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Gedenktafel im Rathaus

  • Papst Bonifatius VIII. bestätigt 1402 die Stiftung des Gasthauses durch den Bürger-meister Heinrich Gieseler

    Von Dr. Monika M. Schulte

    Am 11. Dezember 1402 - heute vor 600 Jahren - wurde Rom in Sachen Minden aktiv: An diesem Tag bestätigte Papst Bonifatius VIII. die von Bürgermeister Heinrich Gie-seler gemachte Stiftung des Gasthauses für Pilger und Wandernde mitsamt der Stif-tung eines den Aposteln Philipp und Jakob geweihten Altars.

    Vorangegangen waren langjährige Vorbereitungen. Bereits 1396 stiftete der Minde-ner Ratsherr und Bürgermeister Hinrik Gyseler aus seinem Erbe und Gut innerhalb und außerhalb der Stadt ein "hospital", in dem "gude arme elende pelegrinen" (Pil-ger), "wanderende" (Wandernde) und "cranke lude" (Kranke)", woher sie auch immer kommen würden, empfangen und beherbergt werden sollten. Das beurkundete der Mindener Rat am 29. November 1396.

    Bereits ein halbes Jahr zuvor, am 16. Juni, hatte Hinrik Gyseler die Genehmigung des Mindener Bischofs eingeholt, dass er die Güter, die er von diesem zu Lehen hatte, zur Stiftung des Hospitals einsetzen durfte: Ihm wurde gestattet, Äcker und Güter, die Hälfte des Zehnten zu Barkhausen, die Hälfte des Meyerhofs, zwei Häuser oder Höfe in Dützen, auch Felder und Äcker außerhalb des Kuhtors (später Königs-tor) in die Stiftung des Gasthauses einzubringen.

    Am 8. November 1396 ließ Hinrik Gyseler Häuser, die er in der Stadt Minden besaß, seitens des Rates von den städtischen Lasten - von Abgaben, Wachdiensten u.ä. - befreien: Dabei handelte es sich um mehrere Häuser und Buden, u.a. um das "grote stenhus" (Steinhaus), sein Wohnhaus, ein Backhaus und ein "grot dersche hus" (Dreschhaus), die sich auf den heutigen Parzellen Obermarktstraße 36 / Ritterstraße 8 befanden.

    Zwei Ursachen bewogen Heinrich Gieseler, sein gesamtes Vermögen für einen guten, mildtätigen Zweck einzusetzen. Die erste, sehr persönliche war, dass er kinder- und erbenlos war. Die zweite, eher dienstliche gab der Stiftung die Ausrichtung auf eine Herberge für Arme, Pilger und Kranke: 

    Kurz vor oder im Jahr 1376 wurde per Statut vom Rat beschlossen, dass im Heilig-Geist-Hospital, das bis dahin für Arme, Alte, Kranke und Pilger offen stand war, zukünftig nur noch arme und alte Mindener Bürger Aufnahme finden sollten, während zuvor auch Fremde Zugang hatten.

    So war eine Lücke in die städtischen Fürsorgeinstitutionen gerissen worden, die der Ratsherr und Bürgermeister Heinrich Gieseler durch seine Stiftung schloss: Aus seiner alltägli-chen Regierungs- und Verwaltungspraxis kannte er die Lücken im Fürsorgewesen der Stadt Minden nur zu gut.

    Noch heute zeugt im Eingang des Rathauses vom Marktplatz her eine Gedenktafel aus dem Jahr 1612 von der Stiftung des Gasthauses durch Heinrich Gieseler.

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