Wie können Kinder und Jugendliche in einer Welt voller Reize, digitaler Angebote und wachsender Anforderungen gesund aufwachsen? Was hilft ihnen, Selbstvertrauen zu entwickeln und mit Belastungen umzugehen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die 5. Bildungskonferenz der Stadt Minden am 10. Oktober in der PRIMUS-Schule. Drei Jahre nach der letzten Konferenz standen die psychische Gesundheit und die Stärkung junger Menschen im Mittelpunkt.
Eingeladen waren haupt- und ehrenamtliche Akteurinnen und Akteure der Mindener Bildungslandschaft sowie Schüler*innen und weitere Interessierte. Die städtische „Arbeitsgruppe Bildung“ organisierte die Veranstaltung, die fachliche Impulse, praxisbezogene Workshops und Austausch miteinander verband. Die Konferenz griff die Frage auf, wie Schule, Kita, Jugendhilfe und weitere Bildungsangebote junge Menschen stärken können, auch angesichts der psychischen Belastungen, die seit der Coronapandemie besonders deutlich geworden sind.
Die Perspektive junger Menschen einbeziehen
Den Auftakt gestaltete Lilli Berthold, stellvertretende Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, mit dem Vortrag „Uns geht’s gut?“. Sie rückte die Sicht junger Menschen in den Mittelpunkt und wies auf die schwierige mentale Gesundheit junger Menschen hin.
Im gleichnamigen Workshop vertieften Berthold und Erik Sczygiol, ebenfalls von der Bundesschülerkonferenz, die Frage, wie insbesondere in der Schule die mentale Gesundheit beeinflusst. Ausgangspunkte waren Stress, Leistungsdruck und das häufig selbstverständliche „Mir geht’s gut“. Gemeinsam ging es darum, Warnsignale wahrzunehmen und Unterstützung im Schulalltag zu ermöglichen. Über allem stand die Frage, wie Kinder und Jugendliche dabei besser einbezogen werden können.
Auch junge Stimmen aus Minden kamen zu Wort. Es wurden Ausschnitte aus Interviews gezeigt, in denen junge Menschen befragt wurden, was sie für ein gesundes Aufwachsen in Minden brauchen. Oft genannt wurde der Wunsch nach mehr Freizeitangeboten, Orten zum chillen, mehr Sicherheit, z.B. am ZOB und im Glacis und bessere Busverbindungen.
Digitale Lebenswelten verstehen und begleiten
In zwei Workshoprunden widmeten sich die Teilnehmenden insgesamt 14 Themen. Mehrere Angebote beschäftigten sich mit digitalen Lebenswelten und einem verantwortungsvollen Umgang mit Medien – einer zentralen Aufgabe in Zeiten des weiter wachsenden Einflusses von Social Media und künstlicher Intelligenz.
Fabian Scheck, Initiator des österreichischen Handyexperiments, stellte unter dem Titel „Sei selber smart!“ Erfahrungen mit veränderten Smartphonegewohnheiten vor. Im Fokus stand ein gesunder und pädagogisch sinnvoller Medienumgang. Weitere Workshops behandelten digitalen Kinderschutz, die Auswirkungen sozialer Medien auf die psychische Entwicklung und Handlungsmöglichkeiten gegen Hass im Netz.
Resilienz im Alltag fördern
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie Kinder und Jugendliche Selbstvertrauen gewinnen, Gefühle verstehen und Grenzen setzen können. Das Spektrum reichte von Anregungen für den Kita-Alltag über die Begleitung in der Pubertät bis zu kultureller Bildung und Erlebnispädagogik. Auch Ernährung, Bewegung und Naturerfahrungen wurden aufgegriffen. Die Workshops beleuchteten unter anderem die Förderung von Aufmerksamkeit und Bewegungsfreude sowie die Möglichkeiten naturnaher Schulhöfe. Das Philosophieren mit Kindern und Bildungsarbeit angesichts globaler Krisen boten weitere Ansätze, um Zuversicht und Handlungsfähigkeit zu stärken.
Ein eigenes Angebot galt den sogenannten Young Carern: Kindern und Jugendlichen, die regelmäßig Pflege- und Unterstützungsaufgaben in ihren Familien übernehmen. Der Workshop machte ihre häufig wenig sichtbare Lebenssituation deutlich und zeigte Unterstützungs- und Vernetzungsmöglichkeiten auf.
Theater regt zum Nachdenken an
Zum Abschluss zeigte der Jugendclub „Dramazone Prime“ des Stadttheaters Minden einen Ausschnitt aus „Liebes Tagebuch“. Unter der Leitung von Viola Schneider setzten sich die jungen Mindener Schauspieler*innen mit Druck, Mobbing und Feminismus und vielem mehr auseinander. Ihr Auftritt eröffnete einen künstlerischen Zugang zum Konferenzthema, erhielt großen Beifall und regte zum Nachdenken an.
Die 5. Bildungskonferenz brachte unterschiedliche fachliche Perspektiven zusammen und gab Anregungen für die tägliche Bildungsarbeit. Der gemeinsame Leitgedanke: Belastungen frühzeitig erkennen, die Stärken junger Menschen fördern und unterstützende Bedingungen für ein gesundes Aufwachsen in Minden gestalten.
Auf der Internetseite der Stadt Minden unter https://www.minden.de/bildung-kultur-sport/bildungsangebote/ werden ein Video des Eingangsvortrages sowie mehrere Präsentationen aus den Workshops abrufbar sein.
