Minden erleben

Hoher Besuch

  • Kaiser Karl IV. 1377 in Minden

    Von Dr. Monika M. Schulte

    Minden wurde während des Mittelalters - wie viele andere nordwestdeutsche Städte - verhältnismäßig selten von Kaisern und Königen aufgesucht: Nordwestdeutschland war ein reichsferner Raum. Vor 625 Jahren, im November 1377, kam Kaiser Karl IV. auf dem Weg von Tangermünder über Lüneburg nach Herford in Minden vorbei und hielt sich hier vom 16. bis zum 18. November auf.

    Die Herrscher des Mittelalters übten ihre Herrschaft im Reisen aus: Denn sie kannten noch keine Orte, an denen sie residierten und von denen aus sie ihre Territorien regierten. So waren sie immer wieder unterwegs und deshalb gezwungen, Pfalzen, Klöster und Städte aufzusuchen, um zusammen mit ihrem zahlreichen Gefolge zu übernachten und mit den Dingen des täglichen Bedarfs versorgt zu werden. Mittelalterliche Herrscher, auch Könige und Kaiser, zogen von Ort zu Ort, besorgten unterwegs das politische Geschäft, legten ihre Reiseroute nach den aktuellen politischen Bedürfnissen fest.

    Im November 1377 kam Kaiser Karl IV. nach Minden. Bei seiner Ankunft am 16. November wurde das tradierte Protokoll des Einzugs in die Stadt peinlich genau beachtet: Auch seine Nachfolger hielten an dem alten Zeremoniell fest. Über den Besuch Karls IV. wurde auf Bitten von Bischof Wedekind am 16. November 1377, am Tag seines Erscheinens in Minden, eine Urkunde ausgestellt, die aber nur Ausschnitte des Kaiserbesuchs zeigt.

    Dem Kaiserbesuch ging selbstverständlich ein Schreiben voran, das seinen Besuch in Begleitung seines großes Gefolges für einen bestimmten Tag ankündigte: Schließlich sollte alles für seinen Aufenthalt, für seine Unterkunft und Verpflegung vorbereitet sein. Dieser Brief ist nicht überliefert.

    Vor dem Einritt in die Stadt kleidete sich der hohe Besuch - vermutlich in einer vor der Stadt im Mindener Feld gelegenen Kapelle - dem Ereignis angemessen an: Er vertauschte die bequeme, unterwegs schmutzig gewordene Reisekleidung gegen ein aufwändiges Gewand. So vorbereitet ritt er zu Pferde - das mit verziertem Zaumzeug, aufwändiger Satteldecke und kostbarem Sattel geschmückt war - mit seinem Gefolge auf die Stadt zu.

    Aus der Stadt waren ihm bereits der Bischof und die Geistlichen bis auf die äußere Weserbrücke entgegen geeilt, die den kaiserlichen Zug außerhalb der städtischen Bannmeile auf dem Territorium des Bistums empfingen. Unter Gesängen wurde Karl IV. dann bis an den Punkt geleitet, der die Grenze des Sprengels städtischer Gerichtsbarkeit markierte, bis zur inneren Weserbrücke. Dort traten dem Kaiser der Bürgermeister und die Ratsherren entgegen, um ihn gebührend zu empfangen.

    Zum Zeremoniell der Herrschereinholung in die Stadt gehörte die Übergabe der Stadtschlüssel: Die Schlüssel zu den Toren wurden aus Angst vor Feinden immer sorgsam aufbewahrt.
    Der damals amtierende Bürgermeister Johan Bodendorp übergab die Schlüssel aber nicht selbst dem Kaiser, sondern vermittelt über den Bischof: Symbolhaft wurde so die Unterwerfung der Stadt unter die Herrschaft des Bischofs als Stadtherrn und des Kaisers als Reichsoberhaupts. Auf demselben Weg gelangten die Schlüssel wieder vom Kaiser zurück an den Bürgermeister.

    Mehr sagt die genannte Quelle nicht aus. Da der Besuch des Kaisers aber etwas Ungewöhnliches war, wurde das immer wiederkehrende Zeremoniell besonders oft beschrieben, so dass wir aus der Geschichtsschreibung anderer Städte das erfahren, was die Mindener Quellen verschweigen: Demnach fand nach der Schlüsselübergabe eine feierliche Prozession in die Stadt statt, an der sich auch die Bürgerschaft beteiligte: Wie am Fronleichnamsfest der Bischof unter einem Baldachin durch die Straßen geleitet wurde, so wurde der Kaiser nun in die Hauptkirche am Ort geleitet, in Minden also in den Dom.

    Ob der Kaiser vorher bereits seine Herberge aufsuchte, um sich von den Strapazen seiner Reise kurz auszuruhen und nach dem Ritt über staubige und schlammige Wege zu erfrischen, ist nicht bekannt. Für Minden ist überliefert, dass der Kaiser seine Unterkunft im Dominikanerkloster St. Pauli nahm. Nach drei Tagen, am 18. November 1377, verließ Karl IV. die Bischofsstadt, um nach Herford zu reisen.

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