Mit einer „fulminanten“ Eigenproduktion startet das Stadttheater Minden in die Spielzeit 2026/27. Zusammen mit dem Wagner Verband Minden und der Nordwestdeutschen Philharmonie (NWD) wird erneut eine Oper von Richard Wagner auf die Mindener Bühne gebracht. Das Groß-Projekt „Die Meistersinger von Nürnberg“ wurde jetzt in einer Pressekonferenz von Regisseur Jakob Peters-Messer, Dirigent Frank Beermann und der Vorsitzenden des Wagner Verbandes Minden, Dr. Jutta Hering-Winckler, vorgestellt.
„Wir dürfen stolz sein, dass wir dieses Ereignis in Minden haben werden“, hob Bürgermeister Peter Kock hervor. Er dankte dem Wagner Verband, hier vor allem Dr. Jutta Hering-Winckler, und der NWD für das Engagement – auch bei dieser Wagner-Oper. Das geplante Projekt umzusetzen, bedeute in den kommenden Monaten eine große Anstrengung für das Team des Theaters, welches für die technische Einrichtung und Umsetzung sowie die Organisation im Theater selbst verantwortlich ist.
Im Sommer beginnen die Proben. „Dann werden wir fast nur noch für diese Produktion arbeiten“, streicht Theaterintendantin Andrea Krauledat heraus. Mit den „Meistersingern“ werde etwas, was bislang als „unmöglich umsetzbar“ für die kleine Bühne im Stadttheater galt, möglich gemacht, freute sich Bürgermeister Kock. Auch Dirigent Frank Beermann gehörte zu den Skeptikern, ließ sich aber vom Regisseur überzeugen.
Unmöglich deshalb, weil bei den „Meistersingern“ 17 Sängerinnen und Sänger, die Nordwestdeutsche Philharmonie, welche mit ihren Musiker*innen nicht in den Orchestergraben passt, und ein 60-köpfigen Chor auf der Bühne „untergebracht“ werden müssen. An dieses Wagnis wagte sich nun der Opern-Regisseur Jakob Peters-Messer heran. Er habe schon mehrmals mit wenig Platz bei Produktionen mit vielen Mitwirkenden auskommen müssen, berichtete der 63-Jährige. Er und Dirigent Frank Beermann kennen sich aus Chemnitz, wo Beermann bis 2016 Generalmusikdirektor war. In Sachsen realisierten sie gemeinsam die Opern „Tosca“ und „Vasco da Gama“.
Wie also gelingt es Peters-Messer das „Unmögliche“ in Minden umzusetzen? Das war die spannende Frage, die im Raum stand. Seine Vorstellung erläutert er dann anhand von digital simulierten Bühnenbildern. So will er unter anderem die Wände im Theater-Saal als Projektionsfläche nutzen, um hier wechselnde Szenenbilder aufzuspielen. Er möchte die beiden Logen neben der Bühne als Raum mit einbeziehen und auch Szenen auch in den Zuschauerraum bringen. „Das Publikum ist also mittendrin, wie in einer Arena“, so Peters-Messer. Auch setzt er auf Licht-Effekte.
Der Chor steht auf einer Tribüne, die über dem Orchester hinten auf der Bühne „schwebt“. Die NWD wird nicht – wie bei vorherigen Oper-Produktionen – durchgängig hinter einem Gaze-Vorhang spielen, auf denen aber auch bei den „Meistersingern“ Video-Sequenzen aufgespielt werden. Der Gaze-Vorgang hebt und senkt sich wieder. Dass das Publikum im Saal ziemlich nah an der Bühne sitzt, sei für Mindener Inszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ ein Vorteil – eben weil das Stück im Wesentlichen von den gesungenen Dialogen lebt, die auf der kurzen Distanz gut zu verstehen sind, so Peters-Messer.
„Im Grunde ist das eine Komödie“, fasst der Regisseur zusammen. Der Chor kommt nur am Ende in voller Besetzung und mit Wucht zum Tragen, deshalb ist es im ersten und zweiten Akt trotz der 17 Mitwirkenden nicht voll auf der Bühne. Für ein richtiges Bühnenbild ist dann aber doch zu wenig Platz. Vereinzelt werde es Requisiten geben. Die Bühne wird mit einer schrägen Ebene ausgestatte, wie sie auch schon im „Ring“ verwendet wurde, erklärt Peters-Messer.
Die Kostüme sind im ersten Akt schlicht schwarz-weiß und eher an die moderne Zeit angelehnt. Im weiteren Verlauf tragen die Sängerinnen und Sänger dann farbige Versatzstücke aus der Renaissance, wie Jacken, Hauben, Kragen oder Krinolinen, wie Kostümbildnerin Angela Schuett in der Pressekonferenz erläutert. Anhand von Zeichnungen präsentiert sie ihre Entwürfe.
Das Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart solle über alle drei Akte aufrechterhalten werden, so die Idee des Regisseurs. Eigentlich spielt das im Wesentlichen zwischen 1862 und 1867 von Wagner geschriebene Stück in der Zeit der Reformation. Als Basis für die Oper diente dem Komponisten die 1697 erschienene Nürnberg-Chronik mit einem Anhang „Von der Meister-Singer holdseligen Kunst“ von Johann-Christoph Wagenseil.
Wagner hat allerdings nur die Namen, Regeln und Meistersinger-Bräuche von Wagenseil übernommen. Die Handlung und die Berufe der Meister entspringen zum größten Teil Wagners Phantasie. Die Hauptfigur, den Schuster Hans Sachs, hat es wohl tatsächlich gegeben. Diese Figur ist in Johann Ludwig Deinhardsteins Schauspiel „Hans Sachs“ (Uraufführung 1827) sowie in der darauf basierenden, gleichnamigen Oper von Albert Lortzing (Uraufführung 1840) dokumentiert.
Die Handlung in drei Akten erzählt von einem Sängerwettstreit im 16. Jahrhundert, dessen Sieger die Tochter des Goldschmieds zur Frau erhalten soll. Um Eva konkurrieren der Ritter Walther von Stolzing, in den sich Eva verliebt hat, und der Stadtschreiber Sixtus Beckmesser, der sich ebenfalls Hoffnung macht. Stolzing scheitert allerdings zunächst an den strengen Aufnahmeregeln für die Meistersinger-Gilde. Der Schuster Hans Sachs beschließt, Stolzing zu helfen.
Unter den 17 Solisten sind nur zwei, die schon einmal in Minden aufgetreten sind: Kathrin Göring, die die Partie der Amme Magdalena singt, war im Ring als Fricka und Waltraute zu erleben. Jussi Myllys, der 2023 in Minden sein Rollendebüt als Parsifal gab, wird als Walther von Stolzing auftreten. Das bereits feststehende Ensemble ist international besetzt. Die Bewerberlage sei sehr gut gewesen, berichtet Beermann. Viele wollten gezielt bei dieser Inszenierung in Minden singen.
Auch diese Oper ist eine Gemeinschaftsproduktion von Stadttheater, Wagner Verband und NWD. Die Gesamtleitung liegt in den Händen von Dr. Jutta Hering-Wincker. Die musikalische Leitung hat erneut Frank Beermann übernommen. Den Chor „coruso“ (Erster Deutscher Freier Opernchor e.V.) leitet Raymond Hughes. Die Produktionsleitung liegt bei Christian Becker. Das Projekt wird musikwissenschaftlich von Udo Stephan Köhne begleitet. Für das Bühnenbild zeichnet Guido Petzold verantwortlich.
Es wird sechs Aufführungen und eine Schulvorstellung geben. Die Oper feiert in Minden am 11. September die A-Premiere (17 Uhr) und am 13. September die B-Premiere (16 Uhr). Der Vorverkauf für die Aufführungen am 25. und 27. September, um 17 bez. 16 Uhr hat bereits begonnen. Tickets für die Schulvorstellung am 8. September sind über den Richard Wagner Verband Minden erhältlich.
Karten für die Vorstellungen im Abonnement am 18. und 20. September sind im freien Verkauf ab Beginn der Spielzeit 2026/27 erhältlich. Diese gibt es für alle Aufführungen im Online-Shop des Stadttheaters unter www.stadttheater-minden.de, bei express-Ticketservice, Obermarktstraße 26 -30 (tickets@express-minden.de) und in der Theatersprechstunde immer dienstags von 12.30 bis 14 Uhr sowie Donnerstag von 17 bis 18.30 Uhr (außer in den Schulferien).
