Die Dienststellen der Stadtverwaltung sind persönlich nur nach Terminvereinbarung erreichbar. Mehr Informationen. 

Jetzt verkehrsberuhigte Zone: Hahler Straße neu gestaltet

26. Oktober 2021 | Minden. Der Abschnitt wurde mit Verbundpflaster barrierefrei ausgebaut. Es handelte sich um eine kombinierte Kanal- und Straßenbaumaßnahme.

  • Für den Verkehr wieder freigegeben ist seit rund drei Wochen die Hahler Straße im Abschnitt zwischen Kampstraße und Königswall. Und sie sieht ganz anders aus als vor den Straßenbauarbeiten, die hier von Anfang Juni bis Ende September 2021 liefen. Stadt und Städtische Betriebe haben die notwendige Kanalerneuerung in dem Abschnitt zum Anlass genommen, die Straße komplett neu auszubauen. Basis dafür war die „Rahmenplanung Obere Altstadt“ und der Barriereatlas der Stadt Minden.

    „Die hier enthaltenen Lösungsvorschläge wurden in der Planung ebenfalls berücksichtigt“, erläutert  Mirco Koppmann, Leiter des Bereiches Straßen - Abwasser - Gewässer bei den Städtischen Betrieben Minden (SBM). Die Hahler Straße sei im Vollausbau höhengleich und barrierefrei geplant worden. Rund 390.000 Euro flossen in den Straßenausbau. Der Umbau der Hahler Straße wird mit Mitteln der Städtebauförderung – 80 Prozent von Bund und Land – für die Barriereatlas-Maßnahmen unterstützt. Die Hahler Straße war in diesem Konzept eines der Vorrangprojekte.

    Die Fahrbahn und die Seitenräume sind aus Verbundsteinpflaster in der Farbe „Muschelkalk“, hergestellt worden. Dieses gelb-grau-rote Betonsteinpflaster wurde bereits an verschiedenen Stellen der Altstadt zur Herstellung von barrierefreien Wegebeziehungen eingebaut. Als Entwässerung dient eine Mittelgosse. Zur Auflockerung und zur Geschwindigkeitsreduzierung wurden Grünflächen angeordnet, die im Frühjahr 2022 noch bepflanzt werden.

    Die Straße ist in dem Abschnitt ist nun eine verkehrsberuhigte Zone. Hier gilt Schrittgeschwindigkeit – also maximal 7 Stundenkilometer - für alle Verkehrsteilnehmer*innen. Die Schilder fehlen noch, sind aber von der Verkehrsbehörde bereits angeordnet. Alle Verkehrsarten teilen sich nun eine Fläche. Das Parken ist in verkehrsberuhigten Bereichen eigentlich nur in markierten Flächen erlaubt. In dem Abschnitt der Hahler Straße gibt es allerdings keine Kennzeichnungen, weil der Platz dafür nicht ausreichte. „Vorrang hat nun die Aufenthaltsfunktion und nicht der Kfz-Verkehr“, so die Verkehrsbehörde. Vorher durfte 30 Stundenkilometer schnell gefahren werden. Die Einbahnstraßenregelung - mit Radverkehr in beiden Richtungen - wird beibehalten.

    „Im Bereich der Einmündung zur Kampstraße werden noch drei Fahrrad-Anlehnbügel und eine Sitzgelegenheit untergebracht“, kündigt Mirco Koppmann an. Im Zuge der Arbeiten wurde auch die Signalanlage im Bereich des Knotens Königswall behindertengerecht umgebaut. So wurden akustische Signalgeber nachgerüstet, Absenkungen eingebaut und es sind taktile Leiteinrichtungen vorhanden.

    Der Vorsitzende des Beirates für Menschen mit Behinderungen, Eckhard Rüter, begrüßt den barrierefreien Ausbau sehr. „Ich denke, nicht nur Menschen mit Behinderungen werden sich über diese Neugestaltung freuen“, stellt Rüter heraus. Bei diesem Teil der Hahler Straße handele es sich um eine von mehreren Vorrangruten, „über die der Innenstadtbereich gut zu erschließen ist", so der Beiratsvorsitzende weiter. Nun sei dieser "Zubringer" neu gestaltet worden und zeige deutlich, dass hier ein neues Gebiet, nämlich der Innenstadtbereich beginnt.

    Vor dem Ausbau waren die vorhandenen Gehwege mit hohen Bordsteinen zu schmal, um der Barrierefreiheit gerecht zu werden. Bei einer Breite von nur 80 bis 100 Zentimetern, war ein Begegnungsverkehr zwischen Rollstuhlnutzer*innen, für Menschen mit Rollatoren oder Eltern mit Kinderwagen barrierefrei nicht möglich. Die Straßendecke bestand aus Asphalt. „Das war kein gutes Bild für eine Straße, die als Verbindung zwischen Fußgängerzone und Königswall viel genutzt wird“, meint Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz . Vor diesem Hintergrund wurde auch bei Bürgerversammlungen zur Rahmenplanung Obere Altstadt im Herbst 2019 großer Handlungsbedarf gesehen und eine ansprechendere Gestaltung angeregt.

    Dem Straßenausbau ging eine Kanalbaumaßnahme voraus, die sich über den Zeitraum von Ende Oktober 2020 bis Anfang März 2021 erstreckte. Es wurden der Mischwasserkanal mit einem Durchmesser von 400 Millimetern und auch die Grundstücksanschlüsse erneuert. „Die Versorgungsleitungen waren bereits neu, somit hatten die Versorger hier keinen weiteren Bedarf“, weiß SBM-Bereichsleiter Mirco Koppmann.

    Die Kanalbaumaßnahme war in drei Bauabschnitte aufgeteilt. Im ersten erfolgte der Anschluss an den vorhandenen Mischwasserkanal-Schacht im Königswall. Daran schloss sich der zweite Bauabschnitt mit der eigentlichen Erneuerung des Mischwasserkanals an. Im dritten Bauabschnitt  wurde schließlich der Anschluss an den vorhandenen Mischwasser- Schacht in der Kampstraße gelegt. Der Hauptkanal wurde laut Koppmann aus dem Gebührenhaushalt der SBM finanziert. Die Bausumme betrug 308.000 Euro. Hierfür entstanden den Anliegern keine Kosten. Die Erneuerung der Grundstücksanschlüsse wurde nach geltender Abwassersatzung, über den Kostenersatz abgerechnet.


    Informationen zum Barriereatlas
    Der im April 2015 veröffentlichte Barriereatlas ist das Ergebnis mehrjähriger intensiver Arbeit und das Ergebnis von gelebter, aktiver Bürgerbeteiligung in Minden. Nicht nur Politik, Verwaltung und zwei Planungsbüros haben sich eingebracht, sondern auch viele Bürgerinnen und Bürger sowie die Mitglieder des Beirates für Menschen mit Behinderungen. Allen ist es gelungen, für eine schwierige Problematik – vor allem bedingt durch die immensen Höhenunterschiede zwischen unterer und oberer Altstadt – Lösungen zu finden und zu erarbeiten.

    Der Barriereatlas enthält verschiedene Maßnahmen, die nach und nach umsetzt worden sind oder noch werden. Ein großes Projekt war die Neugestaltung der Fußgängerzone, die unter anderem eben gepflastert und mit taktilen Leitlinien ausgestattet wurde. Diese Bereiche sind grundsätzlich frei zu halten - von Werbeträgern, Tischen und Stühlen.

    Hintergrund für den Barriereatlas für Minden, der vom Land NRW aus dem Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ gefördert wird, ist das „Integrierte Handlungskonzept (2009-2017)“, das vorsieht, eine weitgehende Barrierefreiheit für die gesamte historische Innenstadt zu erreichen. Das große Ziel ist es, die Stadt Minden für alle Menschen erreichbar zu machen. Dazu gehören auch die Barrierefreiheit von öffentlichen beziehungsweise halböffentlichen Gebäuden sowie auch die barrierefreie Zugänglichkeit des öffentlichen Personennahverkehrs.

    Pressestelle der Stadt Minden, Susann Lewerenz, Telefon 0571 89204,

  • © 2016 Stadt Minden

    Bitte wählen Sie Ihre Cookie-Präferenzen.