Eine mehr als zehn Jahre alte Douglasie pflanzten jetzt drei Mitglieder des Vereins „Leben mit Demenz – Alzheimergesellschaft Kreis Minden-Lübbecke e.V.“ sowie drei Kollegen des Bereiches Grünflächen und Bestattungswesen der Städtischen Betriebe Minden (SBM) auf dem Nordfriedhof nahe des „Sonnenrings“. Der Verein hat den als klimarobust eingestuften Nadelbaum zum 120-jährigen Bestehen des Nordfriedhofes in diesem Jahr gespendet. Dafür wurde ein schöner und sonniger Platz gefunden. Seit der Einweihung der Skulptur „Sonnenring“ im September 2021 haben der Verein „Leben mit Demenz“ und die Städtischen Betriebe eine Kooperation.
Alle Beteiligten legten am vergangenen Dienstagvormittag (17. Oktober) - mit Schaufeln ausgestattet - Hand an, damit der neu gepflanzte Baum „wächst und gedeiht“. Im Anschluss wurde er kräftig gegossen. Für ein gutes Anwachsen wurde mit einem Glas Mineralwasser angestoßen. „Das sei unter Gärtnern eine Tradition“, berichtet Friedhofsmeister Alwin Pamin. Bei Temperaturen von nur wenig über Null Grad kamen beim Anblick des gepflanzten Nadelbaumes schon Gedanken an die bevorstehende Adventszeit auf. Man könne diesen vielleicht auch mit Lichtern schmücken, war eine Anregung.
Die Douglasie sei bewusst vom Verein ausgewählt worden, berichtet Hanne Piel, die das Sonnenring-Projekt betreut. Sie habe ein herzförmiges Wurzelwerk, sei sehr widerstandsfähig und trotze erfolgreich dem Klimawandel. „Schöne Eigenschaften, die für die weitere gute Zusammenarbeit stehen“, stellt Piel fest. Zudem werde die Douglasie der „Baum des Jahres 2024“ sein. Dieser Titel wird alljährlich von der Dr. Silvius Wodarz-Stiftung vergeben. An der Wahl wirkt ein ganzes Kuratorium mit über 30 Verbänden aus Forst, Umweltschutz oder auch Gartenbau über ihre Mitglieder mit.
Friedhofsmeister Alwin Pamin lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Verein und die Veranstaltungen, von denen beide Seiten profitierten. Der Bereich rund um den „Sonnenring“ habe eine hohe Aufenthaltsqualität und wurde – wie das „Grüne Klassenzimmer“ mit dem Insektenhotel - von den Kolleginnen und Kollegen des Bereiches Grünflächen und Bestattungswesen der SBM gestaltet. Beides in unmittelbarer Nähe zueinander angelegt, sei inzwischen zu einem vielbesuchten Ort des Friedhofes geworden - ein Platz für Entdeckungen, zum Ausruhen und Entspannen, abseits vom Lärm des Alltags.
Pamin wünschte dem frisch gepflanzten Baum, dass dieser „alle Stürme, Unwetter und Trockenheit gut übersteht und mindestens so alt wird, wie es der Nordfriedhof jetzt ist, also 120 Jahre“. Auf dem 18 Hektar großen, denkmalgeschützten Friedhofs-Areal gibt es auch ältere Douglasien, die teils gut hoch gewachsen sind, teils aber auch von Stürmen zerzaust wurden. Die Douglasie gehört zu den immergrünen Nadelbäumen. Ihre Nadeln sind dicht geschraubt und zwei bis drei Zentimeter lang. Sie duften, wenn sie zerrieben werden, fruchtig-harzig nach ätherischen Ölen, Orange und Zitrone.
Die Douglasie hat ihre Heimat in Nordamerika. „Sie war noch vor Jahren sehr negativ besetzt und galt als invasiv“, weiß Hanne Piel. Das „Blatt“ – in diesem Fall das Image des Nadelbaumes - habe sich um 180 Grad gewendet, seit es viele trockene Sommer in Europa gegeben hat. Darauf stellen sich seit einigen Jahren auch die Städtischen Betriebe Minden mit Neu- und Ersatzpflanzungen für die Grünflächen in Minden ein, berichtet der Leiter des Bereiches Grünflächen und Bestattungswesen, Denis Rinne.
Informationen zum „Sonnenring“
Der „Sonnenring“ ist eine vom Künstler Peter Paul Medzech geschaffene Sonnenuhr aus Sandstein auf dem Friedhof. An ihrer Entstehung haben auch an Demenz erkrankte Menschen, Angehörige, Begleitpersonen und Unterstützer*innen in Bildhauer-Workshops mitgewirkt. Die Idee zu dem Ring stammt von dem Mindener Juwelier-Ehepaar Döring, die aus dem Verkauf von eigens entworfenen Schmuckringen Projekte für Menschen mit Frühdemenz fördern wollten. Der „Sonnenring“ auf dem Nordfriedhof ist ein Symbol für Gemeinsamkeit und Verbundenheit.
In unmittelbarer Nähe zum „Grünen Klassenzimmer“ gelegen, finden am „Sonnenring“ regelmäßige Veranstaltungen statt: Musik, Lesungen, Kaffeetrinken. Zuletzt lud der Verein „Leben mit Demenz“ zu Akkordeonmusik bei „zauberhaften“ Riesen-Seifenblasen am „Sonnenring“ ein. Und auch zum zweijährigen Bestehen der Skulptur Ende September 2023 gab es einen gut besuchten Festakt mit „Bielefeld Pipes and Drums“.
„Das hier ist ein Platz des Todes, aber auch des Lebens. Wir waren uns einig, dass hier immer Leben sein soll und viele Menschen vorbeigehen werden. Ich wünsche mir, dass die Sonnenuhr allen Besuchern genauso ans Herz wächst wie uns“, so Hanne Piel bei der feierlichen Enthüllung am 18. September 2021.
