Kreis Minden-Lübbecke

Meilenstein für das Modellprojekt Bastauniederung


Jahrzehntelang ging es für Moore nur in eine Richtung: Urbarmachung, Trockenlegung. Torfstechen, Ackerland schaffen, so wurden Moore genutzt. Inzwischen wird immer deutlicher, welchen Wert Moore für den Umwelt-, Natur- und Klimaschutz haben. Wie also lässt sich eine solche Landschaft zukunftsweisend entwickeln? Mit einer Kooperationsvereinbarung haben jetzt NRW-Umweltminister Oliver Krischer, das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, die NRW-Stiftung, die Landwirtschaftskammer NRW, der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband, die Bezirksregierung Detmold, der Wasserverband Weserniederung, die Biologische Station Minden-Lübbecke, die Städte Minden und Lübbecke, die Gemeinde Hille und der Kreis Minden-Lübbecke vereinbart, für die Wiedervernässung der Bastauwiesen zusammenzuarbeiten. 

Den Flächen der Bastauwiesen kommt eine ganz besondere Bedeutung zu: Eine so große, zusammenhängende Niederung auf Niedermoor ist in Nordrhein-Westfalen einzigartig und bietet die Chance, gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren eine großräumige Wiedervernässung zu realisieren. Eine Wiedervernässung führt zum einen zum Erhalt des noch bestehenden Torfkörpers, was einen sehr wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, zu Wasserrückhaltung und Grundwasserneubildung sowie zu einer nachhaltigen Landbewirtschaftung leistet. Zum anderen erzeugt sie vielfältige Synergien zum Biotop-, Biodiversitäts- und Artenschutz, zur Klimaanpassung, schafft neue Perspektiven für die Naherholung sowie für den regionalen Tourismus und ermöglicht es, an der Entwicklung neuer Produkte und dem Aufbau von Wertschöpfungsketten aus nasser Bewirtschaftung zu partizipieren. 

Vorangegangen war ein Moderationsprozess mit Vertreterinnen und Vertretern der relevanten gesellschaftlichen Gruppen, besonders des Naturschutzes und der Landwirtschaft. Augenhöhe, ein fairer Umgang mit allen Beteiligten, Offenheit und Transparenz waren seinerzeit die Grundlage, auf der die Beteiligten auch anfangs gegensätzliche Interessen miteinander ausgehandelt haben. Sie haben ein Leitbild erarbeitet, das den breiten regionalen Konsens für eine klimaangepasste und wirtschaftlich tragfähige Entwicklung darstellt. Diese jetzt unterschriebene Vereinbarung zeigt den Willen aller Unterzeichnenden, die komplexen Herausforderungen einer großräumigen Wiedervernässsung anzugehen, langfristig zu verfolgen und umzusetzen und damit ein herausragendes Beispiel für den Moorerhalt in Nordrhein-Westfalen zu schaffen. 

Zitate:
„Naturschutz gelingt nur gemeinsam. In der Bastauniederung schlagen wir heute ein neues Kapitel auf: Wir sorgen dafür, dass Natur und Klima besser geschützt werden, indem wir trockengelegte Moore wieder vernässen. Gleichzeitig geben wir unseren Landwirtinnen und Landwirten Planungssicherheit für die Zukunft“, sagt NRW-Umweltminister Oliver Krischer. 

„Die Bastauwiesen sind ein wegweisendes Projekt für Nordrhein-Westfalen. Es hat Vorbildcharakter in seinem partnerschaftlichen Vorgehen mit der Landwirtschaft. Die großflächige Wiedervernässung ist eine enorme Herausforderung – finanziell, technisch und auch in den Köpfen der Menschen, die hier leben und wirtschaften. Deshalb ist es so wichtig, alle Beteiligten mitzunehmen. Das ist hier gelungen.“, sagt Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz. 

„Die Förderung des Klimaschutzes ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Bei der geplanten Wiedervernässung der Bastauniederung ist es deshalb entscheidend, ökologische Ziele mit den berechtigten Interessen der Menschen vor Ort und der Landwirtschaft in Einklang zu bringen. Der Moderationsprozess der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass hierfür ein breites Bündnis der beteiligten Akteure und ein gemeinsamer Schulterschluss vorhanden sind. Umso mehr freut es uns, dass das Land NRW nun die Initiative ergriffen hat, um tragfähige Perspektiven für die Region und die wirtschaftenden Landwirte zu entwickeln.“, sagt der Präsident der Landwirtschaftskammer NRW, Karl Werring. 

„Die Wiedervernässung der Bastauwiesen ist ein bedeutender Schritt für den Natur- und Klimaschutz in unserer Region – und sie zeigt, was möglich ist, wenn Landwirtschaft, Politik und Naturschutz an einem Strang ziehen. Mit der heutigen Vereinbarung schaffen wir die Grundlage für eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die ökologische Ziele ebenso ernst nimmt, wie die Belange der landwirtschaftlichen Betriebe.“, sagt der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands e.V., Hubertus Beringmeier. 

„Die NRW-Stiftung erwirbt seit vier Jahrzehnten immer wieder Flächen in der Bastauniederung und hat bereits rund 250 Hektar in ihrem Eigentum. Durch den Erwerb weiterer Flächen soll eine auf die Ziele des Naturschutzes ausgerichtete Bewirtschaftung und Pflege dauerhaft sichergestellt werden. Das ist die Voraussetzung für den Erhalt und die Optimierung des bestehenden Moorlebensraumes“, sagt Dr. Ute Röder, Vorstandsmitglied der NRW-Stiftung. 

„Dank des Willens aller Beteiligten haben wir hier aus unterschiedlichen Standpunkten eine Chance für neue Lösungen gemacht – damit können wir gerne Vorbild sein für andere Regionen in Deutschland, das würde mich freuen“, sagt Landrat Ali Doğan. 

"Die Biologische Station Minden-Lübbecke betreut das Naturschutzgebiet Bastauwiesen seit Jahrzehnten. In diesem Zuge wurden in drei Kernbereichen auf insgesamt 250 ha auch Maßnahmen zur Anhebung des Grundwasserstandes umgesetzt. Dabei hat sich gezeigt, dass eine großräumigere Betrachtung der Moorniederung notwendig ist, um die noch vorhandenen Moorböden für den Klimaschutz aber auch als Lebensraum bedrohter Tier- und Pflanzenarten, zu erhalten. Vor diesem Hintergrund freuen wir uns sehr, dass nun die gesamten Bastauwiesen für eine Moorrenaturierung in den Blick genommen werden sollen!", sagt Dirk Esplör, Leiter der Biologischen Station Minden-Lübbecke e.V. 

"Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten macht die Vereinbarung zur Wiedervernässung der Bastauniederung zu einem starken Beispiel für den Natürlichen Klimaschutz in Nordrhein-Westfalen", sagt Carla Welpelo, Moorexpertin vom ANK-Regionalbüro NRW.