Das Mindener Museum besitzt drei Fragmente eines seltenen mittelalterlichen jüdischen Grabsteins aus dem 14. Jahrhundert. Bei dem Grabstein handelt es sich um eines der ältesten bekannten Exemplare Westfalens. Der Stein ist noch bis zum 30. August im Museumsquartier Osnabrück in der Sonderausstellung „Van den Yoden. Judentum im spätmittelalterlichen Osnabrück (1260-1430)“ zu sehen. Kostbare mittelalterliche Originale erinnern dort an die jüdische Gemeinde Osnabrücks, die zwischen 1309 und 1426 bestand. Anfang September kehren die Fragmente wieder in die neue stadtgeschichtliche Dauerausstellung des Mindener Museums zurück.
In Minden ist ein jüdischer Friedhof nach 1329 nachweisbar. Er gehört damit neben Münster (1301) und Dortmund (1336) zu den ältesten jüdischen Begräbnisstätten Westfalens. Er lag wie in Osnabrück vor der Stadt. Der Stein wurde 1345/49 für Nanda (Nenneke) aus Hameln auf dem jüdischen Friedhof in Minden errichtet. Da es in Hameln keine jüdische Grabstätte gab, wurde Nanda in Minden beigesetzt. Denkbar ist auch, dass sie nach Minden heiratete und dort verstarb. Der Stein dürfte nach den Pestpogromen 1350 geschändet und zerstört worden sein. Vielleicht wurde er aber auch erst im Zuge der endgültigen Auflassung des jüdischen Friedhofs im 16. Jahrhundert als Baumaterial zweitverwendet. Wie er in die Sammlung des Mindener Museums gelangte, ist nicht überliefert.
