Wenn am 1. Dezember 2029 die Neuvergabe des Stadtbusverkehrs Minden an den Start gegangen ist, dann sind vorher viele wichtige Entscheidungen getroffen worden, verdeutlicht Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz der Stadt Minden, bei einer Infoveranstaltung zum ÖPNV. Es geht jetzt darum Veränderungen anzustoßen, sodass die Mindener*innen auch in den kommenden Jahren vernünftig mit dem Bus durch die Stadt kommen. Dabei gibt es unterschiedliche Aspekte, die in diese Entscheidung einfließen. Dr.-Ing. Timo Barwisch vom Planungsbüro plan:mobil aus Kassel und Stephan Malenica, Geschäftsführer der Transdev Ostwestfalen GmbH, machten bei der Podiumsdiskussion deutlich, wie die Zukunft der Mobilität aussehen kann und was entscheidende Faktoren sind.
Das Mindener Stadtbussystem steht heute auf einer soliden Basis – das Grundpaket stimmt. Aber es gibt durchaus Verbesserungsoptionen, die dazugebucht werden könnten. Möglich wären unter anderem: Taktverdichtungen auf ausgewählten Linien, ein attraktiver Wochenendverkehr, Einführung von Schnellbussen, oder auch eine Ausweitung der Betriebs-, Anfangs- und Endzeiten. „Die Frage, die man sich als Politik und Verwaltung stellen muss, ist: Kann man sich das alles Jahr für Jahr über den Vergabezeitraum von insgesamt zehn Jahren leisten?“, unterstreicht Timo Barwisch. Es geht leider nicht, dass man das System des Stadtverkehrs nach Belieben hoch- oder runterregelt, da dahinter langfristige Verträge und Investitionen stehen. Ebenfalls wurde aufgezeigt, dass das Mindener Liniennetz bereits heute schon sehr ausgereizt ist und wenig Optimierungspotenzial bietet.
Ein oft nachgefragter Lösungsansatz sind On-Demand-Angebote, so auch in Minden. Aber der Fachmann aus Kassel macht deutlich, dass diese grundsätzlich weniger Fahrgäste befördern und einfach nicht so leistungsstark sind wie klassische Linienangebote. Für Minden würden diese daher nur als zusätzliche Ergänzungsangebote und nicht als Ersatz für bestehende Linien in Frage kommen. Darüber hinaus bedeutet jeder zusätzliche Streckenkilometer mehr Kosten. Investitionen in moderne und barrierefreie Haltestellen oder auch in eine Ampelvorrangschaltung für Busse hingegen bezeichnet Barwisch als „Visitenkarte des ÖPNV“, die die Fahrgäste unmittelbar wahrnehmen und Entscheidungskriterien für die Nutzung des ÖPNV sind.
Ein Impuls kann sein, dass anlassbezogene Anregungen einfach einmal getestet werden, wie beispielsweise ein Basisangebot in den Abendstunden bei Veranstaltungen in der Mindener Innenstadt für peripher gelegene Stadtbezirke. Aus dem Publikum heraus kam die Anregung nach einem Bürgerbus für Fahrten an den Wochenenden. Das kann aber nur dann ein Erfolg sein, wenn die Initiative aus der Zivilgesellschaft heraus kommt, hob Barwisch hervor. Auch das autonome Fahren ist weiterhin ein Zukunftsprojekt, das noch nicht soweit ausgereift ist, um dadurch alle Herausforderungen eines Stadtverkehrs der Größe Mindens zu lösen.
Stephan Malenica zeigte den Teilnehmenden beim Thema alternative Antriebe drei unterschiedliche Richtungen auf. So würde sich ein reiner elektrischer Antrieb für den Stadtverkehr gut eignen. Die Vorteile liegen in der Nachhaltigkeit und beim Emissionsausstoß. Auch könnten für diese Antriebsart Fördermittel akquiriert werden. Weniger gut ist die derzeitige Ladeinfrastruktur sowie die deutlich geringere Reichweite. Wasserstoffbusse sind in der Anschaffung sehr teuer und auch hier ist die Infrastruktur ein Hemmnis. Wasserstoff-Tankstellen sind nicht flächendeckend vorhanden und auch die Instandhaltung von Wasserstoff-Bussen ist sehr kostenintensiv. Überraschend gut schneidet aus Sicht des Fachmanns weiterhin der Diesel ab, wovon es auch mit dem Treibstoff HVO 100 eine klimafreundliche Variante gibt. Er kann eine sehr gute Alternative sein, da bereits vorhandene Strukturen nicht verändert werden müssen und auch betriebliche und operative Abläufe unverändert bleiben können. Positiv wirken sich die geringen Anschaffungskosten und die sehr gute Tankstelleninfrastruktur aus. „Ein Antriebsmix aus Elektro und Diesel wäre eine Möglichkeit, um sich zukunftsfest beim Stadtbusverkehr aufzustellen“, so Malenica.
Aktuell beträgt der städtische Zuschuss für den Stadtbusverkehr sowie den Regionalverkehr bereits insgesamt rund drei Millionen Euro pro Jahr. Für die kommenden Jahre ist bereits jetzt mit deutlichen Kostensteigerungen zu rechnen, da der Diesel-Preis durch den Iran-Krieg stark angestiegen ist. Es zeichnet sich also ab, dass der ÖPNV in der Stadt Minden auch ohne Angebotsverbesserung in den kommenden Jahren teurer wird. „Am Ende steht die Frage im Raum, ob und auf welche Weise das Grundpaket erweitert werden soll und ob diese Zusatzleistungen über die kommenden Jahre finanziell darstellbar sind“, fasst Lars Bursian zusammen. Aus fachplanerischer Sicht ist es sinnvoll in die bereits vorhandenen Stärken zu investieren, anstelle mit der Gießkanne überall etwas zu verteilen. „Momentan bilden wir mit dem Mindener Stadtbusnetz ein Basisangebot für alle 19 Stadtbezirke ab. Wenn in Zukunft der Weg einer grundhaften Neu- und Überplanung gegangen werden soll, dann ist das nur durch eine deutliche Leistungsmehrung und einer damit verbundenen Kostensteigerung möglich“, unterstreicht der Beigeordnete. „Die Weichen für einen modernen und leistungsfähigen ÖPNV stellen wir jetzt und das machen wir gemeinsam“.
Personen auf dem Bild v.l.n.r.: Stephan Malenica (Geschäftsführer der Transdev Ostwestfalen GmbH), Andy Wollny (Stellvertretender Geschäftsführer/Prokurist Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft (mhv) mbH), Timo Barwisch (Planungsbüro plan:mobil) und Lars Bursian (Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz Stadt Minden).
