Vor elf Jahren wurde das Zukunftsnetz Mobilität (ZNM) in Nordrhein-Westfalen gegründet, seit dem Sommer 2016 ist die Stadt Minden hier Mitglied. „Wir haben von dem Netzwerk wirklich profitiert und wertvolle Unterstützung bei der Planung von nachhaltigen Verkehrskonzepten, Mobilstationen oder der Rad- und Fußverkehrsplanung erhalten“, lobte der Beigeordnete für Städtebau und Feuerschutz, Lars Bursian, bei einem Besuch von ZNM-Kommunalberater Heiko Appelbaum Anfang dieser Woche in Minden. Das landesweite Netzwerk setzt sich für eine klimafreundliche, sichere und bezahlbare Mobilität ein.
Drei regionale Koordinierungsstellen betreuen die Mitglieder vor Ort. Sie sind jeweils bei den Verkehrsverbünden oder Zweckverbänden der Region angesiedelt, um das regionale Wissen und bestehende Netzwerke optimal zu nutzen. Im Bereich Westfalen-Lippe ist das der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). In den vergangenen zehn Jahren hat sich eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten entwickelt. Die Kommunalberatung gehört zu den wesentlichen Elementen des ZNM. Heiko Appelbaum ist für die Stadt Minden zuständig und hat sich jetzt vor Ort über aktuelle Entwicklungen im Bereich Mobilität informiert. Empfangen wurde er im Rathaus vom Beigeordneten Lars Bursian, von Gunnar Kelb, Bereichsleiter Verkehr bei der Stadt Minden, und dem Radverkehrsbeauftragen Jonas Göber.
Beim Besuch von Heiko Appelbaum ging es zunächst um das Top-Thema E-Scooter-Verleih und E-Scooter-Nutzung in Minden. Was viele Menschen nicht wissen: Der Tretroller ist ein Elektro-Kleinstfahrzeug und darf aktuell in Fußgängerzonen gar nicht fahren. Nicht nur solche Verstöße, sondern auch das Fahren zu zweit, mit getunten Scootern, viel zu schnell, auf der falschen Radwegseite und mit Alkohol im Blut registriert die Polizei im Kreis Minden-Lübbecke nahezu täglich. Auch viele Unfälle gehen auf das Konto von meist jungen Scooter-Fahrer*innen. Das wusste Gunnar Kelb zu berichten und auch, dass die Probleme mit geliehenen Scootern in Minden seit der Einführung weniger geworden sind.
Diese werden nach wie vor an den Rändern der „Verleihzone“ vermehrt abgestellt, sind aber mittlerweile weniger in Gärten, mitten auf Rad- und Fußwegen oder in gesperrten Gebieten zu finden. „Die Aufregung darüber hat sich weitgehend gelegt“, so Kelb. Er begründet das auch mit der Tatsache, dass die Regeln bekannt und mehr private Scooter unterwegs sind, die mittlerweile nur noch zwischen 300 und 600 Euro kosten. Jonas Göber ergänzt: „E-Scooter sind keine moderne Begleiterscheinung mehr, sondern sie sind Teil der allgemeinen modernen Mobilität geworden - als Ergänzung zum klassischen Fahrrad.“
Deshalb wurde bereits im Dezember 2025 eine Novelle der bundesweit gültigen „Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge“ auf den Weg gebracht, welche im kommenden März vollständig in Kraft treten wird. Inhalte der Novelle sind unter anderem eine Gleichstellung von Scootern mit Fahrrädern (inkl. E-Bikes und Pedelecs) sowie eine Erhöhung der Bußgelder für rechtswidriges Verhalten. Im Zukunftsnetz Mobilität wird die starke Zunahme privater E-Tretroller im Stadtbild diskutiert. „Wir erhoffen uns Erfahrungen, wie andere Städte mit dem Thema umgehen. Dabei spielen Aspekte wie Verkehrssicherheit und Diebstahlschutz im öffentlichen Raum eine große Rolle“, so Radverkehrsbeauftragter Jonas Göber.
„Minden gehört in unserem landesweiten Netzwerk zu den aktiven Städten und es freut mich, dass von hier aus zahlreiche Impulse aus dem Bereich nachhaltige Mobilität ausgehen“, sagt Heiko Appelbaum. Als Beispiel nannte er die Wirkung des Verkehrsversuches „Stadt-Terrassen“: Im Sommer 2024 hat das ZNM transportable Stadtmöbel an die Stadt Minden ausgeliehen. Diese wurden temporär im Bereich der Hufschmiede platziert, um dort die Aufenthaltsqualität für Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen. „Der Verkehrsversuch war erfolgreich“, so Gunnar Kelb.
Mittlerweile wurden Pkw-Parkplätze verlegt und Sondernutzungserlaubnisse für die Außengastronomie erteilt. Davon überzeugte sich Heiko Appelbaum am vergangenen Montag (17. August) vor Ort. Neben der Hufschmiede, wo in Kürze noch Fahrradabstellplätze eingerichtet werden, war ein weiteres Ziel der Visite der jüngste Verkehrsversuch auf der Straße Marienglacis. Hier will die Stadt herausfinden, wie sich der Verkehr rund um das Herder-Gymnasium sicherer gestalten lässt. „Mobilität im schulischen Kontext ist im ZNM ein wichtiges Thema und ich freue mich darauf, später im Sinne des Netzwerkgedankens an den in Minden gewonnenen Erkenntnissen teilhaben zu können“, sagt Heiko Appelbaum.
Auch nach zehn Jahren Mitgliedschaft ist der lebendige Austausch von großer Bedeutung. Gunnar Kelb freut sich über das vertrauensvolle, gewachsene Miteinander: „Es ist schön zu hören, dass hin und wieder an der Weser auf den Weg gebrachte Ideen für Weichenstellungen in Städten an Rhein und Ruhr sorgen.“ Heiko Appelbaum setzt sich weiter für die Vernetzung ein. Diese sei schließlich ein wesentlicher Aspekt des durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein‑Westfalen geförderten Netzwerkes.
