Pressestelle

Die Meistersinger auf der Zielgeraden 


„Eine Eigenproduktion mit insgesamt 190 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne – das gab es tatsächlich auch noch nie in Minden“, ist Theaterintendantin Andrea Krauledat bei der ersten Durchlauf-Probe der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ begeistert. „Ich glaube, es wird großartig!“

Das Stadttheater bringt zusammen mit dem Richard Wagner Verband Minden und der Nordwestdeutschen Philharmonie (NWD) erneut ein großes Werk von Richard Wagner auf die Bühne – eine Herausforderung für alle Beteiligten auf und hinter der Bühne. Von 11 bis 17 Uhr mit Pausen lief am Mittwoch, 19. August, die erste große Probe mit Kostümen. Das Orchester wurde durch eine Begleitung am Klavier ersetzt. Die beiden Korrepetitoren sind Miles Clery Fox und Thomas Gribow. Frank Beermann, der auch für die vorherigen Wagner-Opern in Minden verpflichtet werden konnte, stand am Dirigentenpult.

Bereits der erste Akt der Meistersinger, bei dem auch die Seitenwände des Theatersaal als Projektionsfläche genutzt werden, endet stimmgewaltig. „Wow!“, rief spontan eine Kollegin aus dem Theaterteam und alle Anwesenden spendeten nach dieser Szene Applaus. Nicht nur das Orchester, auch der 60-köpfige Chor im dritten Akt fehlte allerdings noch bei dieser Probe.

Die Handlung der komischen Oper in drei Akten erzählt von einem Sängerwettstreit im 16. Jahrhundert, dessen Sieger die Tochter des Goldschmieds zur Frau erhalten soll. Um Eva konkurrieren der Ritter Walther von Stolzing, in den sich Eva verliebt hat, und der Stadtschreiber Sixtus Beckmesser, der sich ebenfalls Hoffnung macht. Stolzing scheitert allerdings zunächst an den strengen Aufnahmeregeln für die Meistersinger-Gilde. Der Schuster Hans Sachs beschließt, Stolzing zu helfen.

„Der Chor fängt am kommenden Sonntag mit einer ersten Probe an“, berichtet Christian Becker (Produktionsbüro, Richard Wagner Verband Minden). Auf der Bühne agieren insgesamt rund 150 Personen, dazu „backstage“ ein professionelles Technikteam, das die Bühne „fahren“ und vor allem eine aufwändige Licht- und Beamerinstallation steuern muss, sowie eine Inspizientin, zwei Maskenbildnerinnen und das „theatertypische Vorderhauspersonal“.

Es ein Groß-Projekt, auf das sich die Beteiligten eingelassen haben. „Bei dieser Produktion galt es bereits im Vorfeld, viele Herausforderungen zu meistern“, so Andrea Krauledat. Denn „Die Meistersinger von Nürnberg“ auf der für eine Oper recht kleinen Bühne des Stadttheaters zu realisieren, galt lange Zeit als „unmöglich“.

Unmöglich deshalb, weil bei den „Meistersingern“ 17 Sängerinnen und Sänger, die Nordwestdeutsche Philharmonie, welche nicht in den Orchestergraben passt, und ein 60-köpfigen Chor auf der Bühne „untergebracht“ werden müssen. 17 Sänger*innen -  davon 12 Handwerksmeister aus der Sängergilde (einschließlich der Hauptrollen Hans Sachs, Sixtus Beckmesser, Veit Pogner und Fritz Kothner) - sowie Walther von Stolzing, David, Eva und Magdalene und ein Nachtwächter. Hinzu kommen noch zwölf Lehrbuben, die in Minden ein Teil des Chores sind und diesen auf insgesamt 60 Sänger*innen erweitern sowie die NWD mit gut 70 Mitgliedern.

An dieses Wagnis wagte sich der Opern-Regisseur Jakob Peters-Messer heran. Er habe schon mehrmals mit wenig Platz bei Produktionen mit vielen Mitwirkenden auskommen müssen, berichtete der 63-Jährige im Rahmen einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Projektes im Februar. Er und Dirigent Frank Beermann kennen sich aus Chemnitz, wo Beermann bis 2016 Generalmusikdirektor war. In Sachsen realisierten sie gemeinsam die Opern „Tosca“ und „Vasco da Gama“.

„Wir dürfen stolz sein, dass wir dieses Ereignis in Minden haben“, lobt Bürgermeister Peter Kock. Er dankte dem Wagner Verband, hier vor allem der Vorsitzenden Dr. Jutta Hering-Winckler, und der NWD für das Engagement – auch bei dieser Wagner-Oper. Das geplante Projekt umzusetzen, sei auch für das Team des Theaters zunächst undenkbar gewesen, welches unter anderem für die technische Einrichtung und Umsetzung sowie die ganze Organisation im Theater selbst verantwortlich ist.

Für ein großes Bühnenbild ist dann aber doch zu wenig Platz. Das Orchester spielt erneut hinter einem Gaze-Vorhang, der auch als Projektionsfläche dient. Die Hauptakteure tragen im ersten Akt nur teilweise historische Kleidung und manche Halskrausen oder tellerförmige Kragen als Accessoire. Vereinzelt gibt es Requisiten wie eine Truhe, Stühle und Holzbänke im ersten Akt. Die Bühne ist mit Parkett belegt und als schräge Ebene angelegt, wie sie auch schon im „Ring der Nibelungen“ verwendet wurde.         

Die Kostüme sind im ersten Akt schlicht schwarz-weiß und eher an die moderne Zeit angelehnt. Im weiteren Verlauf tragen die Sängerinnen und Sänger dann farbige Versatzstücke aus der Renaissance, wie Jacken, Hauben, Kragen oder Krinolinen. Verantwortlich dafür zeichnet Kostümbildnerin Angela Schuett.           

Das Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart soll über alle drei Akte aufrechterhalten werden, so die Idee des Regisseurs. Eigentlich spielt das im Wesentlichen zwischen 1862 und 1867 von Wagner geschriebene Stück in der Zeit der Reformation. Als Basis für die Oper diente dem Komponisten die 1697 erschienene Nürnberg-Chronik mit einem Anhang „Von der Meister-Singer holdseligen Kunst“ von Johann-Christoph Wagenseil.

Wagner hat allerdings nur die Namen, Regeln und Meistersinger-Bräuche von Wagenseil übernommen. Die Handlung und die Berufe der Meister entspringen zum größten Teil Wagners Phantasie. Die Hauptfigur, den Schuster Hans Sachs, hat es wohl tatsächlich gegeben. Diese Figur ist in Johann Ludwig Deinhardsteins Schauspiel „Hans Sachs“ (Uraufführung 1827) sowie in der darauf basierenden, gleichnamigen Oper von Albert Lortzing (Uraufführung 1840) dokumentiert.

Die Gesamtleitung liegt in den Händen von Dr. Jutta Hering-Wincker. Die musikalische Leitung hat erneut Frank Beermann übernommen. Den Chor „coruso“ (Erster Deutscher Freier Opernchor e.V.) leitet Raymond Hughes. Die Produktionsleitung liegt bei Christian Becker. Das Projekt wird musikwissenschaftlich von Udo Stephan Köhne begleitet. Für das Bühnenbild zeichnet Guido Petzold verantwortlich.

Es wird sechs Aufführungen und eine Schulvorstellung geben. Die Oper feiert in Minden am 11. September die A-Premiere (17 Uhr) und am 13. September die B-Premiere (16 Uhr). Der Vorverkauf für die Aufführungen am 25. und 27. September, um 17 beziehungsweise 16 Uhr hat bereits begonnen. Tickets für die Schulvorstellung am 8. September sind über den Richard Wagner Verband Minden erhältlich.         

„Man sollte sich schnell Plätze sichern“, empfiehlt Theaterintendantin Andrea Krauledat. Es gibt noch Karten für die meisten Aufführungen und wenige Restkarten für die A-Premiere. Karten für die Vorstellungen im Abonnement am 18. und 20. September sind im freien Verkauf ab Beginn der Spielzeit 2026/27 erhältlich. Diese gibt es für alle Aufführungen im Online-Shop des Stadttheaters unter www.stadttheater-minden.de, bei express-Ticketservice, Obermarktstraße 26 -30 (tickets@express-minden.de) und in der Theatersprechstunde immer dienstags von 12.30 bis 14 Uhr sowie Donnerstag von 17 bis 18.30 Uhr (außer in den Schulferien).

Eine namentliche Auflistung aller Mitwirkenden und viele weitere Informationen finden Interessierte auf der Internetseite Die Meistersinger in Minden.