WBV Am Wiehen | Pressestelle

Trinkwasser-Lage beim WBV „Am Wiehen“: Verbrauch leicht zurückgegangen


Die Trinkwasserversorgung im Verbandsgebiet des Wasserbeschaffungsverbands (WBV) „Am Wiehen“ war während der ersten Hitzeperiode des Jahres vom 18. bis 28. Juni 2026 sehr angespannt und konnte nur durch außergewöhnliche Maßnahmen gesichert werden. Die tägliche Abgabemenge lag durchgehend im extrem hohen Bereich - mit einem Höchstwert von rund 20,2 Millionen Litern am Freitag, 19. Juni 2026. Sie sank in diesem Zeitraum nie unter 18,8 Millionen Liter - dieser bislang niedrigste Wert wurde erst am Sonntag, 28. Juni 2026 erreicht. Damit lag der Verbrauch durchgehend über der Menge, die durch Eigenförderung und Zukäufe nachgefüllt werden kann. Ein wachsendes Defizit entstand.

Partner halten die Versorgung stabil
Dass der Pegel im zentralen Hochbehälter dabei stets über der kritischen Marke von ein 1,50 Metern blieb und zuletzt sogar weitgehend stabilisiert werden konnte, ist vor allem der Solidarität mehrerer Versorgungspartner zu verdanken. Sie haben täglich weit über ihre vertraglichen Liefermengen hinaus erhebliche Mehrmengen bereitgestellt oder über Notübergaben überhaupt erst zusätzliche Wasserlieferungen möglich gemacht.

Zu diesen Partnern zählen:

• der WBV Kreis Herford-West, ein langjähriger Partner, lieferte täglich erhebliche Mehrmengen.

• der WBV Wiehengebirge, ebenfalls ein langjähriger Partner, der mit zusätzlichen Liefermengen unterstützte.

• die Stadtwerke Espelkamp AöR – ein neu gewonnener Partner, der eine Notübergabe nach Hille möglich machte, direkt in das Netz des WBV Amt Hartum. Hierfür waren Umgliederungen der Fördermengen vom WBV Gehlenbeck zwischen den Stadtwerken Lübbecke und Espelkamp erforderlich.

• der WBV Exter-Steinegge – ein Partner, der die Stadtwerke Bad Oeynhausen bereits mehrfach bei Engpässen unterstützt hat.

Dass gleich mehrere Verbände und Stadtwerke kurzfristig eingesprungen sind, zeigt: Die Versorgung im Zuge der Hitzeperiode war ein gemeinsamer Kraftakt - und sie trägt zurzeit, weil die Partner auch weiterhin zusammenstehen.

Das Ziel: 16 Mio. bis 17 Mio. Liter Trinkwasser am Tag
Am Sonntag, den 28. Juni 2026 ist der Verbrauch erstmals spürbar gesunken. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, reicht aber noch nicht. Damit sich alle

Hochbehälter wieder vollständig auffüllen können und die Versorgung weiterhin gesichert ist, muss dauerhaft weniger Wasser entnommen werden, als in die Hochbehälter nachfließen kann. Der WBV „Am Wiehen“ wirbt deshalb um ein gemeinsames Ziel: einen täglichen Verbrauch von 16 bis 17 Mio. Litern Trinkwasser am Tag. In diesem Bereich ließe sich die Versorgung in den Sommermonaten voraussichtlich weitaus sicherer gestalten.

Warum die Lage trotz jahrelanger Investitionen angespannt bleibt?
Wasserknappheit hat im Verbandsgebiet des WBV „Am Wiehen“ strukturelle Wurzeln: Der Wasserbeschaffungsverband wurde 1961 als Reaktion auf extreme Trockenjahre gegründet. 2026 zeigt sich nun eine neue Dimension der Spitzenlast: An mehreren aufeinanderfolgenden Hitzetagen wird gleichzeitig so viel Wasser abgerufen - für Pools, Rasenbewässerung und Gartenbewässerung etc. - wie es in dieser Höhe und Dauer früher nicht vorkam. Und das bereits früh im Jahr, statt im Hochsommer.

Hinzu kommt ein wachsendes Problem bei der verfügbaren Jahresmenge durch die Eigenförderung der Stadtwerke Bad Oeynhausen, die das Gesamtsystem unterstützt. Die Eigenförderung stammt überwiegend aus Uferfiltrat der Weser und hängt somit stark vom Weserwasserstand ab. Nach dem trockenen Winter 2025/26 war dieser niedriger als üblich: Im ersten Quartal 2026 wurden dort rund 222.000 Kubikmeter gefördert - etwa 130.000 Kubikmeter weniger als im gleichen Zeitraum 2025. Diese Menge fehlt in der verfügbaren Gesamtjahresmenge des WBV „Am Wiehen“. Aufgrund der klimatischen Veränderungen ist mit solchen Entwicklungen auch zukünftig zu rechnen.

Was getan wird - und was geplant ist?
Schon 2019 und 2022 kam es zu Engpässen in der Trinkwasserversorgung, die jeweils eine ordnungsbehördliche Verordnung notwendig machten. Seit 2019 hat der WBV „Am Wiehen“ deshalb ein umfangreiches Maßnahmenprogramm umgesetzt, um diesen neuen Herausforderungen zu begegnen: es wurden neue Verbundleitungen geschaffen, ein zusätzlicher Hochbehälter mit 10.000 Kubikmetern Volumen in Betrieb genommen, ein weiterer Brunnen ging 2022 in Betrieb, die Sanierung der Filteranlage im Wasserwerk begonnen – aktuell wird zudem eine neue Rohwasser Redundanzleitung in Hille verlegt. Geplant sind weitere Brunnenneubauten durch den WBV „Am Wiehen“ in Hille: Zwei Grundstücke sind bereits erworben, einer der Brunnen befindet sich im Genehmigungsverfahren. Ein weiterer Brunnen wird in Löhne durch die dortigen Stadtwerke Löhne gebaut. Solche Projekte dauern erfahrungsgemäß 4 bis 5 Jahre und entlasten die aktuelle Lage daher nicht kurzfristig. Eine ausführliche Übersicht der Maßnahmen, Investitionen etc. enthält das Faktenpapier.

Die Verordnungen bleiben in Kraft
Die ordnungsbehördliche Verordnung gilt seit dem 24. Juni 2026 unverändert in allen vier Verbandskommunen sowie in den Stadtbezirken Hahlen und Minderheide in Minden. Die Ordnungsämter kontrollieren die Einhaltung, Verstöße können mit einem Bußgeld von bis zu 1.000 € geahndet werden. Die Lage wird täglich neu bewertet, sodass die Verordnung aufgehoben werden kann, sobald die Versorgung dies verantworten lässt.

„Dass uns mehrere Partner täglich ausgeholfen haben, hat uns durch diese Hitzeperiode getragen – dafür sind wir sehr dankbar“, so Michael Kasche, Verbandsvorsteher des WBV „Am Wiehen“. Damit sich unser Gesamtsystem wirklich erholen und die Versorgung über den Sommer dauerhaft gesichert werden kann, müssen wir gemeinsam auf 16 bis 17 Mio. Liter Trinkwasser am Tag kommen. Hier setzen wir weiterhin auf die dauerhafte Unterstützung der Bevölkerung.“