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Für den Erhalt der Artenvielfalt tausende kleine Bachforellen ausgesetzt


Vorsichtig kippt Jens Müller, Gewässerwart der Mindener Interessengemeinschaft der Fischereivereine e.V. (IG), den weißen Eimer, in dem es von kleinen, dunklen Fischen nur so wimmelt. Mit grünen Gummistiefeln ausgestattet, steht er im Wasser der Bastau und entlässt die Tiere in ihren neuen Lebensraum. „Es handelt sich um Bachforellen, die wieder in der Bastau angesiedelt werden sollen“, erläutert Jan-Nicolai Klement, Vorsitzender der Weserfischereigenossenschaft Minden. Mehrere tausend Tiere, die von Rainer Wittmann aus dem Kreis Höxter gezüchtet wurden, wurden beim diesjährigen Herbstbesatz am 22. September „in die Freiheit“ entlassen.

Schon im vergangenen Jahr hatten IG und Fischereigenossenschaft einige tausend Bachforellen, die als im Bestand bedroht gelten, in der Bastau ausgesetzt. Diese haben sich laut Klement „sehr gut entwickelt“ und seien jetzt schon bis zu 20 Zentimeter lang. Viel Wert legen Fischereigenossenschaft und Interessengemeinschaft beim Besatz darauf, dass es sich heimische Bachforellen aus dem Wesereinzugsgebiet und nicht etwa welche, die zum Beispiel in Skandinavien gezüchtet werden, handelt. „Die Gene der Fische und deren Verhalten sind ganz unterschiedlich, auch wenn sie zur selben Unterart zählen“, weiß Klement.

Bachforellen waren lange Zeit auch in der Bastau und deren Zuflüssen, die rund 19 Kilometer lang ist und im Quellgebiet der Lübbecker Ortschaft Eilhausen entspringt, heimisch. Doch in den vergangenen Jahren wurden noch sehr wenige Exemplare gesichtet. Schüler*innen des Ratsgymnasiums haben erstmals 2015 in einem Monitoring-Projekt zur Renaturierung der Bastau im Glacis die Veränderungen im Gewässer erfasst, über Jahre beobachtet und auch mehrfach Fischzählungen durchgeführt. Die Entfernung eines hohen Wehres an der Mündung und die Renaturierung des Flusses durch die Städtischen Betriebe Minden haben es ermöglicht, dass wieder Fische aus der Weser in die Bastau aufsteigen können.

Weil die Bachforelle sehr rar in den heimischen Gewässern geworden ist, hat sich die Fischereigenossenschaft zusammen mit der Interessengemeinschaft im vergangenen Jahr für einen Besatz entschieden. Die Genossenschaft, an der die Stadt Minden beteiligt ist, ist für die Arterhaltung und Ansiedlung von Fischen im Stadtgebiet zuständig. Bei Züchter Wittmann aus Ottbergen (Kreis Höxter) wurde schnell der geeignete Jungfisch gefunden. Er bietet Besatzfische, so nennt man Jungtiere, die in Bächen und Flüssen zur Bestandsergänzung ausgesetzt werden, aus regionaler Produktion an. Damit habe er ein Alleinstellungsmerkmal im Weserbergland, so Jan-Nicolai Klement.

Die Fische, die am vergangenen Donnerstag ausgesetzt wurden, sind rund ein halbes Jahr alt und vier bis sechs Zentimeter lang. Sie wurden aus den befruchteten Eiern von geschlechtsreifen Forellen – eine hat bis 1.000 zu 1.500 in ihrem Körper - in Bassins gezüchtet. Rund 20 Eimer mit jeweils mehreren hundert Fischen wurden an sechs verschiedenen Stellen in der Bastau ausgesetzt. Die „Brütlinge“ – so der Fachbegriff - verteilten sich schnell, suchten nach einem Unterschlupf oder begannen gleich direkt nach Essbarem zu schnappen.

Die Bachforelle (Salmo trutta fario) ist ein Raubfisch und eine Unterart der Forelle. Sie ist ein eher eine Einzelgängerin und ernährt von Insekten, Larven sowie anderen Kleintieren im und auf dem Wasser. „Sie brauchen sauerstoffreiches Wasser und deshalb haben wir sie an kiesigen Stellen ausgesetzt, wo die Bastau auch ein wenig Gefälle hat“, erläutert Fachmann Jens Müller. Die Bachforelle erreicht in der Regel ein Gewicht von bis zu zwei Kilogramm und ist nach drei Jahren geschlechtsreif. Bachforellen können bis zu 18 Jahre alt werden.

Elf Vereine haben sich in der Mindener Interessengemeinschaft der Fischereivereine e.V. zusammengeschlossen. Die Mindener IG hat im Bereich der Mittelweser von Vlohto bis Schlüsselburg auf mehr als 70 Kilometern Weserstrecke die Fischrechte gepachtet. Der Fischfang ist mit dem Fischereierlaubnisschein der Weser erlaubt. Für die Bastau muss eine gesonderte Erlaubnis beantragt werden, so Jan-Nicolai Klement.

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