Das Objekt im Fokus in den Monaten März und April ist eine Zinnkanne aus dem Jahr 1969. Es handelt sich um ein Andenken an die Teilnahme eines Mindener Teams bei der Fernsehshow „Spiel ohne Grenzen“ (1965 – 1999).
Die Kanne aus Zinn wird in den 1960er Jahren in einer handwerklichen Schweizer Zinngießer-Werkstatt hergestellt worden sein. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ersetzen in kunstgewerblichen Werkstätten jedoch auch Maschinen Teile der menschlichen Arbeitskraft. Die Präzision in der Ausarbeitung und der Reproduktion der Form passt sich somit den in den 1960er Jahren erhältlichen motorisierten Arbeitsmaschinen an. Die Arbeitsschritte sind jedoch seit Aufkommen der Zinngießerei in der Schweiz im 15. Jh. ähnlich geblieben. Teile des Gefäßes werden zunächst einzeln in Formen gegossen. Durch die Weiterbearbeitung an der Drehbank – das Spanen und Schleifen – erhält das Zinn einen hochwertigen Glanz. Einzelteile werden schließlich verlötet und wieder gesäubert. Heute erscheint die Oberfläche des Zinns matt. Die polierte glänzende Oberfläche kann man noch im Inneren der Kanne wahrnehmen. Gründe können hier die Oxidation mit Luftsauerstoff und die Reaktion auf in Hautfetten enthaltene Säuren sein.
Unter der Kanne ist ein Greif, ein geflügeltes Fabeltier, „JP J“ und „Geneve“ eingestempelt, die Marke des 1915 geborenen Genfer Zinngießers Jean-Paul Jacob. Am Bauch der Kanne befindet sich die Gravur „La Ville de Martigny au Maire de Minden, Jeux Sans Frontières 1969“ („Die Stadt Martigny an den Bürgermeister von Minden, Spiel ohne Grenzen 1969“). Ein rot-weiß gestreiftes Stoffband trägt die Farben des Wappens der Stadt Martigny. Die Stadt liegt im Kanton Wallis und gehört, wie Genf, zu den wichtigen Orten der Zinnverarbeitung in der Schweiz. Die spezifische gebauchte Form der Weinkanne mit einem Hohlfuß und dem herzförmigen Ausguss ist seit dem 17. Jh. in den Schweizer Kantonen Genf, Wallis und Waadt verbreitet. Widderköpfe als Verzierung kommen vor allem im Wallis vor. Die Kette scheint ursprünglich dem Transport des Gefäßes gedient zu haben. Sie verliert jedoch ihre Funktion und wird zur reinen Dekoration.
In Martigny findet 1969 eine Ausgabe der Fernsehshow „Spiel ohne Grenzen“ statt. Dabei treten Teams aus verschiedenen europäischen Städten in sportlichen Geschicklichkeitsspielen gegeneinander an. An dem Wettkampf am 6. August 1969 nehmen Teams aus Martigny, Minden und Städten in Belgien, Großbritannien sowie Italien teil. Die Stadt Martigny wählt als Andenken für die Teilnehmerstädte die Bauchkanne. Auch die belgische Stadt Halle schenkt Minden einen Teller und eine Medaille, die italienische Stadt Foggia eine Plakette. Diese Objekte werden dem Mindener Museum 1970 zur Aufbewahrung übergeben.
„Spiel ohne Grenzen“ entsteht auf Initiative des damaligen französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle und wird 1965 erstmals gesendet. Die Sendung war eine Koproduktion des WDR und weiterer europäischer Rundfunkanstalten. Die Wettkämpfe sollen friedliche, interkulturelle Begegnungen sein. Während der Sendung wird den Zuschauer*innen Wissenswertes über die Teilnehmerstädte vermittelt. Viele Städte erhoffen sich positive Auswirkungen auf den Tourismus. Das Mindener Team hat sich in einer nationalen Runde für den Wettbewerb in Martigny qualifiziert. Dort belegt das Team dann den dritten von fünf Plätzen.
