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Pfad der Geschichte

Pfad der Geschichte

Die Bäckerstraße - Auf den Spuren der Vergangenheit

Wer heute durch die Bäckerstraße geht, begegnet nicht nur Geschäften, Cafés und historischen Gebäuden sondern auch zahlreichen Spuren der Vergangenheit. Hinter den Fassaden verbergen sich Geschichten, die teilweise viele Jahrhunderte zurückreichen und von unterschiedlichen Nutzungen, Umbauten und Menschen erzählen.

Blick von Osten auf die Bäckerstraße 34 bis 6 aus dem Jahr 1891
© Mindener Museum

Der „Pfad der Geschichte“ lädt dazu ein, die Bäckerstraße mit einem anderen Blick zu entdecken. Die historischen Gebäude zeigen, wie sich die Straße und ihre Häuser im Laufe der Jahrhunderte verändert haben. Mittelalterliche Dielenhäuser, Umbauten vergangener Jahrhunderte und historische Fassaden zeugen von einer wechselvollen Baugeschichte.

Gleichzeitig erzählen die Häuser von den Menschen und Geschäften, die hier einst ansässig waren. Kaufleute, Handwerker, Gastwirte und Händler prägten das Leben in der Bäckerstraße, während manche Geschäfte über viele Jahrzehnte bestanden und andere im Laufe der Zeit mehrfach ihre Nutzung wechselten.

Blick vom Wesertor auf die Bäckerstraße aus dem Jahr 1894 oder davor
© Mindener Museum

Auch schwierige Kapitel der Geschichte werden sichtbar. Die Geschichte einzelner Häuser erinnert an die Verfolgung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger während des Nationalsozialismus und an die sogenannte „Arisierung“ jüdischer Geschäfte.

Begeben Sie sich auf Spurensuche und entdecken Sie die Geschichte hinter den Fassaden der Bäckerstraße. Jedes Haus erzählt dabei seine eigene Geschichte  von mittelalterlichen Ursprüngen über Veränderungen und historische Ereignisse bis hin zu seiner heutigen Nutzung.

  • Bäckerstraße 3

    Das Haus Bäckerstraße 3 ist zum Großteil ein Neubau, der um 1810 entstand, wobei im rückwärtigen Bereich Teile eines Vorgängerbaus aus dem 15. oder frühen 16. Jahrhundert wiederverwendet wurden. Darauf weisen auch die für spätmittelalterliche Dielenhäuser charakteristischen Deckenhöhen hin, die im Erdgeschoss 4,50 Meter und im Obergeschoss etwa 2,80 Meter betragen.

    Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurde das Gebäude mehrfach umgebaut. So entstand 1925 im Erdgeschoss ein Ladengeschäft, das die gesamte Fläche einnahm, bevor 1939 ein größerer Umbau erfolgte, bei dem Durchbrüche zum benachbarten Haus Bäckerstraße 1 geschaffen wurden, sodass beide Gebäude zu einem zusammenhängenden Wohn- und Geschäftshaus verbunden werden konnten.

    Auch die Nutzung des Hauses hat sich im Laufe der Zeit mehrfach verändert. Ab 1804 lag auf dem Gebäude ein Braurecht für Bier, bevor es in den folgenden Jahren als Gastwirtschaft genutzt wurde, unter anderem von Gabriel Francke (*1758) und Christian Francke (*1794). Nachdem der Kaufmann und Kommerzienrat Friedrich Clemen das Gebäude 1846 erworben hatte, befand sich dort ab 1878 ein Geschäft der Kaufleute Ohrmann und Kelb, die mit Farbwaren und Lackfirnis handelten. 1895 wurde das Geschäft von den Kaufleuten Julius Wolters und Georg Buitkamp übernommen und unter dem Namen „Wolters & Buitkamp, Farbwaren en gros“ weitergeführt; ab 1906 firmierte es schließlich als „Julius Wolters, Lack, Firnis und Farben“.

    Von 1919 bis 1938 betrieb der Kaufmann Adolf Levy (1870–1945) in dem Haus ein Schuhgeschäft. Im Zuge der sogenannten „Arisierung“ musste die Familie ihr Geschäft jedoch unter massivem Druck verkaufen. Das Haus ging am 21. September 1938 an den Konkurrenten Werner Tewes (1878–1962) über, der bereits seit 1903 im benachbarten Haus Bäckerstraße 1 ein Schuhgeschäft betrieb.

    Der Verkauf von Haus, Inventar und Ladenbestand erfolgte dabei unter staatlicher Überwachung. Die Verkaufserlöse wurden auf Sperrkonten eingezahlt, während verschiedene Abgaben, darunter die „Judenvermögensabgabe“, eine „Umzugsabgabe“ und „Reichsfluchtsteuern“, entrichtet werden mussten. Während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde das Geschäft schließlich verwüstet, wobei Schaufensterscheiben und Waren zerstört wurden, sodass es anschließend geschlossen blieb.

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 1 aus dem Jahr 1993
    © Mindener Museum

    Wie alle anderen Juden in Deutschland musste auch Adolf Levy nach dem Pogrom anteilig die sogenannte „Judenbuße“ von einer Milliarde Reichsmark entrichten. Sein Sohn Herbert Levy (1907–1978) wurde daraufhin deportiert, während Adolf und seine Frau durch Visa noch rechtzeitig in die USA emigrieren konnten. Herbert Levy kam später frei und verließ Deutschland schließlich 1941, nachdem er zuvor als Maurergehilfe bei den Firmen Karl Rueter, Christian Rathert und Karl Sierig Zwangsarbeit leisten musste. Adolf Levy starb 1945 in Manhattan; sein Sohn Herbert betrieb später gemeinsam mit seiner Frau Ilse in den USA wieder ein eigenes Schuhgeschäft und starb 1978.

    Erst nach 1953 wurden die Häuser Bäckerstraße 1 und 3 nach entsprechenden Umbauarbeiten gemeinsam für das Schuhhaus Tewes genutzt, das dort bis 2012 ansässig war. 2013 folgte eine Filiale von S. Oliver, bevor 2023 das Reformhaus Ebken in das Gebäude einzog, in dem heute unter anderem Lebensmittel, Naturkosmetik, Naturarzneimittel, pflanzenbasierte Nahrungsergänzungsmittel sowie Trockenfrüchte und Säfte angeboten werden.

  • Bäckerstraße 9

    Während der große Giebel aus Backstein erst 1894 errichtet wurde, reicht der Kern des Hauses Bäckerstraße 9 bis ins Mittelalter zurück. Bereits 1373 wurde an dieser Stelle, nachdem der Vorgängerbau vermutlich beim überlieferten Stadtbrand von 1372 zerstört worden war, ein Dielenhaus errichtet. 1452 wurde das Gebäude durch ein Speichergeschoss nach oben erweitert, wobei sich bis heute zwei Beischlagwangen aus dem Jahr 1530 erhalten haben, die heute in der Diele 23 des Mindener Museums zu sehen sind.

    Auch in späteren Jahrhunderten wurde das Gebäude mehrfach verändert. 1903 erfolgte der Anschluss an die Kanalisation, während 1951 die Front im Erdgeschoss umgestaltet wurde. Bei einem Durchbau des Erdgeschosses im Jahr 1991 wurden schließlich sämtliche Innenwände entfernt und der westliche Keller erneuert.

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 9 aus dem Jahr 1993
    © Mindener Museum

    Von 1873 bis 1878 gehörte das Haus dem Kaufmann Theodor Kiel (1816–1888), der aus der Seifensiederfamilie Kiel aus der Obermarktstraße 36 stammte. 1931 befand sich hier das Geschäft des Schuhmachermeisters Heinrich Spanier, bevor ab 1950 der Schuhhändler Fritz Spanier, vermutlich sein Sohn, das Geschäft weiterführte.

    Ab etwa 1960 bis 1996 war in dem Gebäude das Modehaus Modessa ansässig, das Kinder- und Damenbekleidung anbot. Danach wurde das Haus bis 2018 von einer Filiale der Santander Bank genutzt. Seit 2023 befindet sich hier Rituals, wo unter anderem Produkte zur Gesichts-, Haar- und Körperpflege angeboten werden. Das Sortiment, das größtenteils aus Hygieneartikeln besteht, umfasst darüber hinaus verschiedene Tees, Parfüms, Schmuck und Kerzen.

  • Bäckerstraße 12

    Das Gebäude Bäckerstraße 12 besteht aus zwei Teilen, von denen der linke um 1820 und der rechte 1877 errichtet wurde. Im Zuge des Neubaus des rechten Gebäudeteils wurden beide Bereiche miteinander verbunden und die gesamte Fassade neu gestaltet.

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 12 aus dem Jahr 1993
    © Mindener Museum

    Da das Erdgeschoss im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut wurde, hat es sein ursprüngliches Erscheinungsbild weitgehend verändert. 1910 wurde auf der westlichen Seite ein Schaufenster eingebaut, bevor 1911 das Schlachtergeschäft erweitert wurde, nachdem der Schwiegersohn des Fleischermeisters Vogeler den Betrieb übernommen hatte. 1935 folgte ein weiteres Schaufenster auf der östlichen Seite, während die Fleischerei 1937 erneut ausgebaut wurde, nachdem Friedrich Kohlbrandt das Gebäude erworben hatte. Nachdem 1952 eine Gebäudedurchfahrt für die Ladennutzung zugebaut worden war, entfernte man 1986 außerdem zwei Treppenhäuser im Erdgeschoss. 1994 wurden die Verkaufsflächen schließlich erneut erweitert und im rechten Gebäudeteil eine neue Treppe eingebaut.

    Alte Zeitungsanzeige von Kohlbrandt Bäckerstraße 12
    © Mindener Museum

    Die Geschichte des Hauses ist eng mit der Fleischerei verbunden, die ursprünglich von dem Schlachtermeister Carl Vogeler betrieben wurde. Da bereits der Vorgängerbau als Fleischerei genutzt worden war, setzte sich diese Nutzung zunächst fort, bevor ab 1892 zusätzlich eine Wurstwarenfabrik betrieben wurde. 1911 übernahm der Kaufmann Karl Spandau, der Schwiegersohn Vogelers, den Betrieb. Nachdem der Fleischermeister Friedrich Kohlbrandt das Gebäude 1936 erworben hatte, blieb die Fleischerei bis 1986 und damit über drei Generationen in dem Haus ansässig. Anschließend verlegte der Enkel Kohlbrandts den Betrieb an die Adresse Am Rathaus 20.

    Nach Aufgabe der Fleischerei zog zunächst eine Filiale der Oldenburger Modekette „Buddelei“ ein, die ab 2009 unter dem Namen „Gina Laura“ geführt wurde. Heute befindet sich hier Hunkemöller, ein Geschäft für Damenunterwäsche und Dessous.

  • Bäckerstraße 18

    Altes Bild der Auslage in der Bäckerstraße 18
    © Mindener Museum

    Das heutige Haus Bäckerstraße 18 wurde 1868 für den Mindener Kürschner Heinrich Büchner errichtet, nachdem der dortige Vorgängerbau abgebrochen worden war. 1907 entstand das Hinterhaus, wobei gleichzeitig auch das Erdgeschoss des Haupthauses umgestaltet wurde.

    1928 verlegte der Konditor August Strätger sein Geschäft aus dem Haus Bäckerstraße 48 hierher. Nachdem sich damit auch ein Café im Gebäude befand, wurden Laden und Café 1948 bei einem größeren Umbau verändert.

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 18 nach dem Jahr 1974
    © Mindener Museum

    Beim Bau des Hauses Bäckerstraße 20 wurde das Gebäude 1968 stark beschädigt, sodass 1974 zunächst die Fassade erneuert werden musste. 1980 folgte ein größerer Umbau des Obergeschosses, bevor 1992 das Erdgeschoss durch die Einbeziehung eines Hinterraums erneut erweitert wurde.

    Seit 1974 befindet sich in dem Gebäude Tchibo. Dort werden bis heute unter anderem Kaffee, Kaffeemaschinen und Kleidung angeboten, während ein angeschlossenes Café die Nutzung des Hauses ergänzt.

  • Bäckerstraße 22

    Das Haus Bäckerstraße 22 wurde 1896 errichtet, nachdem der Vorgängerbau aus dem Jahr 1764 ein Jahr zuvor durch einen Brand zerstört worden war. In den Jahren 1904 und 1914 wurde das Gebäude umgebaut, während 1906 der Anschluss an die Kanalisation erfolgte.

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 22 aus dem Jahr 1993
    © Mindener Museum

    1983 wurde das Haus in die Denkmalliste der Stadt Minden eingetragen. Das Ladengeschäft wurde anschließend unter weitgehendem Erhalt der vorhandenen Architektur umgebaut.

    Bereits im Vorgängerbau war von 1865 bis 1878 der Kaufmann Becker ansässig, der im Haus Bäckerstraße 65 die Seifenfabrik Becker & Heinsse betrieb. Im heutigen Gebäude wurde das Haus von 1893 bis 1908 vom Kaufmann Wilhelm Siekmeyer genutzt.

    Spätestens 1993 befand sich hier das Modegeschäft „Edwin Store“. Nach erneuten Renovierungsmaßnahmen zog 2008 die Bäckerei und das Café Schäfers ein, bevor die Filiale 2021 an die „Bäckerei Schmidt“ überging.

  • Bäckerstraße 31/33

    Das Haus Bäckerstraße 31/33 wurde 1891 für die Hannoveraner Kaufleute Gebrüder Sehlbrede errichtet, nachdem auf dem Grundstück zwei Vorgängerbauten abgebrochen worden waren. Bereits am 10. September 1890 war das rechte Haus Nr. 33 infolge einer Gasexplosion eingestürzt.

    1983 wurde das Gebäude in die Denkmalliste der Stadt Minden aufgenommen, bevor ein Jahr später das Erdgeschoss umgebaut wurde.

    1891 befand sich in dem Gebäude ein Kolonialwarengeschäft und eine Drogerie von Harry Sehlbrede. Ab 1927 waren hier dann die Likörfabrik und der Weingroßhandel Gebr. Sehlbrede ansässig, deren Inhaber Walter Sehlbrede war.

    In dem Gebäude wurde im August 2026 das Café Fuel eröffnet.

  • Bäckerstraße 35

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 35 aus dem Jahr 1900
    © Mindener Museum

    Im Kern geht das Haus Bäckerstraße 35 auf ein Dielenhaus aus der Mitte des 16. Jahrhunderts zurück. Nachdem die Diele 1784 aufgegeben worden war, wurde das Gebäude zu einem Etagenwohnhaus umgestaltet.

    1894 wurde der große Giebel abgetragen, woraufhin der vordere Teil ein drittes Stockwerk erhielt. 1903 wurde auf diesen vorderen, bereits dreistöckigen Teil ein vollständiges drittes Geschoss aufgesetzt, während das Haus gleichzeitig vollständig unterkellert wurde. In den folgenden Jahrzehnten wurde insbesondere der Ladenteil mehrfach erweitert: 1932 wurde der vordere Bereich vergrößert, 1951 folgte eine Erweiterung des rückwärtigen Teils und 1997 wurde das Gebäude schließlich weiter modernisiert.

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 35 aus dem Jahr 1993
    © Mindener Museum

    Das Anwesen war das Stammhaus der Mindener Kaufmannsfamilie Harten, die im 19. Jahrhundert mehrere Häuser in der Stadt besaß. Bereits 1763 hatte Adolf Henrich Harten gemeinsam mit seinen Schwagern Johann Friedrich und Rudolf Christian Möller eine Zuckerraffinerie im ehemaligen St. Pauli Kloster in der Alten Kirchstraße gegründet.

    Ab 1910 betrieb der Kaufmann Wilhelm Schmidt in dem Gebäude ein „Versandhaus für Dienstkleidungen und Uniformen“. Von 1980 bis 2022 war hier die Modekette Orsay ansässig. Anschließend zog die Mode-Boutique Eloise ein, die nach einem Räumungsverkauf 2025 unter neuer Leitung wiedereröffnet wurde.

  • Bäckerstraße 36

    Der Kern des Hauses Bäckerstraße 36 wurde um 1550 als Dielenhaus errichtet. Um 1600 erhielt das Gebäude eine Utlucht, also einen Erker, der mit einer Renaissance-Dekoration versehen war. Diese Utlucht wurde 1900 und 1959 schrittweise abgebrochen; erhalten blieb jedoch die Brüstung, die seit 1959 in die Fassade des Hauses eingelassen ist.

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 36 aus dem Jahr 1993
    © Mindener Museum

    Die Brüstung ist ausschließlich mit christlicher Ikonografie gestaltet, weshalb der Bauherr möglicherweise ein Geistlicher war. Auf der linken Seite ist Jesus Christus dargestellt, über dessen Darstellung sich die Inschrift „EGO SVM VIA ET VERITAS“ – „Ich bin der Weg und die Wahrheit“ (Joh. 14,6) – befindet. Rechts davon sind Jesus zugewandt die drei Evangelisten Johannes mit dem Adler, Lukas mit dem Stier und Markus mit dem Löwen dargestellt. Matthäus fehlt, wobei möglicherweise der entsprechende Teil der Brüstung nicht erhalten ist.

    1696 wurde das Haus umgebaut und dabei um ein zusätzliches Stockwerk aus Fachwerk erweitert. Weitere Umbauarbeiten folgten 1766, wobei diese vermutlich weitreichender waren, da sich die Versicherungssumme des Hauses zu dieser Zeit deutlich erhöhte.

    1893 übernahmen die Brüder Gustav und Heinrich Petri die Waren des Kaufmanns Rudolf Gelb, der in dem Gebäude ein Farbwaren-, Drogerie- und Kolonialwarengeschäft einrichten wollte. Bereits zwei Jahre später zog das Geschäft Gebr. Petri jedoch in die Häuser Bäckerstraße 5/7 um.

    1901 eröffnete Adolf Laufer (1876–1968) in dem Gebäude sein Juweliergeschäft, das bis heute in vierter Generation fortgeführt wird. Das Haus wurde 1983 in die Denkmalliste der Stadt Minden eingetragen.

  • Bäckerstraße 40

    Das Haus Bäckerstraße 40 ist im Kern ein spätmittelalterliches Giebelhaus, das vermutlich Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet wurde. Von dieser frühen Bauphase sind unter anderem die steinernen Umfassungswände der Westwand erhalten geblieben, während andere Bauteile des Gebäudes aus unterschiedlichen Umbauphasen stammen, die sich heute nicht mehr vollständig rekonstruieren oder datieren lassen.

    Um 1775 fand vermutlich ein umfangreicherer Umbau statt, da sich zu dieser Zeit die Versicherungssumme des Gebäudes erhöhte. Auch die Treppenanlagen, über die sowohl der unterkellerte Saal als auch das Obergeschoss erschlossen werden, wurden vermutlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eingebaut. Wahrscheinlich wurde in dieser Bauphase außerdem das Dachwerk am Vorder- und Rückgiebel umgebaut.

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 40 aus dem Jahr 1993
    © Mindener Museum

    Im späten 19. Jahrhundert wurde das Erdgeschoss des Vorderbaus zu einem Ladengeschäft umgestaltet. Dabei entstanden Schaufenster und die Eingangstür wurde in die westliche Ecke versetzt. Nachdem 1892 die Grundstücksentwässerung erfolgt war, wurde das Haus 1908 an die Kanalisation angeschlossen.

    1951 wurde der Laden erweitert, wobei der Mittelflur entfernt wurde. Zwei Jahre später erfolgte ein Umbau des Obergeschosses, bei dem zugleich die Fassade modernisiert und die seitlichen Fenster zusammengefasst wurden. 1994 wurden die Schaufenster erneut umgestaltet; im selben Jahr wurde das Gebäude in die Denkmalliste der Stadt Minden eingetragen.

    Ab 1898 befand sich in dem Haus die Tabak- und Zigarrenhandlung A. Tiedermann. 1953 wurde das Gebäude von dem Modegeschäft Hövert genutzt. Heute befindet sich hier das Geschäft „Vom Fass“, in dem hochwertige Spirituosen, Öle, Essig, Gewürze und Feinkost angeboten werden.

  • Bäckerstraße 42

    Das Haus Bäckerstraße 42 ist im Kern ein spätmittelalterliches Giebelhaus, das im 15. oder frühen 16. Jahrhundert errichtet wurde. Sein Südgiebel stand damals unmittelbar am Stadtbach, der die Domimmunität umgrenzte.

    Zwischen 1763 und 1783 wurde das Gebäude instand gesetzt. Als 1836 ein Neubau für den Nagelschmied Quesse geplant wurde, sollte das Haus eigentlich abgebrochen werden. Stattdessen wurden jedoch offenbar lediglich einschneidende Umbauten vorgenommen, sodass der historische Kern erhalten blieb und das Gebäude zu einem zweigeschossigen Giebelhaus mit mittlerem Flur umgestaltet wurde.

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 42 aus dem Jahr 1970
    © Mindener Museum

    1873 wurde das Erdgeschoss für die Einrichtung einer Gastwirtschaft durch den Gastwirt Weber umgebaut. Gleichzeitig entstand ein Fachwerkanbau, in dem Küche und Buffet untergebracht wurden. Nachdem 1876 ein Brand ausgebrochen war, dessen Umfang heute nicht bekannt ist, wurde 1895 ein Wirtschaftsgebäude aus Backstein angebaut.

    Nach dem Anschluss an die Kanalisation im Jahr 1908 wurden 1921 die Gasträume erweitert, sodass sie nun bis in den Küchenanbau von 1873 reichten. Die Küche wurde daraufhin in das Wirtschaftsgebäude verlegt. 1980/81 wurde das Gebäude schließlich weitgehend entkernt und zu einer modernen Gaststätte umgebaut.

    1950 befand sich hier das Hotel Mindener Hof. Von 1972 bis 2015 wurde das Gebäude als Schnellrestaurant Kochlöffel genutzt, dessen Räume 1992 modernisiert wurden. Seit 2016 befindet sich hier Optik Birkenkämper, ein Optiker- und Brillengeschäft.

  • Bäckerstraße 45

    Historische Frontansicht der Fassade des Hauses Bäckerstraße 45 in Minden
    © Sammlung Horst Grätz, Mindener Museum

    Das Gebäude gehört zu den großen repräsentativen Hausstätten in Minden. Im Kern stammt es aus dem frühen 16. Jahrhundert. Seine Fassade wurde um 1590 im Stil der sogenannten Weserrenaissance vollendet. Damit werden Bauten bezeichnet, die sich durch kunstvoll gestaltete Giebel, oft mit Standerkern und zweigeteilten Fenstern auszeichnen. Das Gebäude ist eines der wenigen dieses Baustils, die sich in Minden noch teilweise heute erhalten haben. Tatsächlich gehört aber nur noch das Giebeldreieck zu diesem Stil. Der Gebäudekomplex wurde wiederholt modernisiert und in mehreren Schritten zu einem Geschäftshaus umgebaut. Bereits 1767 wurde die Fassade mit zwei vorgelagerten Utluchten weitgehend neugestaltet. 1861 erhielt das Haus Anschluss an die Gasversorgung, 1887 an die Entwässerung und 1903 an die Kanalisation. Um 1902 baute man das vordere Erdgeschoss zu einem großen Verkaufsraum um. 1952 folgten weitere Umbauten und Modernisierungen, darunter der Abbruch der beiden Utluchten. 1976/77 und 1990 folgten weitere grundlegende Umbauten und Modernisierungen für das Geschäftshaus.

    Historische Ansicht des Hauses Bäckerstraße 45 in Minden
    © © Sammlung Horst Grätz, Mindener Museum

    Seit 1750/55 gehörte das Haus der bedeutenden Kaufmanns- und Unternehmerfamilie Harten. Diese war u.a. im Weinhandel tätig und betrieb eine Zuckerfabrik an der Alte Kirchstraße. Im 19. Jahrhundert wohnte hier der Kaufmann und Altertumsforscher Ernst Friedrich Mooyer (1798-1861), der hier Textil- und Seidenhandel betrieb. Später übernahmen die Weinhandlung Hartje, die Privatbank Gotha und der Kaufmann Gustav Kopp das Gebäude. Er betrieb hier ein Geschäft für Fahrräder, Nähmaschinen, Grammophone und Schreibmaschinen. Das repräsentative Haus erhielt ab 1931 den Namen "Haus Hill". Hier war eine Filiale der Lebensmittel- und Supermarktkette Heinrich Hill AG aus Hattingen untergebracht. Nach mehreren Eigentümerwechseln, die meist mit kleinen Umbauten und Modernisierungen verbunden waren, ist seit Juli 2001 hier die Parfümerie Douglas angesiedelt.

     

  • Bäckerstraße 68

    Das Haus Bäckerstraße 68 wurde in seinem Kern vermutlich Anfang des 18. Jahrhunderts als Wohnhaus errichtet. 1820 wurde das Gebäude umfassend umgebaut, wobei der Vordergiebel nach dem Abbruch einer Utlucht neu verzimmert, die innere Raumaufteilung verändert und das Haus in Richtung Süden um vier Gefache erweitert wurde. In diesem Zusammenhang wurde vermutlich auch das Dachgeschoss zu Wohnräumen ausgebaut.

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 68 und 70 aus dem Jahr 1993
    © Mindener Museum

    1908 erfolgte der Anschluss an die Kanalisation. 1929 wurde die Werkstatt im südlichen Teil des Gebäudes vergrößert, bevor 1973 das Erdgeschoss umgebaut wurde.

    Auch die Nutzung des Hauses hat sich im Laufe der Zeit mehrfach verändert. 1880 war hier die Zigarrenhandlung Georg Strucken Junior ansässig, während der Gärtner Theodor Hempel das Gebäude von 1908 bis 1928 nutzte. 1948 befanden sich hier der Betrieb des Mechanikermeisters und das Fahrradfachgeschäft Johannes Grabosch.

    Spätestens seit 1993 war in dem Haus das Modegeschäft „Ollys“ für Kinder- und Damenmode untergebracht. Seit 1999 befindet sich hier Demirel Schmuck, das klassischen Silber- und Goldschmuck, Uhren, Anhänger, Armbänder und Trauringe anbietet.

  • Bäckerstraße 70

    as Haus Bäckerstraße 70 wurde 1871 anstelle eines Vorgängerbaus errichtet. Die Traufwand, die das Gebäude mit dem Haus Nr. 71 verbindet, stammt allerdings noch aus der früheren Bebauung.

    1907 wurden die Läden und Schaufenster umgebaut und das Haus gleichzeitig an die Kanalisation angeschlossen. 1954 erfolgte ein weiterer Umbau der Läden, bevor das Gebäude 1983 in die Denkmalliste der Stadt Minden aufgenommen wurde.

    Bereits bei seiner Errichtung wurde das Haus vom Bäckermeister Ernst Squarr genutzt. Ab 1895 befand sich hier das Geschäft des Schuhwarenhändlers August Bruns. Anfang des 19. Jahrhunderts diente das Gebäude als Wohnhaus der Familie.

    Spätestens seit 1993 war in dem Haus das Modegeschäft „Bakerstreet“ ansässig. Seit 2016 befindet sich hier die „Kräuterhexe“, ein Geschäft, in dem Tees, Kräuter und Gewürze angeboten werden.

  • Bäckerstraße 71

    Das Haus Bäckerstraße 71 wurde 1874 für den Kaufmann Ernst Diesselhorst als Mehrfamilienhaus mit Geschäftsräumen errichtet. 1894 erhielt das Gebäude einen neuen Eingang zu den Geschäftsräumen, bevor 1921 die Schaufenster umgebaut wurden.

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 71 aus dem Jahr 1945
    © Mindener Museum

    Ursprünglich waren die einzelnen Etagen als Siebenraumwohnungen eingerichtet. 1931 wurden diese jedoch teilweise so unterteilt, dass jeweils zwei Vier- beziehungsweise Fünfraumwohnungen entstanden.

    Besonders geprägt wurde das Gebäude durch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs. Nachdem es am 28. März 1945 durch Beschuss beschädigt worden war, wurde die Fassade umgestaltet. Dabei wurde die Stuckdekoration vereinfacht und ein Erker abgebrochen, der auf älteren Fotografien noch zu sehen ist. 1950 wurde der Hof des Hauses unterkellert.

    Außenansicht des Gebäudes Bäckerstraße 71 aus dem Jahr 1993
    © Mindener Museum

    1978 erfolgte ein weiterer Umbau, bei dem die angrenzenden Bauten Bäckerstraße 69 und Tränkestraße 2 abgebrochen wurden. Im Zusammenhang mit dem Bau des Karstadt-Kaufhauses entstand außerdem ein neuer nördlicher dreigeschossiger Flügel an der Stelle der früheren Durchfahrt von der Tränkestraße zur Schlagde, der unter der Adresse Grimpenwall 1 geführt wurde. 1987 wurde das Gebäude in die Denkmalliste der Stadt Minden eingetragen.

    Nach der Familie Diesselhorst wurde das Gebäude ab 1921 von der Bremen-Mindener-Schleppschifffahrts-AG genutzt und ab 1977 war hier die Oberweser Privatschiffer Vereinigung ansässig. Seit 1982 befindet sich in dem Haus das Eiscafé Piccoli.



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