Minden erleben

Soziales Netz im Wandel der Zeit

  • Statut der Stadt Minden vom 2. Januar 1303 über das Heilig-Geist-Hospital

    Von Dr. Monika M. Schulte

    Am 2. Januar 1303 - vor 700 Jahren - erlässt der in dieser Urkunde erstmals erwähnte Bürger-meister zusammen mit den Ratsherren der Stadt Minden und mit Zustimmung der Vierziger ein Statut, das den Aufenthalt im Heilig-Geist-Hospital regeln sollte. Wer wurde damals ins Hospital aufgenommen?

    Im frühen und hohen Mittelalter wurden an Bischofssitzen und in Klöstern Arme, Alte und Kranke aufgenommen, gepflegt und versorgt. Später, als die Städte sich von ihren Stadtherren emanzipiert hatten, kümmerten diese sich selbst um die Versorgung von alten und gebrechlichen, kranken, auch ansteckend kranken Menschen, seien es Bürger der eigenen Stadt, seien es durchreisende Pilger oder Arme.

    Das Heilig-Geist-Hospital in Minden wird erstmals 1253, also vor 750 Jahren, erwähnt. Es war das älteste und zu diesem Zeitpunkt einzige Hospital der Stadt, denn es wird einfach als Hospital bezeichnet: Zu einer Verwechslung mit anderen Fürsorgeeinrichtungen konnte es auch ohne, dass ein Name laut wurde, offensichtlich nicht kommen.

    Die Urkunde über die Stiftung des Hospitals ist nicht überliefert, doch es dürfte kurz zuvor gegründet worden sein, und zwar durch Mindener Ratsherren. Um die Mitte des 13. Jahr-hunderts wurden in zahlreichen nordwest-deutschen Städten Hospitäler eingerichtet, fast alle mit dem Patrozinium, also unter dem Namen des Heiligen Geistes. Bei seiner Gründung nahm das Hospital eine exponierte Lage in der Nähe des Marktplatzes ein, auf der Parzelle Markt 26.

    Durch das Statut vom 2. Januar 1303 wurde das Hospital von allen städtischen Verpflichtungen befreit. Zwar wird nicht näher ausgeführt, von welchen Verpflichtungen abgesehen werden sollte, doch dürfte es sich in erster Linie um Steuerzahlung, aber auch um Wach-, Vertei-digungs- und Feuerlöschdienste gehandelt haben. Ins Hospital sollten Männer und Frauen aufgenommen werden, allerdings nur nach Zustimmung des Rates und der zwei Verwalter des Hospitals.

    Die Hospitalsinsassen durften Zeit ihres Lebens dort bleiben, mussten sich aber auf eigene Kosten versorgen. Starb ein Hospitals-insasse, so wurde sein Erbe zum Heil seiner Seele eingesetzt: Es wurden Stiftungen gegründet, durch die Almosen an Arme verteilt wurden, die im selben Hospital untergebracht waren. 

    Es gab damals offensichtlich schon eine Trennung von reichen und armen Insassen, die in zwei verschiedenen Häusern untergebracht waren. Denn - so die Urkunde - es wurde gestattet, dass ein reicher Pfründner sich bei den armen Leuten im anderen Haus aufhalten dürfte, wenn er seinen Unterhalt nicht mehr allein bestreiten könnte. Er durfte dann bis zum letzten Tag seines Lebens zusammen mit den Armen ein Almosen erhalten und hatte so ein gesichertes Auskommen.

    Das 700 Jahre alte Statut gewährt Einblicke in das soziale Netz der damaligen Zeit, auch wenn wir über die Ausstattung des Gebäudes, über die Unterbringung der Menschen und über den alltäglichen Ablauf im Hospital nichts wissen.

    1332 wurde das Heilig-Geist-Hospital vom Markt zu einem zwischenzeitlich neu gegründeten Hospital, dem Marien-Hospital, außerhalb des Simeonstores, auf die heutige Parzelle Simeonstraße 36, verlegt. Seinen Namen behielt es. Nicht aber seine umfassende Funktion als Haus für Arme und Alte, Kranke und Pilger. Denn bis zum Ende des 14. Jahrhunderts kam es in Minden zu weiteren Stiftungen von Fürsorgeein-richtungen: Spätestens 1325 gab es ein Nikolai-Hospital außerhalb der Stadtmauern am Kuckuck, wo ansteckend Kranke untergebracht wurden; und seit 1396 beherbergte das Gasthaus - heute Obermarkt-straße 36 / Ritterstraße 8 -Pilger und Arme, die sich auf der Durchreise befanden. Das Heilig-Geist-Hospital war seitdem nur noch für die Unterbringung und Versorgung von alten und von nicht ansteckend kranken Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Minden zuständig.

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