Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Minden hat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich einen wichtigen Grundsatzbeschluss zur Zukunft des Parkhauses am Marienwall gefasst. Ziel ist der Neubau eines modernen Parkhauses mit rund 225 Stellplätzen, um die Erreichbarkeit der Innenstadt langfristig zu sichern und den innerstädtischen Handel zu stärken. Das bestehende Parkhaus aus dem Jahr 1978 – Eigentümerin ist die Stadt Minden - soll abgerissen und durch einen zeitgemäßen Neubau ersetzt werden. Die Kosten werden nach einer Entwicklungsstudie eines Architekturbüros auf rund 6 Millionen Euro geschätzt.
Der im Fachausschuss mehrheitlich gefasste Beschluss kann nun von der Mindener Parkhaus GmbH umgesetzt werden, nachdem der Rat am 26. März 2026 einen von der FDP-BBM- und der AfD-Fraktion sowie von Frank Tomaschewski (Wir für Minden) eingereichten Einspruch, der die entsprechende Leistungsfähigkeit der Mindener Parkhaus GmbH für ein solches Projekt anzweifelte, mehrheitlich zurückgewiesen hat. Die Antragsteller*innen äußerten Kritik an der Größe des neuen Parkhauses, an den berechneten Kosten und hatten wirtschaftliche Bedenken. Ein eigentlicher Bau-Beschluss wurde noch nicht gefasst. Das soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.
Der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) hat Ende Februar 2026 die 100-prozentige städtische Tochter beauftragt, die Planungsleistungen auszuschreiben. Auch wurde mehrheitlich der Zahlung eines Baukostenzuschusses an die Mindener Parkhaus GmbH - laut Entwicklungsstudie aktuell 3,6 Millionen Euro – zugestimmt. Des Weiteren stimmten die Ausschussmitglieder der Übertragung von Mitteln aus der Ablösung von Stellplätzen in Höhe von 730.000 Euro die Mindener Parkhaus GmbH zur anteiligen Finanzierung des Parkhauses zu.
Der Neubau wird von der Mindener Parkhaus GmbH mit Unterstützung der MEW (Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH – 100-prozentige Tochter) im Auftrag der Stadt geplant und gebaut. Das Grundstück soll von der Stadt an die Mindener Parkhaus GmbH verkauft werden.
Der geplante Neubau des Parkhauses beschäftigte den Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen, den Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Verkehr sowie zuletzt den Haupt- und Finanzausschuss. Drei Gutachten wurden in Auftrag gegeben: Eine Entwicklungsstudie, eine zur künftigen Dimension und zur Wirtschaftlichkeit. Die erste öffentliche Vorstellung des Vorhabens erfolgte im August 2025.
Während kleinere Lösungen mit weniger Stellplätzen zwar geringere Baukosten verursachen würden, könnten sie die bisherigen Funktionen des Parkhauses nicht erfüllen, argumentierte der Beigeordnete für Städtebau und Feuerschutz, Lars Bursian. Das jetzige Parkhaus diene derzeit nicht nur Besucherinnen und Besuchern der Innenstadt, sondern auch Anwohnern, Beschäftigten sowie dem Quartier insgesamt. Mitberücksichtigt werden müsse bei der Planung auch, dass künftig 350 Stellplätze an der Schlagde mit der in diesem Jahr beginnenden Neugestaltung der Fläche und der Weserpromenade wegfallen, so Bursian weiter.
Die Stadt hat für den Neubau drei Varianten planen lassen und schlägt nach Prüfung die größte mit bis zu fünf Parkebenen vor. Nach dem im Haupt- und Finanzausschuss gefassten Beschluss soll nun eine Variante mit etwa 225 Stellplätzen weiterverfolgt werden. Diese Größe berücksichtige insbesondere Spitzenbedarfe an Wochenenden, in der Adventszeit sowie den Wegfall anderer Parkflächen, so die Stadtverwaltung.
Karsten Martin-Borrego (Prokurist der MEW GmbH) stellte im Rat Aspekte des Finanzierungsmodells vor und betonte, dass aufgrund der erwarteten positiven Ergebnisse auch durch einen Parkhaus-Neubau die finanzielle Leistungsfähigkeit der Mindener Parkhaus GmbH nicht eingeschränkt wird.
Ein Fokus der Stadt liegt auf der Qualität des Parkens. Danach soll im Neubau die Stellplatz-Dimensionierung an heutige Standards angepasst werden. Das Parkhaus soll hell sein, Frauenparkplätze werden geschaffen und moderne Technik wird Einzug halten. Der Neubau soll neben einer modernen architektonischen Gestaltung auch zeitgemäße Standards erfüllen - darunter eine Photovoltaikanlage (PV) auf dem Dach, eine E-Ladeinfrastruktur, eine Parkraumbewirtschaftung mit digitaler Technik, einen Aufzug für die barrierearme Erschließung und eine energieeffiziente Beleuchtung. Zudem wird angestrebt, möglichst viele vorhandene Bäume am Standort zu erhalten beziehungsweise angemessen zu ersetzen.
Mit Bezug auf die geschätzten Kosten, machte Beigeordneter Lars Bursian im HFA und auch im Rat deutlich, dass das Bauen eines Parkhauses in der historischen Innenstadt deutlich teurer sei, als eine Parkpalette auf der grünen Wiese. In der Innenstadt gebe es mehr Bodenrisiken, das Parkhaus müsse vernünftig gestaltet werden und in ein Parksystem integriert werden. Der Platz sei beschränkt. Die Kosten für ein modernes Modul-Parkhaus erhöhen sich durch den Abriss des alten, abgängigen Parkhauses und eine eventuelle Schadstoffentsorgung. Es braucht Bodengutachten und eine spezielle Bohrpfahlgründung als Fundament. Außerdem sei mit erforderlichen archäologischen Untersuchungen an der Stelle der ehemaligen Stadtmauer und ihrer Wallanlagen zu rechnen.
Die endgültige Bauentscheidung wird erst nach Vorlage einer Vorentwurfsplanung getroffen. Die Mindener Parkhaus GmbH wird hierfür die Planungsleistungen bis zur Leistungsphase eines Vorentwurfes ausschreiben. Nach derzeitigem Stand könnte die Vorentwurfsplanung Ende 2026/Anfang 2027 vorliegen. Der endgültige Baubeschluss soll im Jahr 2027 erfolgen und der Bau im Jahr 2028 starten. Die Fertigstellung des neuen Parkhauses ist für das Jahr 2029 vorgesehen.
Während der Bauzeit wird sich die Stadt bemühen, zusätzliche Ersatzstellplätze in der Innenstadt zu schaffen. Dieses hänge jedoch von laufenden Gesprächen mit privaten Grundstückseigentümern ab.
