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Neujahrsempfang im Zeichen des Ehrenamtes


Das Ehrenamt stand im Mittelpunkt des Neujahrsempfanges der Stadt Minden am vergangenen Freitag (9. Januar). Langanhaltenden Applaus erhielten nicht nur ausgeschiedene Stadtverordnete und Ortsbürgermeister, sondern auch die drei Träger des Preises für ehrenamtliches und freiwilliges Engagement der Stadt Minden 2025 von den Gästen im Großen Rathaussaal. Sie würdigten damit hörbar und sichtbar das vielfältige Engagement der Geehrten.

Erstmals hatte Bürgermeister Peter Kock zu der Veranstaltung ins Rathaus eingeladen. Er zeichnete im zweiten Teil des Empfanges den 19-jährigen Mindener Jan Henning Drees mit dem Jugendpreis für sein breitgefächertes Engagement, Hiltrud Wiese für ihre ehrenamtliche Arbeit im Kinder- und Jugendhospizdienst mit dem Preis in der Kategorie „Einzelperson“ und den Verein „Leben mit dem Demenz -  Alzheimergesellschaft Minden-Lübbecke“ mit dem Gruppen-Preis aus. Alle sind mit 500 Euro dotiert und werden seit dem Jahr 2001 vergeben.

„Ich möchte Sie und euch dazu einladen, dem Gedanken des aufeinander Achtens, des Helfens als prägenden Gedanken für unsere Stadt mit ins neue Jahr zu nehmen“, sagte Bürgermeister Kock zu Beginn seiner Begrüßung vor rund 300 Gästen. Er sprach auch an, dass das neue Jahr mit „gesteigerter Unsicherheit“ begonnen habe – in Bezug auf die weltpolitischen Ereignisse und den linksextremistischen Angriff auf verletzliche Infrastruktur in Berlin. Parallel liefen viele populistische, spalterische und antidemokratische gesellschaftliche Entwicklungen weiter.

Kock zitierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus einer Rede vom 9. November 2025 mit den Worten: „Nie in der Geschichte unseres wiedervereinten Landes waren Demokratie und Freiheit so angegriffen.“ Und weiter: „Die Selbstbehauptung der Demokratie, das ist die Aufgabe unserer Zeit.“ Die Welt befinde sich in einer Phase, in der Autokraten weiter auf dem Vormarsch seien, so Kock. Was in der Bundesrepublik momentan fehle, sei die mangelnde Identifikation mit der Staatsform Demokratie.

Gerade deshalb heiße es, zusammen zu halten, sich gegenseitig zu unterstützen und zu helfen. Er wünsche sich, so der Bürgermeister, dass der staatliche Schutz und die Leistungen von Behörden, von sozialen Einrichtungen, von Rettungskräften, der Feuerwehr sowie des Gesundheits- und Pflegewesens mehr wertgeschätzt werden, was die Gäste mit einem spontanen Applaus bekräftigten. Im Folgenden schlug er vor, das Minden doch „eine Modellstadt“ sein könne – für eine zufriedene und engagierte Stadtgesellschaft. „Und denken Sie gerne auch darüber nach, wie wir alle gemeinsam das Bruttonationalglück steigern können“, so Kock mit Hinweis auf den „World Happiness Report 2025“, in dem Deutschland als drittstärkste Wirtschaftskraft weltweit nur Platz 22 belegt.  

Nach seiner Begrüßung ehrte der im September 2025 gewählte, neue Bürgermeister ausgeschiedene Stadtverordnete und Ortsbürgermeister, von denen aber vor allem wegen des Winterwetters nur rund die Hälfte anwesend waren. Mit einer Würdigung der politischen Arbeit und einem Stadtgutschein bedankte er sich bei 18 Ratsmitgliedern und vier Ortsbürgermeistern für das ehrenamtliche Engagement. Zum Teil waren auch sehr langjährige Stadtverordnete darunter. Mit 41 Jahren ununterbrochener Rats-Zugehörigkeit führte Horst Idelberger (Bündnis 90/Die Grünen) die Liste an. „Rund 270 Jahre Ratsarbeit sind hier zusammengekommen“, stellte Kock fest.

Die Auszeichnung der Preisträger*innen für ehrenamtliches und freiwilliges Engagement nahm den zweiten Teil des Neujahrsempfang ein. „Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Dein Tag eher 36 statt 24 Stunden hat“, so Kock schmunzelnd in der Laudatio für den Jugend-Preisträger Jan Henning Drees. Vorgeschlagen wurde er von seinem Großvater Karl-Heinz Drees.

Der 19-Jährige aus Minden-Meißen engagiert sich im Schwerpunkt für junge Ukrainer*innen in Minden, aber auch für Studierende im kriegsgebeutelten Land selbst. Für sie sammelte er PCs und Spenden. Drees ist in der Freiwilligen Feuerwehr (Löschgruppe Meißen) aktiv, er engagiert sich im jagdlichen Naturschutz und war bis zum Sommer eine „tragende Säule“ im Schulsanitätsdienst des Besselgymnasiums. Als registrierter Ersthelfer habe er innerhalb kürzester Zeit zwei Menschen das Leben gerettet, lobte Kock, verbunden mit einem ganz großen Dank.

Einzelpreisträgerin Hiltrud Wiese kümmert sich im Kinder- und Jugendhospizdient seit 2009 ehrenamtlich um sterbenskranke Kinder. Sie unterstützt auch die Eltern und Geschwister der kleinen Mindener*innen im Alltag. „Mit unglaublich viel Herz, Wärme, Achtsamkeit und auch mit Humor ist Hiltrud für andere da. Sie begleitet Familien in den schwersten Zeiten ihres Lebens. Das macht sie freiwillig, weil sie helfen möchte. Und sie schenkt dabei Nähe, Trost, Zeit und vor allem Menschlichkeit.“ Das haben Bettina Muci und Regina Schiebe in ihrem Vorschlag geschrieben. Es gebe viele weitere Geschichten von dankbaren Eltern und Kindern, denen Hiltrud Wiese in den vergangenen Jahren helfend zur Seite stand, so Kock weiter.

Als „eine sehr gute Wahl der Jury“ bezeichnete der Bürgermeister auch die Vergabe des Gruppenpreises 2025. Den erhält der Verein „Leben mit Demenz – Alzheimergesellschaft Minden-Lübbecke“. Demenz sei keine Randerscheinung, sondern alltäglich. Nahezu jede und jeder habe wohl schon Berührungspunkte mit dieser Krankheit gehabt, stellte Peter Kock fest. „Demenz - diese Diagnose macht oft Angst. Niemand weiß genau, wohin der Weg führt und auch nicht, wie lang er sein wird. Es kann ein schleichender Prozess sein oder auch ganz schnell gehen, dass Wörter, Orientierung, Namen, Ereignisse und Erinnerungen nicht mehr abgerufen werden können oder vielleicht ganz verschwinden. Geliebte Menschen tauchen ab in eine Welt des Vergessens.“

Besonders stolz sind die Ehrenamtlichen auf das vielfältige Aktivitätsprogramm, das neben Bewegen, Basteln, Malen, Tanzen, Walken und Reisen, auch Singen, Gärtnern und Konzertbesuche umfasst. Es gibt auch Veranstaltungen, Vorträge, Schulungen, Ausflüge sowie regelmäßige Gesprächskreise – für Partner, für Kinder/Schwiegerkinder und auch für Enkel von Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Vor allem Angehörige bräuchten Unterstützung, Rat, Trost und Mutmacher*innen. „Das finden sie in diesem Verein“, lobte der Bürgermeister. Den Preis nahmen dankend die zweite Vorsitzende, Christina Gerhardt sowie Hartmut Schilling und Hanne Piel entgegen.

Wegen des vorhergesagten Schnees und der Glätte fanden etwas weniger Besucher*innen als sonst den Weg in das Rathaus. Für den musikalischen Rahmen beim Neujahrsempfang, der traditionell am zweiten Freitag im Januar stattfindet, sorgte das Duo „White Coffee“. Das Catering übernahm erneut das Kulturzentrum BÜZ. Im Vorfeld fand ab 18 Uhr in der St. Martinikirche ein für alle offener ökumenischer Gottesdienst statt, der gut besucht war.