Mit insgesamt 986 Einsätzen in 2025 blickt die Feuerwehr Minden auf ein arbeitsreiches Jahr zurück. Im Rahmen der Jahresdienstversammlung der Freiwilligen Feuerwehr und der Berufsfeuerwehr im Forum des Besselgymnasiums zog die Wehrführung am Freitagabend (20. Februar) vor zahlreichen Mitgliedern sowie Gästen aus Politik und Verwaltung Bilanz.
Der Leiter der Feuerwehr Minden, Tim Upheber, begrüßte die Anwesenden und eröffnete offiziell die Versammlung. Besonders hieß er Bürgermeister Peter Kock willkommen. Ebenfalls begrüßt wurden der Beigeordnete für Städtebau und Feuerschutz Lars Bursian, der Vorsitzende des Ausschusses für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz, Klaus von der Ahe, der Kreisbrandmeister des Kreises Minden-Lübbecke Thomas Podschadly sowie Vertreter der benachbarten Feuerwehren aus Petershagen, Porta Westfalica und Hille. Ein besonderer Gruß galt den Gästen der Partnerfeuerwehr aus Tangermünde. Ein herzlicher Dank für die musikalische Unterstützung ging an das gemeinsame Orchester der beiden Musikzüge der Feuerwehr.
In seiner Ansprache würdigte Tim Upheber insbesondere den einsatzintensiven Jahresbeginn und dankte den Einsatzkräften für ihr außerordentliches Engagement. Gleich mehrere langwierige Ereignisse beschäftigten hierbei die Feuerwehr:
- ein Feuer in einer Tiefgarage in den Bärenkämpen – parallel ein VU mit eingeklemmter Person,
- ein Wohnhausbrand mit leider einem Brandtoten auf der Bölhorst,
- die Warnung vor extremer Glätte mit mehrtägiger Rettungsdienstverstärkung
- ein Großbrand im Stadtteil Königstor.
„Die Einsätze waren aus personeller, technischer sowie teilweise psychischer Sicht eine wirkliche Belastungsprobe – sowohl für jeden Einzelnen als auch in ihrer Gesamtheit. Alle Einsätze aufwachsend vom Alltagsgeschäft bis zum Großbrand zeigten, dass viele organisatorische und materielle Themen aus unserem Brandschutzbedarfsplan genau richtig gesetzt sind“, so Upheber. „Die Großbrand vom 25. Januar hat eindrucksvoll gezeigt, dass unsere materielle Vorhaltung zielgerichtet und angemessen ist.“
So hätten sich beispielsweise das Hygienekonzept bewährt und der eingeschlagene Weg, dieses Konzept fortzuführen und vor allem auch auszubauen, als richtig erwiesen. Die Auslieferung eines neuen „Gerätewagens Hygiene“ steht bereits für 2027 in Aussicht. Auch der Weg Sondergruppen aufzustellen und die Sonderaufgaben einmal neu zu betrachten, habe sich insbesondere beim Wohnhausbrand auf der Bölhorst eindrucksvoll als richtig erwiesen. Zuletzt machte Upheber noch einmal deutlich: „Auch im Allgemeinen funktioniert unser System nur mit Euch – jedes Fahrzeug - egal ob Standard oder Sonderfahrzeug - ist nichts Wert ohne geübte Einsatzkräfte die es bedienen.“
Bürgermeister Peter Kock, für den es die erste Jahresdienstversammlung im neu übernommen Amt war, nahm diesen Faden in seiner Rede auf: „Ich möchte noch einmal ganz deutlich sagen: die Freiwillige Feuerwehr ist unabdingbarer Bestandteil der Gefahrenabwehr innerhalb der Stadt Minden. Ohne dieses Ehrenamt ist die Sicherheit der Bevölkerung nicht sicher zu stellen. Das Engagement von Menschen in der Stadt und für unsere Stadt ist ein echter Pluspunkt für Minden.“ Peter Kock hatte sich am 25. Januar persönlich ein Bild des Großbrands einer Lagerhalle an der Schumannstraße gemacht und lobte noch einmal die gute Zusammenarbeit mit den umliegenden Feuerwehren und Hilfsorganisationen wie dem THW und dem DRK Minden.
Weiter ging er auf die laufende Mitglieder-Kampagne „Finde Dein Feuer“ ein, die Ende Mai 2025 gestartet ist und bereits erste gute Erfolge zu verzeichnen hat. Mehr als 40 neue Interessensanfragen sind eingegangen. Nach dem Brand an der Schumannstraße gab es am Folgetag gleich vier Bewerbungen. Was hinter der Kampagne steckt: „Jeder Mensch trägt etwas in sich, das ihn antreibt. Jeder hat ein Feuer, man muss es nur entdecken.“
Und der Bürgermeister kam noch mit einer weiteren guten Nachricht im Gepäck: Der Rat der Stadt Minden hat am 12. Februar auf Antrag mehrerer Fraktionen einstimmig beschlossen, dass der Neubau des Feuerwehrhauses Nord in Kutenhausen als Baumaßnahme auf einen „frühestmöglichen Zeitpunkt“ vorgezogen wird. Auch wurde versichert, dass das Projekt des Feuerwehrhauses Süd, wo es aktuell Bemühungen gibt, ein Grundstück zu erwerben, weiterverfolgt wird.
Engagement ist ein wichtiger Baustein für Sicherheit und Zusammenarbeit
„Das Ehrenamt ist die Basis und Grundlage für das Feuerwehrwesen, den Katastrophenschutz- und den Bevölkerungsschutz in der Stadt Minden.“ Mit diesem Zitat des Beigeordneten Lars Bursian aus der jüngsten Sitzung des Fachausschusses stieg der Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr, Jens Viermann, in sein Grußwort ein. Auch er thematisierte die Häufung der Einsätze im Januar 2026 – oft an Sonntagen. „Euer Engagement bleibt auch in der öffentlichen Wahrnehmung ein wichtiger Baustein für Sicherheit und Zusammenarbeit“, lobte er die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr.
Er stellte fest, dass der Feuerwehr ein hohes Maß an Vertrauen entgegengebracht wird. Gleichzeitig werde die Pflicht wahrgenommen, „eine Umgebung zu schaffen, in der wir professionell und zeitgemäß arbeiten können“. Dafür bedankte er sich bei der Verwaltung, der Politik und auch bei der Wehrleitung. „Ich wünsche mir, dass wir auch in Zukunft auf Augenhöhe zusammenarbeiten und gemeinsame Lösungswege finden“, sagte Viermann. Er blicke mit Zuversicht nach vorn: „Gemeinsam werden wir – Haupt- und Ehrenamt - die kommenden Herausforderungen meistern“, so der Sprecher abschließend.
Einsatzzahlen und besondere Ereignisse
Im Anschluss stellte Dr. Sven Solyntjes, Abteilungsleiter Gefahrenabwehr stellv. Leiter der Feuerwehr, die Einsatzzahlen des Jahres 2025 vor. Der Rettungsdienst Minden kam insgesamt auf 17.941 Einsätze im vergangenen Jahr. Hierunter fallen sowohl Fahrten der vier Mindener Rettungswagen, aber auch der notärztlichen Versorgung und des Krankentransportes der Stadt Minden. Diese Zahl entspreche dem gewohnt hohen Niveau und dem Trend der letzten Jahre, so Dr. Solyntjes.
Im Bereich Brandschutz und Technische Hilfe rückte die Feuerwehr Minden insgesamt zu 986 Einsätzen aus. Diese gliederten sich in:
- 558 Brandeinsätze
- 333 technische Hilfeleistungen
- 95 Brandsicherheitswachen
Geleistet wurden diese in Zusammenarbeit des Löschzuges der Berufsfeuerwehr mit den insgesamt elf Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr mit insgesamt 345 Frauen (43) und Männern (302) im aktiven Feuerwehrdienst. In Vorbereitung auf diesen Dienst wurden 2025 wieder neben den regelmäßigen Übungsdiensten der Einheiten zahlreiche Stunden in der stadtinternen, aber auch kreis- oder landesweiten Ausbildung absolviert. Hier fielen unter anderem etwa 5.000 Stunden in der Grundausbildung sowie 2.000 Stunden in der Führungskräfteausbildung am Institut der Feuerwehr an.
Neben der statistischen Auswertung ging Dr. Solyntjes auch auf besondere und herausfordernde Einsätze des vergangenen Jahres ein, die das ganze Portfolio der Gefahrenabwehr in Minden zeigten. Beispielsweise seien hier ein Verkehrsunfall mit einem Schulbus, bei dem zunächst von einer hohen Anzahl Verletzter ausgegangen wurde, ein Kellerbrand in einem Mehrfamilienhaus in Bärenkämpen bei dem sieben Menschen über die Drehleiter gerettet werden mussten, mehrere Gefahrstoffeinsätze zum Bespiel ein vermeintlicher Chlorgasaustritt am Klinikum, ein Wohnhausbrand mit einem Brandtoten in Dankersen, Unwetterereignisse oder die Brände der Containeranlage der PRIMUS-Schule sowie in Bereichen der Stadtbibliothek, welche für lange Ausfallzeiten der Einrichtungen sorgten. Zuletzt durfte auch ein kurzer Rückblick auf die zwei Bevölkerungsschutzübungen zum Thema Hochwasserschutz und Notfallinfopunkte im März bzw. November 2025 nicht fehlen.
Investitionen stärken Leistungsfähigkeit
Über wichtige Beschaffungen und Investitionen berichtete Martin Ruhe, Abteilungsleiter Service/Technische Dienste und stellv. Leiter der Feuerwehr. So wurde auch im Jahr 2026 konsequent die Umsetzung des Brandschutzbedarfsplanes 2023 weiterverfolgt und unter anderem 500 neue Garnituren Einsatzkleidung für die technische Hilfeleistung sowie für die Vegetationsbrandbekämpfung inklusive entsprechender Schutzhandschuhe beschafft. Darüber hinaus konnten deutliche Fortschritte in der Fahrzeugtechnik und bei der technischen Ausstattung verzeichnet werden.
Diese Maßnahmen tragen wesentlich dazu bei, die Einsatzfähigkeit und Sicherheit der Einsatzkräfte weiter zu verbessern. Die Freiwillige Feuerwehr wurde und wird weiterhin fahrzeugtechnisch auf einen hochmodernen Stand gehoben, so Martin Ruhe. „Wir haben auch im Bevölkerungsschutz als Stadt und Feuerwehr schon eine ganze Reihe von Anschaffungen getätigt, für den Hochwasserschutz, für eine autarke Stromversorgung bei der Feuerwehr und im Rathaus, in mobile Tankstationen, für Sirenen und für die Ausstattung von Notfall-Infopunkten.“ Dabei steht auch immer die doppelte Nutzung des Materials für die alltägliche Gefahrenabwehr als auch die hoffentlich sehr seltenen Ereignisse im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz im Fokus.
Auch in Sachen Räumlichkeiten gibt es bald „Entlastung“ für die Feuerwehr-Verwaltung, die dann in das benachbarte und von der Stadt 2025 gekaufte Gebäude (ehemaliges Frauenhaus) einziehen kann. Im Haus Marienstraße 71 sollen Büros der Sachgebiete untergebracht werden, um im Anschluss eine in die Jahre gekommene große Containeranlage auf dem Gelände der Feuer- und Rettungswache abzulösen.
Klar bleibt aber: Die Feuer- und Rettungswache ist zu eng. Der Standort Stadtmitte ist für eine solche große Einheit zu klein und mehrere Standorte der Freiwilligen Feuerwehr benötigen eine Erweiterung oder Sanierung. Neben den von Bürgermeister Peter Kock erwähnten Standorten im Norden und Süden arbeitet die Abteilung Service/Technische Dienste zusammen mit der Gebäudewirtschaft daher auch an Lösungen für die Standorte der Rettungswache Süd in der Nähe des Klinikums, in Stemmer, Leteln, Haddenhausen und eben der Feuer- und Rettungswache an der Marienstraße.
Nachwuchsarbeit bleibt stark
Es folgten die Berichte der Kinder- und Jugendfeuerwehr, die erneut die erfolgreiche Nachwuchsarbeit unterstrichen. Hierbei findet neben der Heranführung an feuerwehrtechnische Grundlagen vor allem eine allgemeine Kinder- und Jugendarbeit statt. An erster Stelle steht, die Stärken der Kinder und Jugendlichen in ihrer sozialen und kreativen Entfaltung zu fördern und sie bei der Entwicklung zu eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Individuen zu unterstützen. Erst an zweiter Stelle steht die Nachwuchsgewinnung für die Feuerwehr Minden.
Die Jugendfeuerwehr Minden bildet mit acht Gruppen und insgesamt 129 Jugendlichen (ein neuer Rekord), die Kinderfeuerwehr drei Gruppen mit derzeit 69 Kindern und 35 engagierten Betreuer*innen eine starke „Nachwuchseinheit“. Drei Mitglieder der Jugendfeuerwehr wurden in die aktiven Einsatzabteilungen übernommen – ein sichtbares Zeichen für die nachhaltige Entwicklung innerhalb der Feuerwehr. Weiterhin sind ganze 19 Kinder aus der Kinderfeuerwehr in die Jugendfeuerwehr übergegangen und bleiben vom „Hobby“ Feuerwehr begeistert.
Stadtjugendfeuerwehrwart Matthias Schröder-Rückert und die stellvertretende Kinderfeuerwehrwartin Pia Bretsch bedankten sich sehr herzlich für die große Unterstützung der Jugendarbeit aus den Einheiten heraus und dem großen Engagement der unterschiedlichen Jugendwarte in den Ortsteilen. Schröder-Rückert stellte in seiner Rede fest: „Der Großteil der Anwesenden ist im vergangenen Jahr mit der Jugendfeuerwehr in Berührung gekommen. Sei es zur Unterstützung bei den zahlreichen Übungsdiensten, Wettkämpfen, Gruppenaktionen oder der Organisation im Hintergrund.“
Höhepunkte des vergangen Jahres waren unter anderem das Stadtjugendfeuerwehrwochenende in der Partnerstadt Tangermünde, die Jahresübung mit dem 20-jährigen Jubiläum der JF Ost 1, dem Sieg der „Feuerfüchse“ bei der Kinderfeuerwehr-Olympiade des Kreises Minden-Lübbecke sowie der Kreisausflug aller Kinderfeuerwehren in die Trampolinhalle Mindocino in Minden.
Beförderungen, Ehrungen und besondere Auszeichnungen
Ein Höhepunkt der Versammlung waren erneut die zahlreichen Beförderungen, Ernennungen und Ehrungen. Sechs Kameradinnen und Kameraden wurden neu in die Feuerwehr Minden aufgenommen. Insgesamt wurden
- 35 Angehörige des Ehrenamtes
- 11 Angehörige des Hauptamtes
befördert. Vier Kameradinnen und Kameraden übernahmen neue Funktionen, fünf wurden aus ihren bisherigen Funktionen verabschiedet. Gerd Lorenz aus der Einheit Stemmer wurde nach langjährigem aktivem Dienst mit großem Applaus in die Ehrenabteilung überstellt.
Zehn Feuerwehrangehörige wurden für ihre langjährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Eine besondere Ehrung erhielt der sichtlich überraschte Jürgen Stockmann: Für seine herausragenden Verdienste um die Feuerwehr Minden, unter anderem als langjähriger Einheitsführer Haddenhausen, als Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr und zuletzt als Mitinitiator und Triebkraft der Werbekampagne, wurde ihm durch den Kreisbrandmeister Thomas Podschadly das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber des deutschen Feuerwehrverbandes verliehen.
Dank und Ausblick
Zum Abschluss dankte der Leiter der Feuerwehr Tim Upheber allen Kameradinnen und Kameraden sowie deren Familien und Arbeitgebern für ihre Unterstützung. Er betonte, dass das ehrenamtliche Engagement und die Professionalität der Feuerwehr Minden eine tragende Säule der Sicherheit in der Stadt darstellen. Mit der Jahresdienstversammlung unterstreicht die Feuerwehr Minden einmal mehr ihre hohe Einsatzbereitschaft, ihre kontinuierliche Weiterentwicklung und ihre zentrale Bedeutung für die Gefahrenabwehr in der Stadt.
