Das Objekt im Fokus in den Monaten Juli und August 2026 ist ein Schild mit der Aufschrift „Strassenbahn - Minden G. m. b. H.“. Es stammt aus der Zeit um 1914. Das Objekt wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt in die Sammlung des Mindener Museums gegeben.
Das rechteckige Schild besteht aus schwarzem, poliertem Marmor. Der Naturstein setzt sich aus den Mineralien Calcit und Dolomit sowie Kalkstein zusammen. Rückstände von Erdöl (Bitumen), Graphit oder Mangan verleihen dem Stein seine schwarze Farbe.
Der Schriftzug „Strassenbahn - Minden G. m. b. H.“ wurde vermutlich von Hand, mit Hammer und Meißel, in den Stein eingehauen. Daraufhin wurde wahrscheinlich ein Lack in den Vertiefungen aufgetragen und anschließend mit Blattgold belegt. Die Großbuchstaben „S“ und „M“ sind mit feinen geometrischen Linien verziert. An den Ecken des Schildes befinden sich Löcher, die vermutlich zur Befestigung an einer Wand dienten.
Material und Gestaltung weisen darauf hin, dass das Schild im Jugendstil (1890-1914) angefertigt wurde. Die Kunstepoche verwendete, neben der stark durch die Natur inspirierten, fließenden Linie auch geometrische Formen. Die qualitativ hochwertige Ausgestaltung lässt vermuten, dass das Schild für einen repräsentativen Ort angefertigt wurde. Möglicherweise war dies der Eingang des Verwaltungsgebäudes der Mindener Straßenbahn. Das Gebäude befand sich zusammen mit dem Betriebshof an der Portastraße 21 in Minden.
Eine Dampfstraßenbahn fuhr bereits 1893 zwischen der Mindener Innenstadt und dem Hotel Kaiserhof in Porta Westfalica. Diese war vor allem für Ausflüge zum 1896 eingeweihten Kaiser-Wilhelm-Denkmal gedacht. 1914 wurde die „Straßenbahn Minden GmbH“ von der Stadt Minden, der Provinz Westfalen und dem Elektrizitätswerk Minden-Ravensberg (1909-2003) gegründet. Das Elektrizitätswerk war für den Betrieb zuständig und übernahm 1928 die Anteile der anderen Gesellschafter. Das Werk beschäftigte etwa 50 Mitarbeiter*innen.
Mit der Fertigstellung einer neuen Weserbrücke im Jahr 1915 konnte eine elektrische Straßenbahn vom Markt zum Bahnhof gebaut werden. Die 1920 eröffnete Strecke führte über die ehemalige Hohnstraße (heute Scharn) und die Bäckerstraße. Im selben Jahr wurde auch die Strecke nach Porta elektrifiziert. Das Streckennetz wurde im Laufe der Jahre weiter ausgebaut und nahm Einfluss auf den Siedlungsbau. Zusammen mit der Linie zum Nordfriedhof entstanden viele Gebäude an der Marienstraße.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile der Gleise zerstört. Die Straßenbahn diente beim Wiederaufbau der Stadt als „Trümmer-Express“ zum Abtransport von Schutt. In den 1950er Jahren sanken die Fahrgastzahlen und die Bahn wurde zunehmend als Hindernis für Autos angesehen. Die Linien wurden nach und nach eingestellt. Am 29. Dezember 1959 fuhr die letzte Straßenbahn durch Minden. Die Gleise wurden 1960 abgebaut und der Betriebshof an der Portastraße 1977 abgerissen. Lediglich die Wartehalle blieb übrig. Fast alle Fahrzeuge wurden verschrottet.
Heute sind kaum noch Spuren der Mindener Straßenbahn zu finden. Ein übriggebliebener Beiwagen ist im Kleinbahnmuseum Enger zu sehen.
