„Eine starke Stadt braucht eine starke Wirtschaft. Und eine starke Wirtschaft braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, investieren, Menschen bilden und ausbilden, Ideen entwickeln und auch in schwierigen Zeiten nach vorne denken.“ Mit diesen Worten begrüßte Bürgermeister Peter Kock die 75 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 25. Unternehmer*innen-Frühstück im Restaurant „Scarabeo in der vergangenen Woche. Eingeladen hatten dazu die Stadt Minden und die MEW (Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH).
Er freue sich, erstmals Gastgeber dieser Veranstaltung zu sein, so Kock. Teilnehmer war er schon mehrfach – nun ein Perspektivwechsel. Am Beispiel des um 1900 geplanten Hafens und des Mittellandkanals, der ursprünglich südlich um Minden herumgeführt werden sollte , machte Kock deutlich, dass schon immer Menschen Entscheidungen getroffen haben, die das Leben in einer Stadt nachhaltig beeinflusst und entwickelt haben. Letztendlich kam es, was den Hafen anging, anders, weil Pläne von übergeordneten Regierungsebenen „auf einen Nenner“ gebracht werden mussten. Aber: „Dieses Beispiel zeigt, dass unsere Entscheidungen, die wir heute treffen, Wirkung in die Zukunft zeigen können“, so Kock.
Der Bürgermeister nutzte die Jubiläums-Veranstaltung auch für ein persönliches Statement: „Minden muss eine starke Stimme in der Region und in den überregionalen Zentren haben. Und weiter: „Wir müssen mitreden und nicht über uns reden lassen.“ Er wisse, dass in den kommenden Jahren wichtige Entscheidungen getroffen werden müssten. Trotz schwieriger Haushaltslage der Stadt sei es für ihn wichtig, dass geplante Projekte, wie die Umgestaltung der Weserpromenade, die Neugestaltung des Glacis und die Renaturierung der Bastau, umgesetzt werden, weil davon auch kommende Generationen profitierten.
Mit Bezug auf die aktuelle wirtschaftliche Situation weltweit machte der Bürgermeister deutlich, dass Minden als guter Standort für Entwicklung und Expansion gelte. „In Minden gibt es die Arbeitskräfte, die Unternehmen brauchen.“ Die Minder*innen hätten ein sehr gutes Bildungs- und Qualifikationsniveau. Standortfaktoren wie die Entwicklung von Gewerbeflächen, die Attraktivität der Innenstadt, der Erhalt von Infrastruktur und Investitionen haben für ihn „höchste Priorität“, machte Kock in Bezug auf die heimische Wirtschaft deutlich.
Bei der Jubiläums-Netzwerkveranstaltung am 28. Mai tauschten sich erneut Unternehmer*innen der unterschiedlichsten Branchen, Vertreter*innen von Verbänden und aus der Politik sowie Leitungen der weiterführenden Schulen aus. Wie bei allen vorherigen Treffen gab es auch dieses Mal wieder einen Impuls-Vortrag. Shiar Hido, Geschäftsführer der Human Robot GmbH (Minden), brachte „Olli“ mit, einen humanoiden Roboter. Hido stellte die neuesten Entwicklungen „made in Minden“ vor und sprach zum Thema „Vom starren Code zur trainierten Intelligenz“.
Roboter lassen sich längst nicht mehr nur programmieren. Dank künstlicher Intelligenz (KI) können sie mittlerweile auch trainiert und später in Arbeitsprozesse implementiert werden. Diese Entwicklung will sich das Mindener Startup-Unternehmen zunutze machen. Die vor allem in China und in den USA produzierten humanoiden Robotern (Hardware) können mithilfe von KI für ihren künftigen Einsatz – zum Beispiel in Unternehmen – wie ein Mitarbeitender angelernt werden. „Die Zeit ist reif für humanoide Roboter. Und sie werden die Welt in den nächsten Jahren gravierend verändern“, ist Shiar Hido überzeugt.
Diese Chance will der innovative Geschäftsführer mit seinem Team ergreifen und individuelle Lösungen für seine künftigen Kunden erarbeiten. „Der Roboter muss für seinen Einsatz trainiert werden und sollte auch seine Arbeitsumgebung vorher ,kennenlernen‘“, so Hido. Sein Unternehmen, das bereits seit einigen Jahren erfolgreich mit Laser-Scanning arbeitet, hat 2024 begonnen, vorhandenes Know-how mit Robotik zu verknüpfen.
Erste Tests habe „Olli“ bereits als Mixer von individuell zusammen zu stellenden Smoothies absolviert. Bald soll er in den Arbeitsprozess integriert werden. Er und seine „Kollegen“ seien quasi „digitale Zwillinge“ eines menschlichen Mitarbeiters und sollen künftig dessen Aufgaben übernehmen. Die Roboter werden - je nach Verwendung - mit Sensoren ausgestattet, die ihnen die notwendigen Informationen liefern, um die Welt um sich herum zu verstehen und darauf zu reagieren.
„Viele Millionen Mitarbeitende der Baby-Boomer-Generation gehen in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand. Das reißt große Lücken in den Arbeitsmarkt“, so Hido. Und er weiß, dass die Generation Z keine eintönigen Arbeiten mehr verrichten, sondern gerne kreativ sein möchte. Deshalb sehe er große Chancen für den Einsatz humanoider Roboter. Solche anzulernen, sei eine schöpferische Arbeit.
Sein junges Startup entwickelt eine Software-Plattform für Roboter und das Team will weiter hinaus und künftig eine Komplettlösung - von der Hardware über die Software bis hin zum Wissenstransfer entwickeln -, um die Nutzerin/den Nutzer in die Lage zu versetzen, seinen Roboter selbst zu trainieren, erläutert Hido. Diese Daten sollen in Deutschland bleiben. Das Unternehmen hat auch schon mit Mindener Schulen kooperiert.
