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Gebühren erhöht

  • Neue Preise für die Städtische Badeanstalt ab 3. April 1929

    Von Dr. Monika M. Schulte

    Zum 3. April vor 75 Jahren, 1929, wurden die Preise für die Benutzung der Städtischen Badeanstalt erhöht. So hatte es die Stadtverordnetenversammlung am 27. März in öffentlicher Sitzung beschlossen.

    Eine Badekultur entwickelte sich in Minden sehr früh, liegt die Stadt doch an einem Fluss, der im Sommer zum Baden einlädt. Schon im Mittelalter wird es hier wie anderenorts Badestuben gegeben haben, die das ganze Jahr über keineswegs nur der körperlichen Reinigung dienten. In Badestuben wurde vom Bader auch Gesundheitspflege betrieben, beispielsweise das Ziehen von Zähnen oder das Schröpfen mit Blutegeln. Badestuben waren aber auch Treffpunkte für geselliges Beisammensein. Während des Sommers war sicherlich auch das Baden in offenen Gewässern, in Flüssen und Seen, üblich. Schließlich entstanden im 19. Jahrhundert Flussbadeanstalten an der Weser, die einen geordneten Badebetrieb zuließen.

    1883 beginnt schließlich in Minden eine intensive Auseinandersetzung in den städtischen Gremien und in der städtischen Öffentlichkeit über die Einrichtung einer Bade- und Schwimmanstalt, um auch im Winter das Baden zu ermöglichen. Drei Jahre später kommt es zur Gründung einer "Mindener Badegesellschaft", einer Aktiengesellschaft, die den Bau eines Bades betreiben will. Dazu werden der Gesellschaft vom Magistrat 15.000 Mark Kostenbeitrag zugesagt. 1897 wird diese Gesellschaft jedoch aufgelöst, weil die Stadt selbst den Bau übernehmen will.

    So kommt es schließlich am 27. April 1899 zum Beschluss der Stadtverordnetenversammlung über den Bau einer städtischen Badeanstalt, die am 1. April 1901 in Betrieb genommen werden kann. Bau und Betrieb der Badeanstalt galten als öffentliche Aufgabe, denn erst seit 1876 lassen sich in Minden vereinzelt Badezimmer, und das nur in den größten Villenbauten, nachweisen: Selbst 1960 gab es noch in vielen Häusern und Wohnungen keine Bäder. Die Badeanstalt an der Immanuelstraße 20 umfasste neben den Dienstwohnungen für Badewärter, Badewärterin und Kassiererin mehrere Brause- und Wannenbäder, getrennt für Männer und Frauen. Im Souterrain befanden sich die medizinischen Bäder.

    Im Jahr 1922 beschließen die Stadtverordneten, dass die Bäder wegen der geringen Nutzung in den Monaten Juni bis August geschlossen bleiben sollen: Offensichtlich reagierten sie so auf das Ausweichen der Bevölkerung auf die Flussbadeanstalten in den Sommermonaten, die einen einigermaßen rentablen Betrieb der Badeanstalt beeinträchtigten.

    Vom 27. März 1929 datiert der Beschluss der Stadtverordneten, dass ab dem 3. April die Preise für die Nutzung der Badeanstalt an der Immanuelstraße erhöht werden sollen. Ab sofort kostete ein Wannenbad 1. Klasse 1,20 Reichsmark (RM), ein Wannenbad 2. Klasse hingegen nur 0,70 RM: Wodurch sie sich unterschieden, ist leider nicht herauszufinden.

    Wannenbäder für Kinder, für die weniger Wasser und natürlich weniger Heizmaterial zum Aufbereiten des Wassers benötigt wurde, kosteten 0,30 RM. Brausebäder schlugen den Mindenern mit 0,30 RM aufs Portemonnaie. Dampfbäder kosteten gar 2,50 RM - selbstverständlich wurde Damen und Herren nur getrennt der Zutritt gestattet -, Dampfbäder mit Teilmassage sogar 3,00 RM. Auch medizinische Zusätze wie Fichtennadeln (0,40 RM), Schwefel (0,40 RM), Sauerstoff (2,00 RM) oder Kohlensäure (2,00 RM) wurden den Bädern beigemengt - und kosteten extra. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Roggenbrot kostete damals 58 Pfennige, ein Kilogramm Rindfleisch 2,36 RM.

    Das Ende für die städtische Badeanstalt an der Immanuelstraße kam, nachdem das städtische Hallenbad an der Pöttcherstraße (Königswall 8a) 1969/70 um eine Badeabteilung erweitert worden war: Wer in seiner Wohnung nach wie vor kein Badezimmer sein eigen nennen konnte, ging nun hierhin, um sich der Reinigung zu unterziehen. Dass Hygiene dennoch seit dem Ende des 19. Jahrhunderts groß geschrieben wurde, zeigt die Geschichte der Badeanstalt an der Immanuelstraße; und nicht nur sie, denn zeitgleich machte man sich in Minden auch an die Planungen für Kanalbauarbeiten, um des Unrats in den Straßen und des Abwassers Herr zu werden.

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