Minden gestalten

Herausragende Baudenkmäler

Minden hat einige besondere Baudenkmäler vorzuweisen. Überzeugen Sie sich selbst und begeben sich auf Entdeckungsreise!


    • Ritterstrasse 21, die Bruderwort (Kurie des Martinistiftes), seit 1834 Bürgerschule



      Zweigeschossiger, verputzter und traufenständiger Backsteinbau mit Satteldach auf einer Grundfläche von 23,61 x 14,87 m. Pläne aus der Zeit vor dem Umbau des frühen 20. Jahrhunderts fehlen mit Ausnahme eines Grundrisses, der Jahrzehnte nach dem Bau entstand. Der Originalzustand jedoch aus der noch Vorhandenen Bausubstanz, der späteren Bauaufnahmen und der ältesten Ansicht, einer Lithographie von Sickert aus den Jahren 1855/58 zu erschließen: Das Gebäude war auf acht Klassen und zwei Reserveklassen ausgelegt. Die Gestalt ergab sich aus einer symmetrischen Anordnung von vier Klassen pro Etage, die durch einen zentralen Flur mit vorderem und hinterem Eingang und zweiläufiger Treppe im hinteren Bereich erschlossen werden. Die Reserveklassen lagen an den beiden Giebelseiten des Dachgeschosses. Der Keller mit Außen­mauern in Sand- sowie Innenwänden und Gewölbetonnen in Backstein umfasst den Flur und die südliche Gebäudehälfte. Der Grundstein im Scheitel des nordwestlichen Gewölbes trägt die Inschrift Erbaut 1834, den 5. Juli. Das Datum bezeichnet wahrscheinlich den Zeitpunkt der Grundsteinlegung. Die 9,03 x 6,63 großen und 3,65 (Erdgeschoss) bzw. 3,80 m (Obergeschoss) hohen Klassenräume erhielten jeweils von drei Fenstern an der Trauf- und zwei Fenstern an der Giebelseite Licht. Die Reihung der Fenster in gleichmäßigem Abstand ergab den Grundrhythmus der Fassade, in deutlichster Ausprägung sichtbar im Obergeschoss der Vorderfront, wo die Klassenfenster zusammen mit zwei Flurfenstern eine gleichmäßige, achtachsige Reihe erzeugten. Der portikusartige Haupteingang, der den re­präsentativsten Teil der Fassade bildet, passte sich dem strengen Rhythmus an. Die portikus­artige Eingangsarchitektur tritt nicht vor die Flucht der Fassade. Sie nimmt die Breite des Flures ein und rahmt mit einem flachen Dreiecksgiebel über einem Gebälk und vier Pfeilern die zweiflügelige Eingangstür sowie zwei schmalere seitliche Fensterfelder. Der Fries trägt die Inschrift BÜRGER.SCHULE.1834. Eingefasst werden sämtliche vier Fassaden von einer Blendarchitektur aus kräftigen Kolossal-Eckpilastern, die ein umlaufendes Gebälk, bestehend aus einem Architrav mit drei Faszien und einem ausladenden Traufgesims tragen. An den Giebeln ist, mit Ausnahme der Pilasterzonen, die Auskragung des Gesimses geringer. Kubi­sche Aufsätze oberhalb der Traufe bekrönen die Ecken. Wie die Binnengliederung der Fassade im Einzelnen aussah, lässt sich, da später zusätzliche Fenster eingebaut wurden und nur die ungenaue Lithographie von Sickert den Zustand vor dieser Veränderung dokumentiert, nicht mit Sicherheit sagen. Das Sohlbankgesims des Obergeschosses war laut Sickerts Darstellung vorhanden. Ob das Geschossgesims und das Sohlbankgesims des Parterres dem Originalzustand entsprechen, ist dagegen unklar. Das gleiche gilt für die Fenstereinfassung durch ein schlankes Profil mit Ohren. Über die Gliederung der Seitenfassaden kann wegen der späteren Zumauerung von Fenstern und des Ausbaues des Dachgeschosses nicht viel gesagt werden. Sie sind heute innerhalb der rahmenden Blendarchitektur bis auf Blendfenster in der Südfassade, die der ursprünglichen Aufteilung entsprechen, ungegliedert. Das Giebelgesims springt nur wenig vor. Die Rückseite entspricht in ihrem Aufbau weitgehend der vorderen Fassade. Abweichend gestaltet ist der Treppenhausbereich, indem die Wand hier um einige Zentimeter vorspringt und Fenster und Türen eine andere Aufteilung besitzen. Die Schulglocke hing in einem zentralen Dachreiter mit polygonalem Grundriss.

       

      Wohl 1903 (Baupläne Mai 1903 datiert) erfolgte nach Entwurf des Stadtbauamtes die Auf­stockung um ein etwa 10,50 m breites Zwerchhaus im Bereich der vier mittleren Fenster­achsen an beiden Traufseiten sowie eine Änderung der Fensterfronten und Zumauerung der seitlichen Klassenfenster in den beiden Vollgeschossen.  Das Zwerchhaus erhebt sich mit flachem Dreiecksgiebel über einem Gebälk, das auf Eckpilastern ruht. Seine siebenteilige Front besitzt Fenster in den drei mittleren und beiden äußeren Feldern, die den gleich­artigen Fenstern der übrigen Geschosse achsial zugeordnet sind. Ein Rundfenster ziert den Giebel. In den beiden unteren Geschossen traten an die Stelle von vordem drei Fenstern pro Klasse vier, indem das mittlere Fenster durch zwei Fenster ersetzt wurde und die Zwischen­pfeiler schmaler wurden. Die bei Sickert gezeichneten seitlichen Pilaster des flachen Portikus wurden anscheinend durch das oben ausgekröpfte Faschenprofil des glatten Türgewändes ersetzt. Die neoklassizistische Gestaltung passte sich dem Klassizismus des Ursprungsbaues an. Im Treppenhaus lassen Eisenträger mit aufgesetzten Blechrosetten und Blechstufen mit floral gestalteter Lochung darauf schließen, dass die gegenläufige Treppe der Umbauphase nach der Jahrhundertwende zuzurechnen ist. Älter sind möglicherweise einige Türen im Dachgeschoss mit vergleichsweise breiten, mehrfach profilierten Rahmen.

       

      (Auszug aus: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 50)


    • Markt 8 – Alte Löwenapotheke  



      Das Haus Markt 8 ist eines der schönsten Häuser im Herzen Mindens, das mit seiner Fassade aus rotem Backstein selbstbewusst an exponierter Stelle steht.

      Da die Stadt Minden bereits über 1200 Jahre alt ist, verwundert es wenig, dass hier am Markt bereits vor 800 Jahren stattliche Steinhäuser standen. So ist auch für diese Hausstelle bereits im 13. Jahrhundert ein schmales aber sehr tief in den Baublock hineinreichendes steinernes Gebäude verzeichnet.

      Das heutige Gebäude Markt 8 wurde 1831 erbaut und nur das dahinter gelegene Wirtschaftsgebäude Martinikirchhof 4 enthält noch Reste des mittelalterlichen Vorgängerbaues.

      Für die Mindener ist das Gebäude Markt 8 noch immer die alte Löwenapotheke, denn bereits 1631 ist der erste Apotheker, nämlich Jacobus Moeys, als Pächter der bereits seit 1625 bestehenden zweiten Apotheke der Stadt bekannt, dessen Stiefsohn 1633 die Apotheke fortführte. Jenem Moeys d. J.  wurde dann 1661 erneut die Apotheke in seinem Privileg durch die kurfürstlich brandenburgische Regierung bestätigt. Eine Nutzung, die die Jahrhunderte überdauern sollte.

      Als der Apotheker Dr. Hartmann 1899 eine „bedeutende Verschönerung der Fassade,  Flur und Geschäftsräume“ plante,  gestaltete Architekt Kelpe aus Hannover diese wunderbare neugotische Fassade. Es ist eine dreigeschossige Backsteinfassade mit fünf Achsen, die durch Formsteine, verschieden gefärbten, glasierten Backstein, gelben Klinker, grüne Ornamente, grüne Fenster und Fensterstöcke reich verziert wurde.

      Der Laden im Erdgeschoss ist durch ein dreigliedriges Schaufenster unter einem Korbbogen gekennzeichnet und von zwei Eingängen flankiert. Über dem linken, in den Laden führenden Eingang, sieht man einen Löwen aus rotem Sandstein mit einem Schild. Über dem rechten, ins Treppenhaus zu den Wohnungen der Obergeschosse führenden Eingang, befindet sich ein Balkon. Die Gestaltung der stark symmetrischen Fassade steigert sich von Geschoß zu Geschoß. Sie findet ihren Höhepunkt in den zuvor an reichen Maßwerkformen vorbeiziehenden und letztlich in Fialen endenden Achsbändern im Dachgeschoß.

      Die Jahreszahlen in den oberen Wappensteinen verweisen auf die Verleihung des Apothekerprivilegs 1661 und die Errichtung dieser Fassade 1899.

      Im Laden befindet sich noch heute, die 1993 aufwändig restaurierte Apothekenausstattung von 1899, die von den nun dort tätigen Optikern genutzt wird.

    • Die Fischerstadt Minden


      Die Besiedlung der Fischerstadt gliedert sich in mehrere unterscheidbare Bereiche: In ihrem größten Abschnitt besteht sie aus einem großen Baublock tiefer und großer Grundstücke, die sich zwischen den parallel verlaufenden Straßen Weser- und Oberstraße entlang dem Weserufer aufreihen. Hier bestanden im Spätmittelalter ausgesprochen große Anwesen mit umfangreichen Baugruppen. Auf Grund der Flurgrenzen und der bestehenden Bausubstanz lässt sich innerhalb der Fischerstadt eine Zahl von zunächst etwa 12 bis 15 selbstständigen großen bürgerlichen Anwesen rekonstruieren. Hinzu kommen aber noch eine Gruppe von kleineren Hausstätten, die seit dem Spätmittelalter auf der Mauer an der Westseite der Oberstraße eingerichtet wurden; ferner Hausstätten, die zwischen der Stadtmauer der Stadt und dem Steinweg standen. Zusammen dürfte es aber im Spätmittelalter in der Fischerstadt kaum mehr als 30 Hausstätten gegeben haben. Die mittelalterlichen Großparzellen mit einer Tiefe zwischen 50 und 60 lassen sich noch heute aus dem Bestand rekonstruieren, wobei von Süden nach Norden die ersten beiden Parzellen Breiten von etwa 18 Meter aufweisen, die folgenden drei Parzellen von 12 bis 15 m Breite, denen schließlich drei Parzellen von etwa 10 m Breite folgten. Damit ergeben sich Hausstätten von bis zu 1000 m² Grundfläche.

      Die auf den Parzellen stehenden Haupthäuser waren offensichtlich zwischen etwa 16 und 20 m lang (sie haben 9 bis 11 Gebinde). Auffällig ist, dass sich in den meisten dieser Haupthäuser im Kern noch heute Fachwerkgerüste sehr großer eingeschossiger und giebelständiger Dielenhäuser erhalten haben, die alle aus den Jahren nach 1470/71 stammen, während bislang nirgends Reste von noch älteren Häusern aufgefunden werden konnten.

       

      Sie dürften daher noch von einer Zerstörung im Zuge einer Belagerung dieses Stadtbereiches zeugen. So wurde im Zusammenhang mit der Fehde zwischen dem Bischof Minden und den Grafen von Schaumburg Minden zwischen 1468 und 1472 mehrmals, insbesondere im Sommer 1469 belagert, wobei auf Grund der Baubefunde offensichtlich ein großer Teil der Fischerstadt zerstört worden ist. Des weiteren hat sich in der Fischerstadt eine größere Anzahl von zweischiffigen und giebelständigen Scheunen erhalten, doch stammen diese in der Regel erst aus dem 17. Jahrhundert. Lediglich die weiteren Bauten, wie Hinterhäuser, Speicher oder Mietshäuser entstammen einem breiteren zeitlichen Spektrum.

      Sowohl die heutige Parzellierung, wie auch die noch bestehende Bausubstanz lassen erkennen, dass es sich bis in das 17. Jahrhundert in der Fischerstadt um weitläufige und großzügig parzellierte Hausstätten gehandelt hatte, die in der Regel alle an der Weserstraße lagen und bis zur Oberstraße reichten. Hier am Ufer standen in einer Reihe große, allerdings durchgängig eingeschossige Dielenhäuser städtischen Zuschnitts, oft sogar von seitlichen Beifahrten begleitet, auf denen wohl nach und nach auch Nebenhäuser erbaut wurden. Auf den rückwärtigen Grundstücken standen an die Häuser angeschlossene Hinterhäuser oder Flügelbauten, mehrfach auch freistehende Speicher oder Scheunen. Rückwärtig schlossen sich daran weitere kleinere Bauten an, die entweder zunächst als Nebengebäude, wie Ställe genutzt wurden, oder in denen sogleich, wie es dann seit dem späten 17. Jahrhundert durchgängig nachzuweisen ist, als kleine Wohnhäuser eingerichtet wurden. Offensichtlich waren sogar einige der Haupthäuser aus Stein erbaut. So finden sich noch heute auf den beiden Grundstücken Weserstraße 6 und 7 zahlreiche Bruchstücke von Architekturteilen von Renaissancebauten, zudem sind die bestehenden Häuser aus dem späten 18. Jahrhundert aus zum Teil massiv und aus wiederverwendeten Sandsteinteilen errichtet.

      Alle Parzellen liegen auf einem hier recht steilen Uferhang, der damit eine Besiedlung bis nahe an das Ufer zuließ. Diese war sicherlich nicht hochwasserfrei, aber entgegen der weiter südlich sich um das Domkloster entwickelnden Stadt auf festem und nicht versumpftem Terrain gelegen, zudem mit einem guten Zugang zum Flussufer ausgestattet.

      Die Ausrichtung der Parzellen auf das Ufer der Weser legt es nahe, in der Fischerstadt eine im Laufe des 12. oder 13. Jahrhunderts entstandene Handelsniederlassung von Kaufleuten zu sehen, die sich auf das Weserufer orientierten, das zu dieser Zeit wohl noch als einfache Schiffslände zu sehen sein dürfte. Auffällig ist, dass sich zwischen den Hausstellen Weserstraße 20 und 22 die Orientierung der Parzellengrenzen innerhalb des Blocks zwischen Weser- und Oberstraße deutlich ändert und nach Norden nicht mehr die charakteristische Schräglage aufweist. Hierbei dürfte es sich um eine Siedlungsgrenze handeln, wobei die nördlich anschließenden Parzellen wohl als Erweiterung der Fischerstadt zu einem unbekannten Zeitpunkt zu verstehen sind. Da sie in die Befestigung einbezogen ist, dürfte sie vor dem Ende des 14. Jahrhunderts erfolgt sein. Hinzuweisen ist auch darauf, dass die erhaltenen spätmittelalterlichen Bauten aus der Zeit um 1470 erkennen lassen, dass es sich zwischen ihrer Bauzeit und späteren Reparaturen zu erheblichen Geländeanschüttungen gekommen ist. So wurde die Schwelle des Hauses Weserstraße 11/Oberstraße 18 um 1700 um nahezu einen Meter höher gesetzt. Ebenso verhielt es sich bei dem Speicher Oberstraße 38 oder dem Wohnhaus Oberstraße 28.

      Die Sozialstruktur und damit auch die Besiedlung dieses Stadtgebietes scheinen sich in der Mitte des 17. Jahrhunderts einschneidend verändert zu haben. Dies deckt sich deutlich mit dem von der wirtschaftsgeschichtlichen Forschung inzwischen festgestellten Faktum, dass die Bedeutung der Mindener Schiffer im Laufe des 17. Jahrhunderts im Weserhandel abnahm. Hier wird insbesondere auf zunehmende Konkurrenz aus anderen Orten, die Professionalisierung des Schiffshandels in der Hand weniger Großunternehmer hingewiesen. Besonders wurde in dieser Zeit von Mindener Schiffen mit Korn und Kalk gehandelt. Die nachzuweisende alte Bebauung der Fischerstadt, die nach Abzug der erst später in den Randbereichen zugefügten kleinen Häuser aus nur recht wenigen Besitzungen bestand und sich hierin zunächst nicht von den bürgerlichen Parzellen an hervorgehobenen Straßen der Altstadt unterscheidet, ist vor dem Hintergrund der beschriebenen wirtschaftlichen Entwicklungen dieses Stadtbezirkes im Laufe des 16./17. Jahrhunderts einschneidend verändert worden. Hierbei wurden die großen Grundstücke aufgeteilt, wobei es in der Folge aber kaum noch zu Neubauten, als vielmehr zu Umnutzungen der bestehenden Bauten kam. Hierbei wurden entweder große Vorderhäuser quer in zwei Häuser aufgeteilt oder aber die Nebenhäuser und Hinterhäuser in getrennten Besitz gegeben. An anderen Stellen wurden auch aus den rückwärtigen Flügelbauten oder aus Scheunen bzw. Speichern getrennte Besitzungen, die oft kaum mehr als die Grundfläche der Bauten ausmachten. Diesem starken sozialen Absinken der ehemals großen Bauten seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und deren dadurch gegebener Erhalt scheint es zu verdanken zu sein, dass sich in diesem Quartier bis heute ein ungewöhnlich großer Bestand an spätmittelalterlichen Bauten und Bauteilen innerhalb einer geschlossenen Siedlungsstruktur erhalten hat. Es dürfte keine zweite Situation in Westfalen-Lippe mit einem solch dichten Bestand an spätmittelalterlichen Bauten geben.

       

      (Dr. Kaspar, Westfälisches Amt für Denkmalpflege)

    • Fort C


      Minden war von 1815 bis 1873 die stärkste preußische Festung zwischen Rhein und Elbe; als wichtigem Weserübergang und als Grenzort zum Königreich Han­nover kam ihr besondere strategische Bedeutung zu. Mit dem Bau der 1847 eröff­neten Köln-Mindener Eisenbahn ergab sich fortifikatorisch eine völlig neue Lage, da der - auch militärisch wichtige - Bahnhof weit östlich vor der Stadt auf dem rechten Weserufer lag und in die Befestigung einbezogen werden musste.

       

      1845 wurde beschlossen, das Bahnhofsgelände auf der hohen Uferterrasse groß­räumig mit starken Lünetten zu umschließen und diese mit Wall-Linien und krenelierten Mauern zu verbinden. Das wesentlich tiefer gelegene Gelände von Masch und Werder mit der Senke des Osterbachs konnte in diese annähernd viertelkreisförmigen Befestigungslinien nicht einbezogen werden. Zur Deckung der südlichen Kehlfront (entlang der Viktoriastraße), zur Sicherung des Vorgeländes der Brückenkopfbefestigung wie auch zum Schutz der Weserfront der Stadtbefesti­gung wurde daher das Fort C als vorgeschobenes Werk konzipiert. 1846-1852 wurde es nach Entwurf des Ingenieurs vom Platz Major Hardenack ausgeführt, der auch die Bauleitung für die Bahnhofsbefestigung hatte. Es liegt südlich vorgelagert hart an der Trasse der Eisenbahn und war durch einen Kommunikationsdamm neben der Bahn, der zum Kölner Eisenbahntor führte, mit der geschlossenen Bahnhofsbefestigung verbunden. Das Fort bildet ein bastionsartiges Fünfeck mit Kernwerk (Reduit), Erdwällen und Mauern, die von Wassergraben, gedecktem Weg und Glacis umgeben sind.

       

      Im Zentrum der Anlage liegt das zweigeschossige Reduit mit pilzförmigem Grundriss. Das massive, ca. 1,8o m starke Backsteinmauerwerk ist außen mit Porta-Sand­stein verblendet. Über der Gewölbedecke liegt eine bombenfeste (beschusssichere) Erdaufschüttung von ca. 1,50 m Dicke mit Grassodenbelag. Die Kasematten des Obergeschosses haben elf Kanonenscharten; das Untergeschoß ist zur Gewehrver­teidigung eingerichtet. Außerdem befanden sich im Inneren ein Pulvermagazin, eine Latrine und ein Brunnen zur Frischwasserversorgung, zudem waren die Obergeschoßräume mit Öfen heizbar.

      Im Hof des Forts liegt halb im Wall vor dem Reduit eine weitere Kasematte mit Wachraum, Latrine und Pulvermagazin. Durch den umgebenden Wall führen zwei Poternen (tunnelartige Gänge) zu den Grabenstreichen in den Schulterpunkten, von denen aus der Graben und der gedeckte Weg unter Gewehrfeuer genommen werden konnten.

      Im Armierungsfall bei Kriegsgefahr wurden die Kanonen über schräge Rampen auf den Wall gebracht; die Armierungspläne von 1848 und nach 1867 sahen für Fort C vier bzw. fünf Geschütze vor. Für den Fall, dass der Gegner die Wälle des Forts bestürmte und einnahm, sollte das Reduit eine selbständige Verteidigung ermöglichen. Die Soldaten hätten sich dann durch das Tor in der westlichen Kehlmauer in das Reduit zurückgezogen. Zu diesem Zweck war der Platz vor den beiden Zugbrücken durch einen kleinen Tambour, eine Mauer mit Schießschar­ten, geschützt. Der Tambour wurde nach der Aufhebung der Festung Minden abgebrochen, nur seine Fundamentmauern sind noch sichtbar.

      Während die meisten Mindener Festungswerke nach 1873 großenteils demoliert oder planiert wurden, blieb das Fort C dank seiner abseitigen Lage nahezu vollständig erhalten und wurde um 1900 teilweise privatisiert. Im Dritten Reich diente das Reduit als Kameradschaftsheim der SA. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Fort von mehreren Bomben getroffen; danach verfiel es allmählich.

      Als bedeutendes Denkmal für den militärisch geprägten Teil der Mindener Stadt­geschichte wurde es 1986-1989 grundlegend saniert und in seiner ursprünglichen Ge­stalt wiederhergestellt. Dank seiner na­hezu  vollständigen Erhaltung ist es heute ein markantes Beispiel für ein Befesti­gungswerk des neupreußischen Systems um die Mitte des 19. Jahrhunderts.

       

       

       

       

    • Hauptbahnhof


      Der Mindener Bahnhof wurde 1847 als Endpunkt der Köln-Mindener Eisenbahnlinie erbaut. Den Entwurf dazu lieferte der Königliche Bauinspektor Schelle.

      Das Gebäude ist ein äußerst stattlicher, neugotischer Werksteinbau, der an englische Schlossarchitektur erinnert und zugleich einen wehrhaften Eindruck vermittelt.

      Der Gebäudekomplex weist eine dreifache Gliederung auf. Zwei identische, zweigeschossige Kopfbauten werden durch einen eingeschossig ausgeführten, gestreckten Mitteltrakt verbunden. Davor liegt eine dreibogige Vorhalle mit darüber liegender, überdachter Veranda. Die Fassadengestaltung der Giebelfronten zeigt eine ebenfalls symmetrische Gliederung. Ein Mittelrisalit wird von zwei Seitenrisaliten mit Staffelgiebel und Fialen flankiert. Die rhythmische Wiederholung dieser Schmuckform an allen vier Schaugiebeln verleiht dem Bahnhofsgebäude eine besonders malerische Aura. In den beiden Frontgiebeln befinden sich die Wappen der Städte Köln und Minden als Hinweis auf den Anfangs- und Endpunkt der Köln-Mindener Eisenbahnlinie.

      Bereits kurz nach Fertigstellung der Bahnlinie erfolgte die Eröffnung der Anschlussstrecke nach Hannover der Hannoverschen Staatseisenbahn, so dass letztendlich eine Bahnfahrt von Köln nach Berlin möglich wurde. Hierzu musste der Reisende aber in Minden von der Köln-Mindener Eisenbahn auf die Hannoversche Staatseisenbahn umsteigen.

      Der Mindener Bahnhof ist das einzige heute noch genutzte Bahnhofsgebäude entlang der ehemaligen Köln-Mindener Eisenbahn, dessen äußere Erscheinung und innere Struktur seit der Entstehungszeit bis heute fast unverändert geblieben ist. Er repräsentiert mit seiner symmetrischen, neugotischen Bauweise einen frühen Bahnhofstypus, der in dieser qualitätvollen Ausführung nicht nur in Westfalen seinesgleichen sucht.

       

       

       

      (Auszug aus: Historische Stadtrundgänge MINDEN, Preußentour)

    • Immanuelstraße 3


      1888 wurde das Molkereigebäude nach Plänen des Architekten Oskar Ziegler errichtet.

      Der Bau ist in der Gestalt als zweigeschossiger und aufwendig dekorierter Putzbau konzipiert und den benachbarten Villenbauten angepasst. Der Kernbau besitzt ein flaches Vollwalmdach, wobei die nordwestliche Ecke als übergiebelter dreiachsiger Risalit mit Schwebgiebel leicht vorspringt und ein eigenes, flaches Satteldach aufweist.

      Im Risalit befindet sich auch der ursprüngliche Eingang, der ein seitlich angelegtes Milchgeschäft erschloss. Im Erdgeschoss befanden sich zur Straße hin Büro- und Verwaltungsräume. Im rückwärtigen Bereich die Milchverarbeitungshalle, mit dem angeschlossenen Maschinenhaus. Das Obergeschoss ist zu einer Wohnung ausgebaut.

      Die Fronten sind alle mit einer für Ziegler typischen, sehr reichen und plastischen Gliederung in Formen der Renaissance versehen.

       

       

    • Johansenstraße 1


      Ehemalige Offizier-Speiseanstalt des Infanterie-Regiments Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfälisches) Nr. 15

      Das 1813 in Neuruppin neu aufgestellte und 1822 mit seinem Stab sowie dem 1. und II. Bataillon nach Minden verlegte 15. Infanterie-Regiment hatte sein erstes Kasino im Haus Ritterstrasse 28/ Ecke Papenmarkt. Von dort wurde es um 1820 in das Haus Kampstraße 17 verlegt. Aufgrund der räumlichen Enge entstand Anfang des letzten Jahrhunderts der Wunsch nach einem neuen, geräumigen und repräsentativen Bau.

      Als Bauplatz wählte man damals ein Grundstück im Bereich der ehemaligen Festungs- und Glacisanlagen der Hausberger Front am Nordende der mit dem Ausbau des Klausenwalles zu Anfang des Jahrhunderts neu trassierten Johansenstrasse. Es umfasst Teile des planierten Festungsgrabens, des Gedeckten Weges und des Glacis vor der demolierten Ostflanke der Hausberger Front. Das Kasino liegt in der Nordhälfte des gärtnerisch gestalteten Bauplatzes allseits frei

      Nach Entwürfen des Stadtbaumeisters Kersten wurde der Bau, der wie eine dezent barockisierende Villa vom Typ der Maison de plaisance (Lustschloß) wirkt, 1910 begonnen und im folgenden Jahr fertiggestellt und bezogen.

      Er diente für die neuformierten Einheiten der Reichswehr und der Deutschen Wehrmacht, das 1921 aufgestellte 6. (Preußische) Artillerie-Regiment - dessen 5. Batterie die Tradition des vormaligen Feld-Artillerie-Regiments Nr.58 fortführte - und das 1919 neugebildete 6. (Preußische) Pionier-Bataillon, bis 1945 als Offiziersheim. Anschließend wurde das Gebäude von den britischen Besatzungstruppen als Offiziersmesse übernommen und mit dem Abzug der Stationierungsstreitkräfte 1992 geräumt. 1997 gingen Haus und Gelände durch Kauf an den »Club 74« aus Lübbecke über, der hier heute neben einer Gaststätte ein Zentrum zur Behinderten-Rehabilitation betreibt.

    • Die Laxburg in der Neustadt


      In der Zeit von 1847 bis 1858 bebaute der Bauunternehmer Franz Lax, der wesentliche Flächen der neuangelegten Bahnhofsvorstadt von Minden hatte erwerben können, das rechteckige Areal im Winkel zwischen der Kaiserstraße und der Friedrich-Wilhelm-Straße, wobei im Südwesten ein etwa viertelkreisförmiges Segment für die Festungswerke und das östliche Ende der Bunten Brücke abgetrennt wurde. Das nach und nach immer dichter bebaute Gelände wurde durch die zentrale Laxburgstraße (zunächst als Mittelstraße bezeichnet) und die anschließende Obern- und Niedernstraße erschlossen. Weitere Bauten entstanden an der Bertastraße als Verbindungsgasse sowie auf der Außenseite des Blocks und der Kaiser- und Friedrich-Wilhelm-Straße. Für die errichteten einzelnen Mietshäuser entwickelte Lax nach und nach ähnliche Bauformen: Zunächst entstand die Häuserzeile Niedernstraße 3 - 21 als Reihenhaus, die an noch frühe, traditionelle Arbeiterwohnhäuser der vorindustriellen Zeit erinnert und mit vorgebauten Schweineställen und kleinen Vorgärten eine beschränkte Selbstversorgung der Bewohner ermöglichte. Die einzelnen Wohneinheiten mit jeweils einer Küche und zwei Zimmern entsprachen nur bescheidenstem Standard. Großzügiger bemessen wurden die weiteren und mehreren Parteien dienenden Mietshäuser an den übrigen Straßen: Sie sind jeweils für sechs bis acht Familien mit variablen Grundrissen geplant, wobei die Bauten jeweils im Inneren durch firstparallele massive Längswände unterteilt wurden. Im Inneren konnten jeweils Zweizimmerwohnungen oder Vierzimmerwohnungen mit Küche abgetrennt und separat vermietet werden.

      Der Bauunternehmer Lax war deutlich um eine bauliche Qualität seiner Häuser bemüht, wobei diese nicht nur massiv aus Backstein errichtet und mit Putz verkleidet wurden, sondern zum Teil eine reiche Dekoration  aus Sandsteinwerkteilen erhielten. Während in den einfacheren Häusern im Inneren der Laxburg überwiegend Bedienstete von Bahn und Post wohnten, beherbergten die Bauten an der Friedrich-Wilhelm-Straße ein herrschaftliches Mieterpublikum aus höheren Beamten des Militärs und der Regierungsbehörden. Am Schluss der Errichtung um 1856 lebten in 34 Häusern fast 500 Menschen. Nach Abschluss der Bebauung, die einem deutlichen Gestaltungswillen unterzogen war, wurde die gesamte Anlage durch Lax mit einer bemerkenswert fortschrittlichen Infrastruktur versehen: Um 1860 erhielten alle Bauten Kanalisation, rückwärtige Abortanbauten für jede Wohnung und wohl auch Fließwasseranschluss. Hintergrund war die Errichtung des Wasserturms hinter seinem eigenen Wohnhaus Friedrich-Wilhelm-Straße 3, der städtebaulich einen Abschluss der Oberstraße bildet

      Die bis 1860 geschaffene Anlage der Laxburg stellt heute ein ungewöhnlich komplettes Beispiel einer geschlossenen Siedlungseinheit der Mitte des 19. Jahrhunderts dar und ist ein wesentlicher Beitrag zur Stadtentwicklung von Minden.

       

      (Auszug aus: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 50)

    • Mittellandkanalbrücken


      Das bedeutendste und schwierigste Bauwerk des Mittellandkanals stellt die Überführung über die Weser dar.

      Sie wurde 1911 – 1914 errichtet und besitzt eine Länge von 370 m. Bei dem Bauwerk handelt es sich um eine Stahlbetonkonstruktion, die dem damaligen Zeitgeist entsprechend, mit einer Verblendung aus Sandsteinquadern in historisierenden Formen versehen wurde.

      Die Brücke ist seit 1998 in ihrem täglichen Betrieb durch einen Neubau unmittelbar nördlich davon ersetzt, wird aber als Baudenkmal betriebsfähig erhalten und dient fortan als Ausweichstrecke für die Fahrgast- und Sportbootschifffahrt.

       Die Mittellandkanalbrücke wurde 1987 in die Denkmalliste der Stadt Minden eingetragen.


      Im Zuge des Kanalausbaus und dessen Verbreiterung errichtete man zwischen 1993 – 1998 eine neue, 341 m lange Kanalbrücke. Diese liegt unmittelbar parallel und mit nur 8 m Abstand nördlich zur bestehenden Weserquerung. Die 57 m langen Pfeiler stehen aus Gründen des ungehinderten Hochwasserabflusses in der Pfeilerflucht der historischen Kanalbrücke. Die sichtbaren Flächen sind in Anpassung an die alte Kanalbrücke mit Natursteinen verkleidet.

       

      (Auszug aus: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 50)

    • Nordfriedhof


      Da die Flächen auf den Begräbnisstätten innerhalb der Altstadt nicht mehr ausreichten, beschloss der Rat der Stadt Minden im Jahr 1899, außerhalb der Stadt einen großen Friedhof anzulegen. Nach anderen Überlegungen, zwei neue Friedhöfe zu schaffen, erwarb die Stadt im Jahr 1902 schließlich doch nur eine große Fläche zwischen der Marienstraße und dem Gut Poggenmühle.

      Am 30.Juli 1903 beschloss der Rat, den Nordfriedhof auf dem gekauften Gelände anzulegen. Dieser, nach Plänen des Mindener Stadtgarteninspektors Ludwig Isermann angelegte Friedhof, sah eine neobarocke axial ausgerichtete Anlage vor, deren Ränder nach Art romantischer Landschaftsgärten mit geschwungenen Wegen gestaltet sind. Dabei galt es, das abschüssige Terrain am Weserufer in die gärtnerische Gestaltung mit einzubeziehen.

      In der ersten Bauphase entstanden nach Plänen des Stadtbaumeisters Kersten zwischen 1903 und 1906 das Hauptportal, das Friedhofswärterhaus mit großem Wartesaal und die Kapelle mit Leichenhalle.

      1908 errichtete man nach einem Entwurf des Stadtgarteninspektors Isermann das Hochkreuz und die Terrassenanlage am Weserufer. Das Kreuz war als Zielpunkt der vom Westportal nach Osten verlaufenden großen Achse vorgesehen und zugleich in seiner Monumentalität auf Fernwirkung zum gegenüberliegenden Weserufer angelegt.

      Im Oktober 1914 beschloss man einen Ehrenfriedhof für die gefallenen Mindener Soldaten anzulegen und sah dafür das nördliche Ende der Nord-Süd-Achse vor.

      Um 1924 wurde der Friedhof, dessen Belegungszahlen ständig stiegen, wohl nach Plänen des Stadtgarteninspektors Seelig, nach Norden erweitert.

      1940 legte man in dem neuen Teil des Friedhofs einen Ehrenfriedhof für die Opfer des Zweiten Weltkriegs an, der nördlich an den Ehrenfriedhof für die Opfer des Ersten Weltkriegs anschloss.

      Auf dem ab 1904 genutzten Friedhof befinden sich noch heute viele Grabstätten und Erbbegräbnisanlagen von bedeutenden Mindener Bürgern ( z B. Oberbürgermeister Bleek, Familie Leonhardi,  Familie Drabert, Familie Bruns, Familie Strothmann u. a.)

       

      (Auszug aus: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 50)


    • Portastraße 9 – ehemaliges Garnisonslazarett


      Südlich der Stadt liegt die sogenannte Hausberger Front, bei der 1818 ursprünglich drei Defensionskasernen geplant waren. Anstatt der Defensionskaserne No.3 wurde jedoch 1829 das Garnisonslazarett errichtet, denn bereits seit 1775 wurde Ersatz für die provisorischen innerstädtischen Lazarettstandorte gesucht.                                                                                                                   

      Der Architekt des stattlichen Garnisons- lazaretts ist leider unbekannt. Es ist 65 Meter lang mit je vier Achsen (senkrechte Fensterreihen) die rechts und links eines dreiachsigen Mittelrisalits stehen. Dieser wurde von einem Dreiecksgiebel mit Uhr bekrönt. Der Eingang wurde bewusst als repräsentatives Portal hinzugefügt. Zum Portal führt die zweiläufige, geschwungene Auffahrt.

      Im Keller waren vier Heizungsräume, von denen durch Kanäle in den Flurwänden die Obergeschosse beheizt wurden. Viele Kellerräume dienten Lagerzwecken. Außerdem befanden sich dort die Küche und die Wäscherei. Wasser wurde aus zwei im Keller befindlichen Brunnen gefördert.

      Die beiden Obergeschosse dienten nur der Lazarettnutzung. Hier befanden sich auf der Rückseite Stuben für je zehn Mann. Auf der Platzseite waren im ersten Geschoss die Apotheke, der Conferenz- und Operationssaal mit Chirurgenstube, eine Unteroffiziersstube sowie Wohnungen für das Aufsichtspersonal. Im zweiten Geschoss waren es Stuben für je sieben Mann. An der Nordwestecke ging durch alle Geschosse ein kleines Treppenhaus mit Flur. Dort war auch der Zugang zum Anbau der Kriegslatrine.

      Das gesamte Gebäude wurde aus Backstein errichtet und dann die Fassade mit Portasandstein verkleidet. So kommt es zu Wandstärken zwischen 1,50 Meter im Keller und etwa 1,25 Meter in den Obergeschossen. Die Decken des zweiten Obergeschosses sind als Bombenbalken-Decken ausgeführt. Dabei wurden über die gesamte Fläche mächtige Holzbalken verlegt, die im Belagerungsfall eine Erdaufschüttung tragen und so dem Beschuss durch Kanonen standhalten sollten. Das sehr große Dachgeschoss diente in Friedenszeiten als Lagerraum.

      1922/23 war es Versorgungskrankenhaus. In den 1930er Jahren wurde es Standort- bzw. Reservelazarett, 1945 vom Kreis Minden übernommen, der es dann nach 1946 zum Klinikum II ausbaute. 1974/77 erfolgte der größte Umbau zur Dermatologischen Klinik.

    • Priggenhagen 6


      Nach dem Abbruch einer alten Scheune, die zur Simeon-straße 7 gehörte, entstand an deren Stelle 1895 der Neubau eines Lagerhauses. Dieses wurde nach Plänen des Büros Kelpe & Meyer für den Kaufmann Niebur errichtet. Der für ein Lagerhaus in der Erscheinung ungewöhnlich aufwendige Bau dürfte mit seiner reichen Fassadengestaltung insbesondere auf die straßenräumlich dominante Stellung, hier die Blickbeziehung zur Ober-marktstraße, zurückgehen.

      Der dreigeschossige Backsteinbau weist ein volles Kellergeschoß auf. Die innere Lastabtragung der Eisen-betondecke erfolgt über drei gusseiserne Säulen, die einen Längsunterzug tragen. Auf Grund des Geländeanstiegs ist das erste Obergeschoß von Westen aus über einen schmalen Hof ebenerdig zu betreten. Das sehr flach geneigte Pultdach ist durch eine Blendfassade verdeckt. Diese ist in der Art norddeutscher Spätgotik durch die Verwendung von Formsteinen dreiachsig gegliedert, mit einem mittleren Giebel ausgestattet und nach oben mit einer fialbesetzten Blendfront abgeschlossen.

      Das Lagerhaus inzwischen von den neuen Eigentümern behutsam zu einem Wohnhaus umgebaut.

       

      (Auszug aus: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 50)

    • Schachtschleuse


      Die von 1911 bis 1915 gebaute Schachtschleuse liegt im Abstieg vom Mittellandkanal zur Weser. Ihr Standort  wurde unmittelbar westlich der Kanalbrücke unterhalb der natürlichen Flussterrasse gewählt, um ein direktes Wechseln der Schiffe zwischen Kanal und Weser zu ermöglichen.

      Sie wurde mit Ihrer ausgereiften und ästhetisch aufbereiteten Technik bis heute zum Mittelpunkt touristischen Interesses. Bereits in früheren Reiseführern wurde nicht nur die Gestaltung des Gebäudes selbst, sondern auch seine Einbindung in die Landschaft und der prächtige Ausblick von der Plattform am Unterhaupt über den Kanal und die Stadt hinweg bis zum Wiehengebirge mit der Porta Westfalica und dem Kaiser Wilhelm Denkmal hervorgehoben.

      Am augenfälligsten ist das Schleusenbauwerk am Unterhaupt, welches von seinen zwei 35 Meter über das Unterwasser hinausragenden Hubtürmen, zwischen denen die Steuerbrücke gespannt ist, entscheidend geprägt wird. Das im unteren Teil aus Beton und oben mit Mauerwerk erstellte Gebäude wurde mit glatten Blöcken heller Basaltlava verkleidet, wobei nur die Ecken mit bossierten Quadern betont wurden. Die notwendigen Fenster wurden mit nur knappen Öffnungen schlicht eingeschnitten. Die Dächer sind als Mansarddächer mit roter Ziegeldeckung ausgeführt, wobei die Türme eine Dachkonstruktion aus Eisen enthalten.

      Das Unterhaupt ist mit einer dreibogigen Straßenbrücke verbunden, durch deren mittleren Brückenbogen die Schiffe in die Schleusenkammer fahren, wobei es die Funktion eines würdevollen und monumentalen Empfangstores erhält.                                                                                                 

      Unter den Schleusen und Schiffshebewerken stellt die Mindener Schachtschleuse durch die stockwerksweise Anordnung ihrer 16 Sparbecken, was aufgrund von Platzmangel notwendig wurde, eine besondere Bauform dar. Durch diese Betriebseinrichtung konnte der in der Regel fast völlige Wasserverlust erheblich eingeschränkt werden, da nun bei jeder Abwärtsschleusung nur etwa 35% des Wassers in die Weser abflossen.

      Die erste Schleusung fand am 16.02.1915 statt. Obschon jährlich mehr als 10.000 Wasserfahrzeuge geschleust werden, ist es nach wie vor ein imposantes Schauspiel, wenn Schiffe in die 85 Meter lange und 10 Meter breite Schleusenkammer einfahren und in nur sieben Minuten den Höhenunterschied von mehr als 13 Metern überwinden, um ihre Fahrt fortzusetzen. Interessierte Besucher Mindens können dieses Erlebnis selbst genießen, indem sie eine Tour mit der „Weißen Flotte“ buchen.

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