Community Dance Minden hat sich seit 2008 zum festen Bestandteil der Mindener Kultur- und Tanzszene etabliert und ist für viele Schulen zu einem Herzensprojekt geworden. Nach dem mitreißenden Erlebnis der letzten großen Produktion von Community Dance Minden „Arche 2.0“ im Stadttheater Minden freuen sich die jungen Tänzer*innen erneut auf die große Bühne des Stadttheaters.
Das Projekt bringt tanzbegeisterte Schüler*innen aus unterschiedlichen Schulformen zusammen. Sie lernen neue Tanz- und Musikstile kennen, trainieren ihre Fähigkeiten und beweisen ihr tänzerisches Können. Ca. 130 Schüler*innen von neun weiterführenden Schulen werden mit der Unterstützung von professionellen Tanzdozent*innen an diesem Projekt mit dem Titel „Mensch, wir müssen reden!“ teilnehmen.
Zur Person: Miguel-Angel Zermeño ist der kreative „Kopf“ von Community Dance, welches im Jahr 2008 in Minden ins Leben gerufen wurde. Auch 2026 hat der Choreograf und Tanzpädagoge aus Bonn wieder die künstlerische Gesamtleitung für das Projekt übernommen. Unterstützt wird er alljährlich von professionellen Tanzpädagoginnen und -pädagogen, die die einzelnen Sequenzen an den Schulen mit den Jugendlichen erarbeiten und einstudieren.
Was ist deine Motivation für das diesjährige Projekt „Mensch, wir müssen reden!“?
Zermeño: Die Motivation für dieses Projekt entsteht aus der Auseinandersetzung mit der Ausbeutung von Mensch und Natur. Es geht darum, Jugendliche dafür zu sensibilisieren, welchen Einfluss jede*r Einzelne auf unsere Welt hat und was wir gemeinsam verändern können. Gleichzeitig möchten wir diese Gedanken in ein künstlerisches Statement auf der Bühne übersetzen. Das Stück ist eine Reflexion unserer Zeit: In verschiedenen Szenen – teils ernst, teils ironisch oder humorvoll – beleuchten wir Themen wie Mode und Konsum, Abfall und Verschwendung, Macht und Repression, aber auch Solidarität und Liebe.
Worum geht es in diesem Stück?
Zermeño: Das Stück greift zentrale Herausforderungen unserer Zeit auf: Umweltverschmutzung, grenzenloser Konsum und soziale Ungerechtigkeit. Es stellt die Frage, wie es der Menschheit gelingen kann, nachhaltig und verantwortungsvoll mit der Erde und ihren Bewohner*innen umzugehen. „Community Dance“ möchte aufrütteln und die destruktive Haltung des Menschen gegenüber sich selbst und der Natur sichtbar machen. Gleichzeitig wird die Vielfalt der Menschen und die Kraft des Zusammenhalts thematisiert.
Wieso ist es so wichtig, dass man in den Dialog geht?
Zermeño: Das Projekt ist inspiriert von dem Buch „Hallo Mensch, ja, wir müssen reden“. Der Ausgangspunkt war ein Fragenbogen an die Schüler*innen, mit Fragen wie:
• Welche aktuellen Themen, die unsere Welt betreffen, nimmst du besonders wahr?
• Wenn die Welt sagen könnte: „Hallo Mensch, wir müssen reden“ – worüber würde sie sprechen?
• Was würdest du persönlich für eine bessere Welt verändern?
Die Antworten wurden gemeinsam diskutiert, so entstand der Dialog. Dieser Austausch ist essenziell, um Meinungen zu entwickeln, Perspektiven zu erweitern und ein stärkeres Bewusstsein für gesellschaftliche Themen zu schaffen.
Widerspricht sich nicht der Titel mit dem Genre Tanz? Reden ohne Worte – geht das?
Zermeño: Ganz im Gegenteil: Unser Ansatz zeigt, dass Kommunikation weit über Worte hinausgeht. Wir arbeiten nicht mit abstraktem Tanz, sondern bewegen uns im Bereich des Tanztheaters. Das bedeutet: Wir erzählen eine Geschichte, durch Bewegung, Ausdruck und szenische Abläufe. Jede Sequenz hat eine klare Bedeutung und ist dramaturgisch so aufgebaut, dass eine nachvollziehbare Erzählung entsteht. Der „Dialog“ findet hier über den Körper statt.
Was ist das Besondere an dieser Produktion?
Zermeño: Diese Produktion verbindet verschiedene künstlerische Elemente auf komplexe Weise – ähnlich wie in einer Oper oder einem Musical: Tanz, Dramaturgie, Musik, Gesang sowie eigens produzierte Kurzfilme greifen ineinander und bilden ein Gesamtwerk.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf dem Thema Nachhaltigkeit. Wir verbinden die künstlerische Arbeit mit einem klaren Bildungsauftrag: Es wird überwiegend mit vorhandenen, wiederverwendbaren oder recycelten Materialien gearbeitet, aus denen Kostüme und Requisiten entstehen. Nach der Premiere werden diese entweder weiterverwendet oder in ihre recycelbaren Bestandteile zerlegt. So fördern wir nicht nur Kreativität, sondern auch ein bewusstes und verantwortungsvolles Handeln.
Ist es auch in diesem Jahr ein musikalisches Crossover oder wird es eher klassisch gehalten?
Zermeño: Aufgrund der unterschiedlichen atmosphärischen, dynamischen und emotionalen Anforderungen der einzelnen Szenen setzen wir erneut auf ein musikalisches Crossover. Die Musik wird live interpretiert, unter anderem vom Schinkel Trio und einem Streichquartett, ergänzt durch Gesang von Laura Suad sowie beteiligten Schüler*innen. Dadurch entsteht eine vielschichtige und lebendige Klangwelt, die das Stück trägt und verstärkt.
Die Fragen stellte Kim Brungs, Kulturbüro der Stadt Minden
