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Verbot des Osterfeuers auf dem Markt

  • Erlass der Stadt Minden vom 4. April 1640

    Von Dr. Monika M. Schulte
    Osterfeuer sind ein alter Brauch, der schon im 17. Jahrhundert weit verbreitet war – und für so gefährlich gehalten wurde, dass Bürgermeister und Rat der Stadt Minden sich verpflichtet fühlen, diesem Brauch Einhalt zu gebieten. Darüber geben alte Aufzeichnungen, die im Kommunalarchiv Minden aufbewahrt werden, Aufschluss.

    Am 29. März 1613 lassen Bürgermeister und Rat der Stadt Minden angesichts des bevorstehenden Osterfestes einen Anschlag, einen Aushang machen: Mit diesem Anschlag verbieten sie ihren Bürgern und Einwohnern das Entzünden von Osterfeuern auf dem Marktplatz und in den Straßen. Sie appellieren an ihre Untertanen, sich dieses Brauches zu enthalten, weil er "keine geringe gefehrlichkeit" an sich habe. Sie erinnern daran, was für "groß Unheill, Calamitet und schaden" in jüngst vergangener Zeit durch Feuersbrünste in der näheren Umgebung entstanden sind.

    Von "Obrigkeit und Ambtswegen" also verhängen sie für alle, die diesem Verbot zuwiderhandeln, eine Strafe in Höhe von fünf Thalern. Und zwar für Erwachsene und für Kinder, wenn sie beim Osterfeuer "ertappet" werden. Und die Übeltäter sollen, so wird angekündigt, unverzüglich "in gefengliche hafft", ins Gefängnis, verbracht. Eine drastische Maßnahme, die nur damit zu erklären ist, dass Stadtbrände sich immer wieder ausbreiteten und zu großem Schaden an Mensch, Vieh und Gebäuden führten: Stadtbrände trafen die Bevölkerung und ihre Habe, legten die Wirtschaft lahm.
    Offensichtlich war die Freude am Anzünden von Osterfeuern nur schwer einzudämmen. Denn auch am 4. April 1640, kurz vor Ostern, sehen Bürgermeister und Rat sich bemüßigt, die Osterfeuer in der Stadt zu verbieten: Gemeinhin würden die Feuer "von der unbendigen Jugend", die sich zu "rottiren", also zusammenzurotten pflege, entzündet. Und die Obrigkeit weist darauf hin, dass gerade bei "windigem Wetter", wie es zur Zeit herrsche, eine große Gefahr für die Stadt bestehe. Erst im Jahr zuvor, 1639, hatte die Stadtführung eine Feuerordnung erlassen, nachdem während des Krieges – bis zum Friedensschluss 1648 sollten noch fast zehn Jahre vergehen – viele Städte durch Feuersbrunst und Brandschatzung sehr geschädigt worden waren.

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