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Arbeit, Wirtschaft, Standort

Unternehmensumfrage 2020

Die Wirtschaftsförderung führt alle zwei Jahre eine Unternehmensbefragung durch, um Informationen über die aktuelle Lage und Aussichten der Unternehmen am Wirtschaftsstandort Minden zu erhalten. An der Umfrage im Spätsommer 2020 haben 132 Unternehmen aller Branchen teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen die Folgen der Corona-Krise auf den Wirtschaftsstandort Minden, zeichnen jedoch in vielen Bereichen auch ein positives Bild.

  • Die Mehrheit der Unternehmen bescheinigt Minden trotz der Corona-Pandemie gute Entwicklungsaussichten. 64% der befragten Betriebe haben den Eindruck, dass sich Minden als Wirtschaftsstandort positiv entwickelt. Die Entwicklungsaussichten haben sich somit ggü. dem Vor-Corona-Wert von 2019 nicht verändert.

    Als Gründe für die positive Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Minden nannten die Unternehmen v.a. den positiven Einfluss mehrere größerer Unternehmen auf den Standort, harte Standortfaktoren wie den Campus Minden oder den RegioPort OWL, sowie eine gute Unterstützung durch die Stadt und Wirtschaftsförderung. Als Gründe für eine negative Entwicklung wurden u. a. fehlende Gewerbeflächen, langwierige Prozesse und (Bau-)Genehmigungsverfahren, eine stockende Entwicklung bei Großprojekten und mangelnde Investitionen in die (Verkehrs-)Infrastruktur genannt.


    Die Corona-Krise

    Daneben zeigen die Ergebnisse der Unternehmensbefragungen die erwarteten Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mindener Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Minden. 60,5% der befragten Unternehmen verzeichneten einen Umsatzrückgang, bei 53,8% der Betriebe gingen die Aufträge zurück. Etwa jedes dritte Unternehmen hat Investitionspläne für das aktuelle Geschäftsjahr verschoben, jedes sechste Unternehmen hat geplante Investitionen komplett gestrichen. Hinzu kamen logistische Schwierigkeiten Bezug von Vorleistungen oder Dienstleistungen und beim Absatz der eigenen Produkte (Warenstau). Demgegenüber verzeichneten 8,4% der Betriebe einen Umsatzanstieg.


    17,8% der Betriebe mussten aufgrund einer rechtlichen Anordnung (u.a. Allgemeinverfügung der Stadt Minden, Erlasse/Verordnungen des Landes NRW) vorrübergehend schließen. Dies betraf v.a. Beherbergungs- und Gastronomie-Betriebe, den Handel und weitere Dienstleistungsbetriebe.

    Die Bundes- und Landesregierung hat einige Hilfsmaßnahmen zur Unterstützung der Unternehmen verabschiedet. Mehr als jedes Dritte Unternehmen in Minden (38,9%) hatte Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen. 28,3% der befragten Betrieben haben die Soforthilfe des Landes NRW genutzt. 15% der Unternehmen haben eine Herabsetzung von Steuervorauszahlungen und je 6,2% eine Stundung der Gewerbesteuer bzw. der Einkommens-/Körperschaftssteuer in Anspruch genommen. Nur 5,3% der Unternehmen haben finanzielle Überbrückungshilfen in Form von Krediten beantragt. 42,5% der Unternehmen haben bisher keine Unterstützungsmaßnahmen beantragt (Stand September 2020).


    Die Unternehmen haben zahlreiche Krisenmaßnahmen eingeleitet. Hierzu gehörten v.a. Investitionen in Maßnahmen zum Gesundheits- und Arbeitsschutz (73,7%) und der Ausbau flexibler Arbeitszeitmodelle (z.B. Homeoffice, Ausweitung der Gleitzeit, Schichtsysteme). Mehr als jedes zweite Unternehmen reagierte durch einen Abbau von Überstunden oder der Nutzung von Urlaubstagen personalpolitisch auf die Krise. Jeder zweite Betrieb hat die digitale Infrastruktur weiter ausgebaut. Die Corona-Krise hat somit auch in Minden die Veränderung der Arbeitswelt beschleunigt. 


    Die Aussichten der Unternehmen sind angesichts der anhaltenden Unsicherheiten über die wirtschaftliche Erholung gedämpft. So schätzen 34,5% der Unternehmen die Entwicklung der Auftragslage in den kommenden 12 Monaten als „gut“ bis „sehr gut“ und 22,3% als „schlecht“ bis „sehr schlecht“ ein. Bei den Umsätzen und der Innovationstätigkeit ergibt sich ein ähnliches Bild. Hinsichtlich der Personalentwicklung erwarten die Unternehmen überwiegend wenig Veränderungen.


    Die Ergebnisse der Unternehmensbefragungen zeigen zudem, dass neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie die Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften für die Mindener Unternehmen nach wie vor eine große Herausforderung ist. Zwar ist auch in Minden ging der Anteil der Unternehmen mit offenen Stellen in der Corona-Krise stark gesunken, dennoch suchte 2020 jedes dritte Unternehmen Arbeitskräfte (2019: 57,8%). Dabei zeigen sich deutlich Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Im Dienstleistungssektor hat sich die Situation weiter verschärft. So suchten 71,4% der befragten Unternehmen aus dem Bereich Beherbergung und Gastronomie Arbeitskräfte, im Bereich Information und Kommunikation 66,7% (2019: 43,0%), 66,7% in der Logistikbranche (2019: 33,3%), im Handel 26,7% (2019: 43,8%) und im Bereich Sonstige Dienstleistungen 79,0% (2019: 33,3%). Im Baugewerbe (2020: 52,1%; 2019: 60,0%) und im Verarbeitenden Gewerbe (2020: 39,1%; 2019: 76,9%) ist der Anteil der Unternehmen, die Arbeitskräfte suchen, durch die Corona-Krise hingegen spürbar zurückgegangen. 


    Die Qualitätsanforderungen bei den offenen Stellen haben sich im Vergleich zu den Vorjahren ebenfalls verändert. 58% der Unternehmen setzen eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus (2019: 81%). Daneben werden wieder vermehrt ungelernte Arbeitskräfte (20%) sowie Personen mit einem abgeschlossenen Fachhochschul- oder Universitätsstudium (22%) gesucht.



    Standortfaktoren

    Welche Standortfaktoren sind für die Unternehmen in Minden besonders wichtig und wie zufrieden sind sie mit diesen? Zur Beurteilung des Wirtschaftsstandortes Minden wurden die Betriebe gebeten, 27 vorgegebene harte und weiche Standortfaktoren zu bewerten.

    83% der befragten Unternehmen bewerten die Standortbedingungen in Minden insgesamt als gut bis sehr gut. Die am besten bewerteten Standortfaktoren sind die medizinische Versorgung, das Schulangebot, Nähe zu Hauptkunden, die überregionale Verkehrsanbindung und das Angebot und die Erreichbarkeit von (Fach-)Hochschulen. Kritischer bewertet wurden hingegen die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften, die Ausbildungsreife der Jugendlichen, die Höhe von Beiträgen, Gebühren und kommunalen Abgaben sowie die Verfügbarkeit von Auszubildenden sowie die Verfügbarkeit von sonstigen Arbeitskräften.



    Die Stadt Minden hat diese Herausforderungen jedoch bereits erkannt und kann sich durch die Umfrageergebnisse bestätigt fühlen, die richtigen Angebote aufgebaut zu haben, um hier für Besserung zu sorgen. Mit der Entwicklung neuer Gewerbe- und Industrieflächen sowie attraktiver Wohngebiete werden in den kommenden Jahren weitere Grundsteine für die Zukunft Mindens gelegt. Gemeinsam mit dem Kreis Minden-Lübbecke schreitet der Breitbandausbau voran. In den kommenden Jahren werden die letzten weißen Flecken und Schulstandorte in Minden erschlossen. Investitionen in den ÖPNV führen bereits seit Anfang 2020 zu einen spürbarer Verbesserung des Angebotes. Und mit dem Mindener Innovations- und Technologiezentrum wurde ein Zentrum für Start-ups und junge Unternehmen im Kreis Minden-Lübbecke geschaffen – mit positiver Ausstrahlung für die gesamte Region.  

     

    Hintergrund

    Die alle zwei Jahre von der Wirtschaftsförderung durchgeführte Unternehmensbefragung stellt eine wichtige Grundlage für die Aufstellung und Fortschreibung des Wirtschaftsförderungskonzeptes stellt dar.

    Angesichts der aktuellen Herausforderungen der Corona-Pandemie wurde nach der turnusmäßigen Umfrage 2019 im Jahr 2020 eine weitere Umfrage durchgeführt. Aufbauend auf den Ergebnissen aus der letzten Befragung wurde der Fragebogen leicht modifiziert und um einen Fragenblock zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie ergänzt. Für die erneuerte Umfrage wurde erneut ein vierwöchiger Zeitraum von Mitte August bis Mitte September 2020 gewählt. Im Rahmen der Umfrage wurden insgesamt 450 Betriebe angeschrieben. 132 Unternehmen haben den Fragebogen soweit ausgefüllt, dass er für die Auswertung verwertbar ist (Rücklaufquote: 29,3%.)

    Die Wirtschaftsförderung bedankt sich ganz herzlich bei allen Teilnehmer*innen für Ihren Beitrag, den Wirtschaftsstandort Minden weiter zu verbessern.

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