragen auch berät und an weitergehende Angebote weiter verweist.

    Lina hat sprachlich bei null angefangen, sich aber kontinuierlich gesteigert. Der regelmäßige Austausch innerhalb des Kurses und die vielen weiteren Angebote im Begegnungszentrum haben beim Deutschlernen sehr geholfen. „Jetzt muss ich aber mit meinen Kindern und meinem Mann zuhause lernen“, sagt sie. Die Corona-Pandemie hat den Kurs durcheinander gewirbelt. Treffen in der Gruppe dürfen momentan nicht sein. Aber die jungen Frauen sollten und wollten weiter lernen und daraus entstand die Idee für Lernhefte, hebt Akila Cheich Houssein hervor. „Gudrun fand meine Idee super und hat sich gleich dran gesetzt rund 30 Lernhefte per Hand zu gestalten“, sagt die Integrationsassistentin. Die Ausgabe der Lernhefte ging dann ganz pragmatisch: kurze Nachricht über den Messenger-Dienst, Termine verabredet und nach wenigen Tagen waren alle Hefte über das Fenster im Begegnungszentrum in Bärenkämpen verteilt. 

    Ute Hildebrandt, Leiterin des städtischen Quartiersmanagements, fügt hinzu: Unser Angebot ist nicht im klassischen Sinn ein Sprachkurs – es geht darum, dass die jungen Frauen gut im Alltag in Deutschland zurechtkommen. Einkaufen, Arztbesuche oder Termine in Kita und Schule – dafür bereiten sie sich vor. Ermöglicht wird die finanzielle und organisatorische Umsetzung des Projektes durch eine Kooperation mit der Integrationsbeauftragten Selvi Arslan, dem Bildungsplaner Tobias Haring sowie Carmela Vitiello vom Bildungsforum Lernwelten.

    Der Kurs ist wichtig, weil man die Angst verliert Deutsch zu sprechen, hebt Meneskşe hervor. „Mir hat geholfen, dass ich hier ganz unbefangen aufgenommen wurde. Außerdem habe ich gesehen, dass ich mit meinen Schwierigkeiten nicht alleine bin und das gibt mir Sicherheit“, sagt die alleinerziehende Mutter. Zuhause spreche ich mit meinen beiden Kindern Deutsch. Sie lernen in der Kita und der Schule viel schneller als ich. Aber ohne den Kurs in Bärenkämpen könnte ich Deutsch nicht schon so gut in der Schriftsprache, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. 

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