Massive Baumschäden im Glacis und im Botanischen Garten

5. September 2019 | Minden. Vor allem Buchen und Fichten sind von der anhaltenden Trockenheit betroffen. Die Städtischen Betriebe müssen viele Bäume fällen.

  • Ortstermin vergangene Woche im Wittekindsglacis: Ein Blick nach oben, macht die Misere deutlich. Zahlreiche Bäume im Grüngürtel rund um die Innenstadt leiden stark unter der anhaltenden Trockenheit. „Vor allem die Buchen hat es hart getroffen. Die Schäden sind hier massiv“, stellten jetzt Dennis Rinne aus dem Bereich Grünflächen der Städtischen Betriebe Minden (SBM) und Margaretha Masbaum aus dem Bereich Stadtplanung und Umwelt fest. Das mache ein schnelles Handeln erforderlich. Denn beim nächsten Sturm können Kronen und dicke Äste abbrechen oder gar ganze Bäume umkippen.

    Selbst ein Laie könne deutlich erkennen, dass Kronen und Äste im oberen Bereich mehrerer Buchen völlig trocken sind und kein Grün mehr haben, so Rinne. Diese müssen zwangsläufig in Kürze komplett gefällt werden. 39 Bäume im Glacis sind insgesamt akut betroffen, darunter allein 33 Buchen, die nicht mehr zu retten sind - eine traurige Bilanz. Auch mehr als 100 Jahre alte Bäume sind darunter. Unter den Laubbäumen vertragen gerade Buchen lange Trockenheit weniger, weil diese nicht so tief wurzeln wie zum Beispiel Eichen. „Und ist die Wasserzufuhr einmal unterbrochen, fällt der Druck ab, der für die Versorgung der oberen Äste und der Krone notwendig ist“, weiß der Fachmann.

    „Eine Buche, die in der Krone völlig vertrocknet ist und deren Rinde bereits aufplatzt, treibt im nächsten Jahr nicht wieder aus. Sie stirbt in Kürze völlig ab“. Und: In diesem Zustand stelle der Baum damit „ein Sicherheitsrisiko für alle Spaziergänger, Hundebesitzer, Jogger und Radfahrer dar“, so Denis Rinne.

    Weil das Mindener Glacis intensiv öffentlich genutzt werde, müssen die Bäume mit den massivsten Schäden jetzt und nicht erst ab Ende September gefällt werden. Die Kreis-Umweltbehörde ist einbezogen. Denn vom 1. März bis 30. September ist das Fällen von Bäumen in der Regel verboten. Dann schützt das Bundesnaturschutzgesetz die Brut- und Lebensstätte der Vögel. Sollten sich in einem zu fällenden Baum noch ein belegtes Nest, ein Specht oder andere seltene Tiere, wie Fledermäuse, befinden, dürfe nur ein Sicherungsschnitt vorgenommen werden.

    Da sowohl die Städtischen Betriebe, als auch der Bereich Stadtplanung wissen, dass den Mindenern „das Glacis sehr am Herzen liegt“, werde nur das gefällt, was unbedingt muss. In einigen Fällen werde bei einem erforderlichen „Totalschnitt“ in Erwägung gezogen, zumindest den Stamm stehen zu lassen, um z.B. Spechten, Kleintieren und Insekten noch einen Lebensraum zu lassen. Manche Bäume – das sind aktuell sechs in der Liste - haben eine so genannte Unterkrone ausgebildet. „Diese werden wir zunächst nur oben kappen lassen“, erläutert Rinne. Bei einigen Bäumen reiche es aber auch aus, wenn zunächst nur das Totholz herausgeschnitten wird.

    Und nicht nur das Glacis ist betroffen. Auch im Botanischen Garten haben Fachleute an mehreren Bäumen massive Schäden festgestellt. Diese sind bereits mit einem „roten Punkt“ gekennzeichnet. „Im Botanischen Garten sind es eher die Fichten, die Probleme machen“, sagt Denis Rinne. Von den insgesamt 48 Bäumen hier, die durch die Trockenheit abgestorben oder kurz vor dem Absterben sind, befinden sich allein 39 Fichten. Auch diese müssen aus Sicherheitsgründen noch vor der eigentlichen Fällzeit entnommen werden. Gerade an trockenen und geschwächten Fichten ist es zudem wahrscheinlich, dass diese vom Borkenkäfer befallen sind oder werden. Der Käfer hat sich in den beiden warmen und trockenen Sommern 2018 und 2019 stark vermehrt. Ein Fällen der betroffenen Fichten verhindert damit auch die weitere Ausbreitung.

    Die Arbeiten werden am Dienstag, 10. September 2019, beginnen und mehrere Tage andauern. Die Städtischen Betriebe Minden bitten, in dieser Zeit die Behinderungen auf den Wegen im Glacis zu entschuldigen. Sie weisen aber gleichzeitig darauf hin, dass die Arbeitsbereiche auf keinen Fall betreten werden dürfen. 

    Die Schäden im Glacis seien „schon erschreckend“, so Rinne und Masbaum bei dem Ortstermin. Beide rechnen mit „weiteren Opfern“. Der extrem trockene Sommer 2018, der folgende regenarme Herbst und Winter 2018 sowie das ebenfalls zu trockene Frühjahr 2019 und der ebenfalls regenarme, heiße Sommer 2019 haben bestimmten heimischen Bäumen arg zugesetzt. „Es gibt aber Waldbaumarten wie Traubeneichen und Zerreiche sowie klimawandelresistente Arten wie Orientbuche und Hopfenbuche, die besser mit der Trockenheit klar kommen als andere“, weiß Margaretha Masbaum. 

    Für die zu fällenden Bäume werde größtenteils Ersatz gepflanzt. Allerdings soll diese Maßnahme nicht voreilig beauftragt werden. Denn in dem noch vom Rat zu beschließenden Pflege- und Entwicklungskonzept für das Glacis seien hierzu Kriterien festgelegt worden, berichtet Margaretha Masbaum. So sei angesichts der sich bereits abzeichnenden Klimaveränderungen - längere Trockenperioden, erhöhte Strahlungsintensität, unregelmäßige Niederschläge und längere, trockenere Sommer - sowie der steigenden Anzahl unterschiedlicher Baumkrankheiten, die in jüngster Vergangenheit vermehrt auftraten und damit den vorhandenen Baumbestand zusätzlich schwächen, insgesamt die Verwendung einer größeren Vielfalt geeigneter Baumarten sinnvoll. 

    Kriterien für nachzupflanzende Baumarten im Glacis sind laut Konzept, so Masbaum, die Standortverträglichkeit, die Verträglichkeit mit dem Alteichen-Bestand, der Nutzen als Futterquelle für Vögel und Insekten, die Eignung als Habitat für Fledermäuse und die Verträglichkeit von Klimawandelprozessen. Die Entscheidung für eine Nachpflanzung müsse daher auf den Standort bezogen sowie auch in Bezug auf Klimaveränderungen getroffen und abgestimmt werden. 

    Das im Pflege- und Entwicklungskonzept Glacis erarbeitete Maßnahmenpaket soll unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels abmildern und das Glacis zukunftsfähig machen. Die Maßnahmen sollen noch in diesem Jahr der Politik vorgestellt und auch beschlossen werden.

    Pressestelle der Stadt Minden, Susann Lewerenz, Telefon 0571 89204,

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