Das Rechte Weserufer hat wieder einen Ortsbürgermeister. Mit 47 zu 9 Stimmen entschieden sich die Mitglieder der Mindener Stadtverordnetenversammlung am 12. Februar 2026 mit deutlicher Mehrheit für den parteilosen Bürger Michael Lücke. Der 30-Jährige setzte sich bei der Wahl im Rat gegen Frank Dunklau (AfD) durch. Für Dunklau fand sich bereits in der konstituierenden Sitzung des Rates Mitte November 2025 keine Mehrheit. So blieb der Posten des Ortsbürgermeisters im Stadtbezirk Rechtes Weserufer zunächst unbesetzt.
Am 12. Februar kam dieser Punkt dann erneut auf die Tagesordnung. Die SPD-Fraktion hatte einen Antrag im Rat gestellt und Michael Lücke vorgeschlagen. Dieser ist im Stadtbezirk Rechtes Weserufer zu Hause und dort kein Unbekannter. Er freute sich bereits in der Ratssitzung sehr über die Wahl. Nur einen Tag später nahm er am Austausch der Ortsbürgermeister*innen im Restaurant „Kaisersaal“ teil und konnte hier die Kolleg*innen aus den anderen Stadtbezirken kennenlernen.
Nun vereidigte Bürgermeister Peter Kock den neuen gewählten Ortsbürgermeister. Michael Lücke leistete am 18. Februar im Rathaus den vorgeschriebenen Eid und erhielt seine Ernennungsurkunde. Als Ehrenbeamter auf Zeit musste er zudem eine Verpflichtung nach dem Datenschutzgesetz unterzeichnen. Bürgermeister Kock verlas auch eine Belehrung zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Die Erklärung dazu musste ebenfalls unterzeichnet werden.
Nach dem formalen Akt erklärte Lücke, dass er „hoch motiviert“ in sein neues Amt starten wolle. Der 30-Jährige will sich als erstes um die anstehende „Aktion Saubere Landschaft“ in seinem Stadtbezirk kümmern. Diese wird regelmäßig zusammen mit dem Quartiersmanagement Rechte Weserseite organisiert. Das Müllsammeln hat er zu seiner Passion gemacht. Denn Michael Lücke ist Mitbegründer der Gruppe „The Trash Pandas“, die sich immer sonntags um 10 Uhr mit anderen Ehrenamtlichen treffen, achtlos weggeworfenen Abfall einsammeln und entsorgen.
„Da kommen regelmäßig größere Mengen zusammen“, berichtet der frischgebackene Ortsbürgermeister am 18. Februar im Rathaus. Gesammelt werde nicht nur in Minden, sondern auch in Porta Westfalica, Bad Oeynhausen, Bückeburg und Rinteln. Lücke hat sich auch schon mit seinem Vorgänger, dem früheren Ortsbürgermeister und jetzigen Fraktionsvorsitzenden der CDU im Rat, Dr. Konrad Winckler, ausgetauscht, wie er berichtet. Zu seinen Aufgaben gehören künftig auch die Ehrungen von 90- und 95-jährigen Bürger*innen sowie von Paaren, die die „Goldene Hochzeit“ feiern.
Nach der Gemeindeordnung Nordrhein Westfalen (GO NRW) nehmen die Ortsbürgermeisterin/der Ortsbürgermeister die Belange seines/ihres Stadtbezirks gegenüber dem Rat wahr. Sie/er kann Vorschläge in allen Angelegenheiten, die das Gebiet des jeweiligen Stadtbezirks betreffen, an den Rat der Stadt Minden oder an den Bürgermeister richten - so bei der Planung von Investitionsmaßnahmen, bei der Förderung und Ausgestaltung von Sport-, Park- und Grünanlagen, Friedhöfen, Kitas und Spielplätzen sowie bei Einrichtungen. Ortsbürgermeister*innen können auch bei der Benennung und Umbenennung von Straßen und Plätzen Vorschläge machen. Für ihre Arbeit bekommen die Ortsbürgermeister*innen eine Aufwandsentschädigung.
In den Reihen der 19 Ortsbürgermeister*innen befinden sich „alte Häsinnen und Hasen“, aber auch vier Neulinge, zu denen nun auch Michael Lücke gehört. 10 Ortsbürgermeister*innen sind gleichzeitig Stadtverordnete*r im Rat. Aktuell stellt die SPD 16 und die CDU zwei Ortsbürgermeister*innen, Lücke ist parteilos.
Grundlage für die Wahl ist das erzielte Stimmenverhältnis bei der jüngsten Kommunalwahl im jeweiligen Stadtbezirk. Nach der Gemeindeordnung NRW (§ 39 Abs. 6 GO NRW) und der Hauptsatzung der Stadt Minden (§ 2 Abs. 1) wählt die Stadtverordnetenversammlung, unter Berücksichtigung des bei der Wahl des Rates in dem jeweiligen Stadtbezirk erzielten Stimmverhältnisses, für die Dauer seiner Wahlzeit je ein*e Ortsbürgermeister*in.
Im Stadtbezirk Rechtes Weserufer hatte die AfD am 14. September 2025 mit 25,38 Prozent knapp die meisten Stimmen erhalten, vor der SPD (24,34 Prozent) und der CDU (24,15 Prozent). Die AfD hatte damit auch das erste Vorschlagsrecht für die Wahl des Ortsbürgermeisters. Nachdem Frank Dunklau nun auf erneutem Vorschlag seiner Partei am 12. Februar dem Gegenkandidaten Lücke unterlag, kündigte die Partei an, eine Beschwerde bei der Kommunalaufsicht einzulegen.
