„Mein Job ist es die Stärken der Frauen zu erkennen und sie dann darin zu unterstützen“, verdeutlicht Integrationsassistentin Akila Cheich Houssein. Sie ist zusammen mit Dorothea Kendel das Tandem beim „Alltagskurs Deutsch für Frauen“. Einmal in der Woche treffen sich rund zehn Frauen im Quartiersbüro in Rodenbeck-Zollern. „Es geht darum die Frauen darin fit zu machen, dass sie ihren Familien-Alltag selbstständig bewältigen. Und dazu lernen wir gemeinsam die Deutsche Sprache“, so Kursleiterin Kendel. Wie melde ich mich am Telefon bei einer Arztpraxis, wie kann ich die Lehrer*innen in der Schule ansprechen und wie beschreibe ich meinen bisherigen Lebenslauf – das braucht jede und jeder im Alltag und das wird im Kurs vermittelt.
„Ein Ziel des Kurses ist die eigenständige Existenzsicherung von Frauen, denn nur so ist es möglich ein selbstbestimmtes Leben zu führen“, hebt Elke Ruhe-Hartmann als Leiterin des städtischen Quartiersmanagements heraus. Es ist ein niedrigschwelliges Angebot zur Entwicklung und Förderung des Spracherwerbs sowie der Vermittlung von Alltagswissens für Frauen, die bislang keinen Integrationskurs besuchen oder besucht haben. Im Kurs bekommen die Frauen Input durch die Partner*innen aus dem Kooperationsnetzwerk. Das ist wichtig, um die Teilnehmerinnen je nach persönlicher Situation in einen Integrationskurs, eine schulische oder berufliche Ausbildung zu vermitteln, weiß Akila Cheich Houssein.
Es gibt keinen Frontalunterricht, denn die Kurs-Teilnehmerinnen sollen ins Sprechen kommen. Das geht am einfachsten, wenn man zusammen Lieder singt, Gedichte spricht, Bilder beschreibt oder Lese-, Schreib- und Hörübungen macht. „Es geht darum, dass die Frauen mehr sehen und erleben als Haushalt und Familie. Wir wollen sie mit dem Kurs stärken und ihnen verdeutlichen, dass sie durch den Zugang zur Bildung viel mehr bewegen können, als sie denken“, unterstreicht Carolin Oelrich, Quartiersmanagerin in Rodenbeck.
„Alltagskurs Deutsch für Frauen“ ist eine Kooperation zwischen dem Quartiersmanagement Rodenbeck und dem Bildungsforum Lernwelten. Carmela Vitiello, die beim Bildungsforum den Fachbereich Familienbildung, Gesundheit und Persönlichkeit betreut, ist die Schnittstelle zwischen der Praxis und der formalen Seite. Sie übernimmt die Planung und Koordination des Angebotes.
Finanziert wird das Angebot über die MDS-Stiftung. Diese ist nach dem anonymen Gründer und seiner verstorbenen Ehefrau benannt. Der Spender hat eine große Verbundenheit mit dem Stadtbezirk Rodenbeck, er ist dort aufgewachsen. Die Stiftung hat bereits zum wiederholten Mal den Alltagskurs und weitere Projekt des Quartiersmanagements Rodenbeck finanziell mit insgesamt 16.500 Euro unterstützt. „Die gute Arbeit hier vor Ort wird von der Stiftung gefördert, weil uns die Menschen wichtig sind und weil wir wollen, dass Projekte wie dieses nicht an fehlendem Geld scheitern“, unterstreicht Jürgen Juchtmann. Er vertritt die Organisation als Stiftungsrat in Minden.
Für die Menschen, die nach Minden gekommen sind, ist es wichtig sich verständlich zu machen. Sprache ist und bleibt die Grundlage für ein gutes und erfolgreiches Ankommen in der neuen Umgebung. Drei Frauen zeigten ihre bisherigen Lernerfolge, in dem sie sich und ihre Motivation in einer kurzen Ansprache vorstellten. „Sie werden in Minden gebraucht“, fasst Bürgermeister Michael Jäcke in Richtung der Teilnehmerinnen zusammen.
