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Mist auf Mindens Marktplatz?

  • Straßenreinigung hat in Minden eine lange Geschichte

    Von Dr. Monika M. Schulte

    Vor 475 Jahren, am 2. August 1528, gewährte Franz I., Herzog von Braunschweig und Lüneburg, als Administrator des Stifts Minden der Stadt Minden zwei Jahrmärkte sowie Pferdemärkte in der Fastenzeit vor Ostern.

    Franz I., Herzog von Braunschweig und Lüneburg war bereits 1508 vom Mindener Domkapitel gewählt und damit für das Amt des Bischofs vorgeschlagen worden. Papst Julius II. bestätigte dann am 14. Juli 1508 diese Wahl. Weil Franz I. keine höheren Weihen empfangen hatte, auch bis zu seinem Tod am 25. Februar 1529 diese nicht empfing, konnte er nicht als Bischof, sondern nur als "erwählter und bestätigter Administrator des Stifts Minden" sein Amt ausüben.

    Auf Bitten von Bürgermeister und Rat, aber auch weil er "noith und behoiff", die Notwendigkeit, erkannte, ließ der Administrator des Stifts Minden am 2. August 1528 ein Privileg für die Stadt Minden über die Abhaltung mehrerer Märkte im Jahr ausfertigen. So gestattet Franz I. "nu und in ewicheit", auf immer und ewig, zwei Jahrmärkte. Der eine soll eine Woche nach dem Fest der heiligen Walpurgis am 1. Mai, also am 8. Mai, beginnen und acht Tage bis zum 15. Mai dauern; der andere soll eine Woche vor dem Fest des heiligen Martin am 11. November, also am 4. November, beginnen und sieben Tage dauern, so dass er am Vorabend des Martinsfestes beendet ist.

    Auf dem Jahrmarkt, der auf dem Marktplatz vor dem Rathaus stattfinden sollte, durfte "allerleye koepmannswahre, wanth, kramerwerck, stelen-, isern-, tennen- und holtenwerck" - Kaufmannsware, Tuch, Krämerware sowie Ware aus Stahl, Eisen, Zinn und Holz - verkauft werden. Außerdem sollte gleichzeitig ein "vehemarket", ein Viehmarkt, stattfinden: Auf diesem konnten Hühner, Gänse, Enten, Schweine und Rindvieh angeboten werden.

    Für den Pferdehandel aber war ein eigener Markt vorgesehen: Alljährlich in der Fastenzeit, in den sieben Wochen vor Ostern, sollte künftig immer dienstags ein besonderer "perdemarket" abgehalten werden. Zum Marktverkehr waren "uthmann" und "innmann" - Bürger und Nichtbürger, Einwohner und Nichteinwohner - berechtigt.

    Dass die Veranstaltung von Märkten nicht nur den Handel befördert, sondern auch Schmutz und Dreck verursacht, was hygienische Probleme und Gesundheitsgefährdungen mit sich bringt, blieb auch den Zeitgenossen nicht verborgen. Und so gewährt das Privileg nicht nur den Handel, sondern verpflichtet auch zur Sauberkeit: Der Mindener Rat hat dafür zu sorgen, "dat nu mher na dussem dage neyn messe upp ohre market gelecht werde". Nach Abschluss der Markttage mussten die Hinterlassenschaften der Tiere umgehend beseitigt werden.

    So entpuppt sich die 475 Jahre alte Marktordnung für die Stadt Minden als verkappte Verordnung zur Reinigung des Marktplatzes. Aber erst für die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts sind Verordnungen überliefert, die die Einwohner zur Straßenreinigung anhielten.


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