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Ziegelherstellung und Lehmabbau

  • Vertrag zwischen Stadt und Kloster Mauritz am 1. Februar 1353 geschlossen

    Von Dr. Monika M. Schulte

    Am 1. Februar 1353 - vor 650 Jahren - schlossen das Kloster St. Mauritius und die Stadt Minden auf zehn Jahre einen Vertrag: Auf dem Grund und Boden des Klosters auf dem Werder, einer Insel in der Weser vor Minden, sollte es der Stadt erlaubt sein, Lehm für Ziegel abzubauen und in dem auf dem Werder errichteten Ziegelhaus zu Ziegeln zu brennen.

    Gut 300 Jahre zuvor, 1042, war das Benediktinerkloster St. Mauritius auf dem Werder in der Weser vor Minden durch Bischof Bruno gegründet worden. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Lage wird es auch als "Kloster auf der Insel" bezeichnet. Es lag vor der Stadt nahe einer Furt in der Weser (heute Bahnhofsbereich). Dort lebten während des Mittelalters etwa zehn bis 20 Mönche. Weil die Mönche bei Überschwemmungen häufig nasse Füße bekamen, machte sich schon bald der Wunsch nach einer Verlegung des Klosters breit: Bereits 1318 und nochmals 1334 erhielten sie die Erlaubnis, sich innerhalb der Stadtmauern niederzulassen. Aber erst 1435 wurde das Kloster an die Pfarrkirche St. Simeon verlegt. Die Pfarrkirche wurde dem Kloster inkorporiert und seitdem wird es aufgrund seiner Lage auf einer der Mindener Erhebungen "Kloster St. Mauritzberg" oder auch schlicht "Kloster St. Mauritz und St. Simeon" genannt. Das alte Kloster auf der Insel wurde ab 1440 auf Abbruch verkauft; das neue Kloster auf dem Berg wurde auch aus dem Material, das beim Abbruch des Vorgängergebäudes gewonnen werden konnte, gebaut.

    Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde in der Nähe des Klosters auf dem Werder eine Zie-gelei errichtet: 1353 jedenfalls steht sie dort. Wer aber hatte das Ziegelhaus gebaut? Vielleicht hängt der Bau der Ziegelei mit der den Mönchen 1318 und 1334 erteilten Erlaubnis zusammen, das Kloster in die Stadt verlegen zu dürfen: Denn so hätten die Mönche aus und auf ihrem eigenen Grund und Boden Baumaterial für den Klosterneubau herstellen können. Fast 20 Jahre später, als die Hoffnungen auf eine schnelle Verlegung der Mönchsgemein-schaft sich zerschlagen hatten, dürfte dann versucht worden sein, das brach liegende Kapital durch Verpachtung Gewinn bringend zu nutzen. Vielleicht ließ aber auch die Stadt das Ziegelhaus auf dem Werder errichten: Denn - so die Urkunde von 1353 - für den Fall, dass die Ziegelei beispielsweise durch Feuer, einer ständigen Gefahr beim Ziegelbrennen, zerstört wird, ist die Stadt nicht verpflichtet, ein neues, gleichwertiges Ziegelhaus zu errichten. Sondern sie ist nur verpflichtet, die Stätte zu räumen, also das zerstörte Gebäude zu beseitigen.

    Das Kloster gewährt der Stadt auf zehn Jahre die Nutzung bestimmter Grundflächen zum Abgraben von Lehm für die Herstellung von Ziegeln. Die Pacht, die dafür zu entrichten ist, sollte nicht in Form von Geld, sondern in Form einer Abgabe geleistet werden: Die Mönche erhielten jährlich 3000 Mauerziegel, 3000 Dachziegel und zwei Fuder Kalk. Diese Menge, so ist zu mutmaßen, deckte den Bedarf des Klosters an diesen Baumaterialien und scheint ausgereicht zu haben, um am Klostergebäude auf dem Werder notwendig werdende Reparaturen durchzuführen. Die Stadt musste aber noch eine weitere Abgabe leisten, und zwar an den Propst von St. Johannis: Denn diesem mit 500 Mauerziegeln und 500 Dachziegeln der Zehnt zu zahlen, der auf dem lehmigen Grundstück lastete.

    Warum hatte die Stadt Interesse am Betrieb der Ziegelei? Sie benötigte für den im 14. Jahrhundert stark voran getriebenen Bau der Stadtmauer große Mengen Ziegel. Und sie war, wie die Feuerschutzordnung der Stadt Minden von 1305 - es ist die erste für Westfalen überlieferte Ordnung dieser Art - zeigt, sehr bemüht, vermehrt Ziegel für den bürgerlichen Hausbau vorrätig zu haben. So konnte der hohen Brandgefahr in den engen, vorwiegend mit Fachwerkhäusern gesäumten Gassen und Straßen der Stadt wirksam begegnet werden.

    Nach zehn Jahren, so die am 1. Februar 1353 darüber ausgestellte Urkunde, sollte die Ziegelei wieder ganz in die Hände des Klosters übergehen. Aber noch 1365 werden in einer Rechnung von der Stadt besoldete Ziegelarbeiter genannt. Nachweislich 1360 und 1415 wurden weitere Grundstücke zum Graben nach Ton für Backsteine vom Kloster an die Stadt verpachtet. Und noch im 17. Jahrhundert gab es zwei Ziegelherren, die im Auftrag des Rates für die Ziegelei zuständig waren.

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