Dass die geplante Erweiterung des Fernwärmenetzes in Minden ein wichtiges Projekt im Rahmen des „Strategischen Energie- und Wärmekonzeptes“ ist, machte am Dienstagabend (27. Januar) bei einer Informationsveranstaltung im Rathaus Bürgermeister Peter Kock deutlich. Er wisse aber auch, dass „alle Baustellen immer zu Belastungen für die Anwohner*innen, in diesem Fall besonders für die Geschäftsinhaber*innen und Gastonomen am Markt und Obermarkt führen“, so Kock weiter. Es werde „am Herzen der Stadt Minden“ gearbeitet. Deshalb sei es ihm wichtig gewesen, die von der Fernwärme-Baustelle betroffenen Anlieger*innen in der Innenstadt frühzeitig zu informieren.
Die Mindener Wärme GmbH will das Netz in der Innenstadt erweitern. Das neue Teilstück führt vom Scharn, wo es bereits eine bestehende Leitung gibt, über die Westseite des Marktes zur Obermarktstraße bis zur Ecke Opferstraße (Hausnummer 8 beziehungsweise 9 gegenüber). Die Bauarbeiten sollen Mitte Februar beginnen - wenn es die Witterung zulässt - und bis Ende Mai 2026 dauern. Begonnen werde an zwei Punkten – auf dem Markt und in der Obermarkstraße. „Wir wollen am Markt zügig vorankommen, um möglichst wenig die Außengastronomie zu beeinträchtigen“, sagte Alexander Rohlfing, Vertriebsleiter der Mindener Wärme GmbH. Auch alle geplanten Veranstaltungen auf dem Markt sollen stattfinden können. Dafür sollen die Bauarbeiten, wenn es Verzögerungen gibt, kurzfristig unterbrochen werden.
Rund 15 Anlieger*innen des Marktes und Teilen der Obermarktstraße – Geschäftsinhaber*innen und Eigentümer*innen - waren der Einladung des Innenstadtmanagements der Stadt Minden gefolgt. Gemeinsam mit Verantwortlichen der Mindener Wärme GmbH wurde die geplante Maßnahme den Teilnehmenden im Sitzungsraum „Tonne“ vorgestellt. Im Anschluss an die Projektvorstellung konnten die Anlieger*innen Fragen stellen. Dabei ging es vor allem um die ab Anfang April betroffene Außengastronomie, um die Erreichbarkeit der Läden, Restaurants, Cafés und Geschäfte sowie um anstehende Veranstaltungen in der Innenstadt.
Der Geschäftsführer der Westfalen Weser Energieservice GmbH (ESW) und der Mindener Wärme GmbH, Stefan Freitag, sagte in seiner Begrüßung, dass Minden sich „glücklich schätzen kann“, überhaupt ein bestehendes Fernwärmenetz zu haben. Viele Städte stünden in der verpflichtenden kommunalen Wärmeplanung und mit der Umsetzung der Wärmewende ganz am Anfang. Das Trassennetz in Minden ist aktuell rund 20 Kilometer lang und wird stetig erweitert. Zuletzt wurden über die Hahler Straße ABB, der EDEKA-Campus, das Kampa-Hallen-Areal und weitere Anlieger*innen an der Strecke angeschlossen. Auch wurden 2025 Rohre in der Königstraße (Altstadt) verlegt. 40 Gigawattstunden werden pro Jahr - überwiegend gewonnen durch Abwärme aus Produktionsprozessen und zur Spitzenlastabdeckung mithilfe von Erdgas - an Wärme in Minden erzeugt.
Die voraussichtlich Mitte Februar startende Erweiterung kam ins Rollen, nachdem mehrere Anwohner in der Obermarkstraße großes Interesse an einem Fernwärme-Anschluss bekundeten. Danach sei zunächst eine Potenzialanalyse durchgeführt und Gespräche mit weiteren Anliegern geführt worden, berichtete Vertriebsleiter Rohlfing. „Wir bauen nur, wenn sich genügend Interessenten finden.“ Der Anschluss an das Fernwärmenetz sei vor allem für größere Gebäude und Wohneinheiten interessant, weil neben dem Arbeitspreis pro Kilowattstunde für den tatsächlichen Verbrauch auch ein Grundpreis pro Jahr gezahlt wird, der sich nach der vereinbarten Anschlussleistung für das jeweilige Gebäude richtet.
Die 2023 gegründete Mindener Wärme GmbH – Gesellschafter sind die Mindener Stadtwerke GmbH mit 51 Prozent und die Westfalen Weser Energieservice GmbH mit 49 Prozent – bezieht von einem modernen Heizkraftwerk an der Ringstraße Wärme und Strom gleichzeitig – das spart Energie und schont das Klima. Die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung nutzt Brennstoffe besonders effizient und verursacht deutlich weniger CO₂ als eine getrennte Erzeugung von Strom und Wärme. Die gewonnene Wärme fließt durch ein unterirdisches, gut isoliertes Rohrnetz direkt zu den Gebäuden.
Fernwärme lässt sich aus verschiedenen Brennstoffen und Wärmequellen erzeugen. Die Mindener Wärme GmbH will für die Zukunft – neben der Abwärme – auf Geothermie und Biomasse als Energiequelle setzen. Schon jetzt heizen rund 120 Gebäude in der Mindener Innenstadt mit Fernwärme - darunter Schulen, das Rathaus, das Stadttheater sowie viele Wohn- und Geschäftshäuser. Die angeschlossenen Haushalte benötigen keinen Öltank oder Gaskessel. Für den Erstanschluss, der über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gefördert wird, muss extra gezahlt werden. „Es ist in jedem Fall günstiger, sich während der Bauphase anschließen zu lassen, als nachher“, so Alexander Rohlfing.
Bis Mitte 2028 muss jede Kommune eine eigene Wärmeplanung vorlegen. Der Rat der Stadt Minden hat im Mai 2022 mit großer Mehrheit ein „Strategisches Energie- und Wärmekonzept“ beschlossen, welches „eine gute Basis“ für die nun anstehende Wärmeplanung bilde. Der Ausbau des Mindener Fernwärmenetzes ist gewollt und mit Bezug auf die Klimaneutralität gewünscht. Rund sechs Millionen Haushalte in Deutschland nutzen derzeit Fernwärme.
