Pressekonferenz zur Bekanntgabe der Preisträger des „Kabarettförderpreises Mindener Stichling“ in der vergangenen Woche: Bürgermeister Peter Kock hält auf der Bühne des Theatercafés zwei goldene Umschläge in der Hand. Die bronzene Stichlingsfigur steht neben ihm auf einem Holz-Sockel, zwei Kunststoff-Nachbildungen in knalligem Rot flankieren die beiden Stehtische. Dann öffnet Kock den einen Umschlag und verkündet feierlich, dass der Kabarettist und Stand-up Comedian Jonas Greiner den „Mindener Stichling 2026“ in der Kategorie Solo erhält. Applaus brandet auf. Es wird noch einmal spannend. „Über die Mindener Auszeichnung in der Kategorie Gruppe darf sich das Duo „Riedel & Meister“ freuen“, so Kock. Erneut spenden die Anwesenden Applaus.
Dann kommt der Gründer und Mentor der Mindener Stichlinge, Birger Hausmann, auf die Bühne. Denn anlässlich des 60-jährigen Bestehens des ältesten, immer noch aktiven Amateur-Kabaretts der Bundesrepublik Deutschland gibt es 2026 auch noch einen mit 2.000 Euro dotierten Sonderpreis. Diesen erhält die Dortmunder Kabarettistin Lioba Albus, die eng verbunden mit den „Mindener Stichlingen“ und auch bei der Festvorstellung zum 60. „Geburtstag“ Anfang Januar im Stadttheater mit aufgetreten ist. Ihr Thema sind die Beziehungen zwischen Mann und Frau, die sie mit „bemerkenswerten Lebensweisheiten einer Sauerländer Hausfrau“ kommentiert.
Alle drei Preisträger*innen werden am Samstag, 14. November, ab 19 Uhr im Stadttheater Minden Auszüge aus ihren aktuellen Programmen zum Besten geben. Die Gala wird vom aus Funk und Fernsehen bekannten Kölner Kabarettisten Wilfried Schmickler moderiert. Er wird dem Abend mit seinen satirischen Beiträgen einen „schwungvollen Rahmen“ geben. Der WDR zeichnet die Veranstaltung für den Hörfunk auf. Der Vorverkauf für die Gala beginnt am 3. März, wie die Intendantin des Stadttheaters Minden, Andrea Krauledat, ankündigt. Sie unterstrich in ihrer Begrüßung, wie wichtig Kabarett gerade in diesen Zeiten ist, „weil es uns allen den Spiegel vorhält – charmant, böse und klug“.
Der Kabarettpreis „Mindener Stichling“ wird alle zwei Jahre an aufstrebende Talente der deutschsprachigen Kleinkunstszene verliehen. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 4.000 EUR verbunden, welches von den langjährigen Sponsoren, der Sparkasse Minden-Lübbecke und der Unternehmensgruppe Melitta, gestellt wird. Sie übernehmen auch die Kosten für den Guss des bronzenen Stichlings. Die Sparkasse Minden-Lübbecke stellt in diesem Jahr zusätzlich auch die 2.000 Euro für den Sonderpreis. Beide unterstrichen in der Pressekonferenz, wie wichtig ihnen die Unterstützung der lokalen Kultur ist. Und dazu gehören seit 60 Jahren auch die „Mindener Stichlinge“. Sie haben die Vergabe eines Kabarettpreises durch die Stadt angeregt. 1994 wurde der inzwischen bundesweit anerkannte Preis das erste Mal vergeben.
Zu den Preisträgern: Der Kabarettist und Stand-up Comedian Jonas Greiner „analysiert wortgewandt und rasant auf Augenhöhe die Zu- und Missstände der Gesellschaft. Der 28jährige Sprachkünstler zeichnet darin ein stimmiges Psychogramm seiner ostdeutschen Heimat“, so die Jury in ihrer Begründung. In seinem aktuellen Soloprogramm nimmt Jonas Greiner seine Zuschauer aber auch mit auf einer Reise durch Deutschland, durch die ganze Welt und das Hier und Jetzt unserer Zeit. „Er will sich positionieren und in einen Dialog mit dem Publikum treten. Gelebte Demokratie findet bei ihm nicht nur auf der Bühne statt, sondern auch aktiv im Stadtrat seiner Heimatstadt und auf Social Media“, heißt es weiter.
Das Duo „Riedel & Meister“ besteht aus der Autorin Susanne M. Riedel und dem Liedermacher Lukas Meister. Für ihr erstes gemeinsames Programm haben „die alten Hasen“ gute Momente in schwierigen Zeiten gesammelt. „Ihr Programm zeigt Miniaturen, die anlächeln lassen gegen Trübsal und Kümmernis der Zeiten. Ihre Stichworte sind nicht ,Trump‘ oder ,Merz‘, sondern unser Leben“, so die Jury in ihrer Begründung. Und weiter: „Sie schreiben wunderbare und witzige Miniaturen, Alltagspoesie in Lied und Wort - eine hoffnungsvolle Bestandsaufnahme des Jetzt. Ihr Zusammen fußt auf den Säulen des Kabaretts und der Kleinkunst und ist gleichzeitig anders und einzig. Das ist Erzählkabarett, wie man es von Hanns Dieter Hüsch kennt, das ist politisches Lied wie von Hannes Wader, das ist Tagebuchartiges wie von Peter Rühmkorf.“
Die Jury hat 2025 mit dem Mindener Profi-Kabarettisten Bernd Gieseking ein neues Mitglied erhalten, nachdem Hans Jacobshagen (Kulturjournalist) und Gabriele Killert (Publizistin) ausgeschieden sind. Die Jury besteht zudem aus Elke Frühling (Kulturjournalistin), Funda Gür (künstlerische Leiterin des BÜZ), Birger Hausmann (Mindener Stichlinge), Andrea Krauledat (Intendantin Stadttheater), Simon Strehlau (Redakteur WDR) und Michael Laages (Dramaturg und Journalist).
Bis zur Gala werde es verschiedene Social Media-Beiträge und weitere Pressearbeit geben, kündigt Ola Friesicke vom Kulturbüro der Stadt Minden an. So soll unter anderem ein Suchspiel entwickelt werden. Der bronzene Stichling wird sich an verschiedenen Orten im Stadtgebiet „verstecken“, die es zu erraten gilt. Auch sollen die Preisträger in kurzen Videos vorgestellt werden. Darüber hinaus wird es eine Karten-Verlosungs-Aktion geben.
Weitere Informationen zum Kabarett-Förderpreis
1994 wurde der Preis zum ersten Mal – damals noch im Vortragssaal der Sparkasse am Scharn - verliehen: an Lars Reichow (Wiesbaden) und das Duo „Phrasenmäher“ aus Berlin – das waren seinerzeit Armin Ballert und Frank Lüdecke. Nicht nur Lars Reichow und Frank Lüdecke haben danach Karriere auf bundesdeutschen Bühnen und im Fernsehen gemacht, sondern auch viele weitere Preisträger*innen und Preisträger (u.a. Ina Müller, Claus von Wagner – Die Anstalt, Luise Kinseher, Bodo Wartke, Marc-Uwe Kling, Das Geld liegt auf der der Fensterbank, Marie…).
„Das spricht für Minden, den guten Riecher der Jury und natürlich für unseren bundesweit anerkannten Preis“, so Bürgermeister Peter Kock. Auch dieses Mal habe die hochkarätig besetzte Fachjury aus unabhängigen Medienfachleuten und Expert*innen eine vielversprechende Auswahl getroffen. Er freue sich schon sehr auf die Gala am 14. November, so Kock.
Den Kabarett-Förderpreis „Mindener Stichling“ gibt es seit nunmehr 32 Jahren. In diesem Jahr wird die Auszeichnung zum 17. Mal vergeben. Namensgeber ist das älteste aktive Amateur-Kabarett in der Bundesrepublik Deutschland. Die 1966 gegründeten „Stichlinge“ hatten sich zu ihrem 25. Jubiläum im Jahr 1991 als „Geschenk“ den Preis von der Stadt gewünscht, um auch den Kabarett-Nachwuchs fördern zu können. Das „Geschenk“ konnte dann erst einige Jahre später realisiert werden. Den bronzenen Stichling hat Katja Hausmann-Seeger gestaltet.
