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"Baustellen sind ein ganz großes Thema"


Ein Bagger kippt Sand in ein vorbereitetes Bett, wo die neue Radspur entsteht. Am Rand liegen Leitungen offen. Pflasterer legen an anderer Stelle bereits Steine. Es geht voran an der Kreuzung Marienstraße/Saarring. Das ist auch der Eindruck, den Bürgermeister Peter Kock bei einem Ortstermin an dieser und einer weiteren Baustelle der Städtischen Betriebe Minden (SBM) mitgenommen hat. Im Anschluss besuchte er die zurzeit gesperrte Glacisbrücke, wo Unterhaltungsarbeiten laufen. 

„Ende September soll hier auf der Kreuzung der Verkehr wieder rollen“, kündigt Bauleiter Thomas Bröking, Bereich Straßen und Brücken bei den SBM, an. Derzeit liegen die Arbeiten im Plan, obwohl noch viel zu tun ist. Ein größeres Areal ist komplett mit Sperrbaken umzäunt. Aufgrund der Komplexität der Baumaßnahme muss seit dem 11. Mai im Knoten Marienstraße/Saarring unter einer Vollsperrung gearbeitet werden.

Der Verkehr wird umgeleitet und das führt in Stoßzeiten morgens und nachmittags auch zu längeren Staus in Minden. Denn diese Kreuzung in der Nordstadt ist stark frequentiert. „Baustellen sind ein ganz großes Thema. Ich werde oft darauf angesprochen“, berichtet Kock. Sie fordern Geduld von ganz vielen Verkehrsteilnehmern und Toleranz von den Anliegern. „Aber alle freuen sich, wenn am Ende alles schick ist und wir in unsere Infrastruktur investiert haben. Das nützt allen“, weiß der Bürgermeister. 

Peter Kock möchte sich bei mehreren Ortsterminen im Sommer über laufende Baumaßnamen informieren, mit Projektverantwortlichen ins Gespräch kommen und dabei auch die Herausforderungen kennenlernen, mit denen die Kollegen der SBM in Zusammenarbeit mit den ausführenden Unternehmen „tagtäglich zu kämpfen haben“. Auch will er den Bürger*innen besser erklären können, warum es manchmal Vollsperrungen geben muss und warum größere Baumaßnahmen Wochen oder gar Monate dauern. „Ich sage - bezogen auf alle Verkehrsteilnehmer*innen - auch Danke, für Ihre Geduld und für Ihr Verständnis“, betont der Bürgermeister. 

Eine Herausforderung ist bei der Kreuzung Marienstraße/Saarring auch, dass anliegende Einzelhandelsunternehmen, Geschäfte, Praxen und Büros über die Dauer der Baumaßnahme trotz Vollsperrung stets erreichbar bleiben sollen, wofür provisorische Übergänge geschaffen und kleinteilig gearbeitet werden muss, damit die Zufahrten immer frei bleiben, erläutert SBM-Leiter, Beigeordneter Peter Wansing. Eine kurzfristige Sperrung müsse es am Ende der Maßnahme aber geben, wenn hier der Fertiger für die Asphaltierung anrückt. „Das muss in einem Stück erfolgen, weil sonst Fugen entstehen, die eine Schwachstelle darstellen“, ergänzt Bröking. 

Eine weitere Herausforderung befindet sich wenig später direkt vor dem Fuß des Bürgermeisters: Der Blick fällt auf ein Bündel freigelegter Leitungen (Trinkwasser, Strom und Glasfaser), die tiefer gelegt werden müssen. Kein einfaches Unterfangen, wie Bauleiter Thomas Bröking erklärt. Und überhaupt gibt es auf fast allen Baustellen immer mehr Leitungen und Rohre als in alten Plänen eingezeichnet sind. „Wenn eine neue Trinkwasserleitung neu gelegt wird, bleiben die alten Rohre meist im Boden“, weiß Bröking. 

Ein weiteres Problem bei dieser Baustelle: Es musste mehr Material des früheren Straßenbelags und der Tragschicht entfernt werden. Frühere Unternehmen haben Höhenunterschiede ausgeglichen, indem sie einfach mehr oder weniger Asphalt aufgetragen haben. „Mal ist der Asphaltaufbau 25 cm dick und mal nur 10 cm“, so Bröking. Auch bröselt es im Fundament der Gossensteine, die eigentlich liegen bleiben sollten, nun aber neu verlegt werden müssen. Bröking stößt zum Beweis mit dem Sicherheitsschuh an einen Stein, der lose ist. 

Eigentlich – und das war Gegenstand eines Förderantrags – wird derzeit die Kreuzung Marienstraße/Saarring fahrradfreundlich ausgebaut. Aber es gab noch viel mehr zu tun. Der Ausbau ist gekoppelt mit einer Kanalsanierung, der Erneuerung einer Wasserleitung quer unter der Marienstraße hindurch, der Verlegung einer Bushaltestelle und dem Umbau des Fußgängerüberweges (Ampel) am WEZ-Markt.

Die Stadt Minden erhält für den barrierefreien Ausbau der Kreuzung eine Förderung von rund 606.000 Euro aus dem Nahmobilitätsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Fördermittel müssen bis Ende 2026 abgerufen sein, weshalb spätestens in diesem Jahr gebaut werden musste. 

Der vielbefahrene Knotenpunkt wird komplett umgestaltet. So werden unter anderem die Radwege verbreitert, rot gefärbt und zur Straße in den Übergängen abgesenkt. Auch soll der Radverkehr über eine eigene Signalanlage geführt und Induktionsschleifen in den Radwegefurten gelegt werden. „Zukünftig ist dann auch der Radverkehr vom Fußgängerbereich getrennt“, erläutert Projektleiter Bröking. 

Weiter wird der Gehweg an der Marienstraße stadteinwärts neu gebaut. Zudem werden barrierefreie Übergänge mit tastbaren Bauelementen, sogenannte „taktile Elemente“ für blinde und sehbehinderte Menschen an den Ampeln geschaffen. Die Bushaltestelle an der Marienstraße wird in Richtung Süden verlegt und barrierefrei umgestaltet. Das Projekt trägt zur weiteren Fahrradfreundlichkeit und zur Verbesserung der Nahmobilität bei. „Insgesamt sorgen wir damit auch für deutlich mehr Verkehrssicherheit“, so Beigeordneter Peter Wansing abschließend.

Baustellenbesuch auch an der Glacisbrücke

Zweite Station des Baustellen-Besuches von Bürgermeister Peter Kock im Juli war die Glacisbrücke. Diese ist seit dem 18. Mai gesperrt. Ein grüner Belag springt beim Ortstermin sofort ins Auge. „Nur eine Zwischenschicht“, erläutert Projektverantwortliche Erhan Aç (Bereich Straßen und Brücken der SBM), der die Frage nach der ungewöhnlichen Farbe erwartet hat. Inzwischen ist der Belag grau.

Kock folgt dem Fachmann Aç und SBM-Betriebsleiter Peter Wansing ein Stück tiefer ins Gras. Auf Augenhöhe sind an der Brücke deutliche Korrosionsschäden am Übergang zwischen Brückenüberbau und Brücken-Widerlager zu erkennen. Erhan Aç drückt dem Bürgermeister einen Hammer in die Hand. Der Klopftest zeigt, dass es am Gesims, im Bereich des Übergangs - unter der grauen Farbe auch hohle Stellen gibt.

„Das muss alles händisch ausgebaut und erneuert werden“, so Diplom-Ingenieur Aç mit Verweis auf die schadhaften Übergänge. Neben der zu sanierenden „XXL Dehnungsfuge“ – müssen nach der grünen Kratzspachtelung insgesamt noch drei weitere Belag-Schichten aufgetragen werden: eine Dichtungsschicht, eine Verschleißschicht und die abschließende Versiegelung in einem dunkleren, betongrauen Ton. 

Gut zu sehen sind unter dem Brückenüberbau auch die nachträglich eingebauten Schwingungsdämpfer am Brückenpylon, auf die Aç deutet. „Die Schwingungen in der Hochachse waren anfangs so stark, dass Passanten nach dem Überqueren der Brücke, über Übelkeit klagten“ - Brückengeschichte, die der Experte kennt und zum Besten gibt.

Es gibt Instandsetzungsarbeiten an der Glacisbrücke, über die sich Bürgermeister Kock informierte

Diese einmalige Fußgänger- und Radfahrer-Brücke, die von zwei Pylonen getragen und von viele Meter tief in die Erde gerammten Ankern gehalten wird, ist unterhaltungsaufwändig. Das ist der Konstruktion geschuldet. Der renommierte Architekt Jörg Schlaich (Stuttgart) entwarf die filigrane Hängebrücke, die seit 1995 den Großparkplatz Kanzlers Weide mit der Innenstadt verbindet. Nachts ist sie blau beleuchtet.

Die Brücke erhält einen komplett neuen Fahrbahnbelag, der stark unterläufig, verschlissen und nicht mehr griffig war. „Die Sicherheit vor allem von Radfahrer*innen und bei Regen war nicht mehr gegeben“, so Betriebsleiter Peter Wansing beim Ortstermin. Deshalb musste gehandelt werden. Auch diese Arbeiten können nur unter einer Vollsperrung ausgeführt werden. Das wird vor Ort deutlich. Mehrere Handwerker bearbeiten gerade die Ränder des Belags und müssen dafür das Stahlseilgeländer anheben.

Fußgänger- und Radfahrer*innen werden seit Mitte Mai über die Weserbrücke einige hundert Meter weiter umgeleitet. Die Arbeiten liegen im Zeitplan. Projektverantwortlicher Aç ist zuversichtlich, dass die Brücke spätestens zu Beginn der Herbstmesse wieder freigegeben werden kann. Diese läuft vom 7. bis 15. November 2026. Noch kalkuliert er mit einer Fertigstellung Ende Oktober. Aktuell bestehe sogar eine Chance, dass die Brücke zwischenzeitlich für einige Tage wieder freigegeben werden kann, bis der Zeitpunkt für den Einbau der Übergangskonstruktionen kommt.

Für die laufenden Arbeiten haben die SBM rund 900.000 Euro im Haushalt eingestellt. Es handelt sich um eine reine Unterhaltungsmaßnahme, die aus konsumtiven Mitteln bezahlt wird. Zuletzt gab es an der Glacisbrücke verschiedene Stahlbauarbeiten. Das Stahlseil-Geländer wurde vor einigen Jahren erhöht. Auch mussten in der Vergangenheit Pylonkopf-Verschraubungen aufwändig erneuert werden, die die Seile an den Hochpunkten halten.