Minden erleben

Erzbergbau im Wiehengebirge

  • Porta Westfalica Actiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb, so hieß die Gesellschaft mit der um 1856 der erste moderne Untertageabbau bei Minden begann. Porta Westfalica war zu jener Zeit nur die Bezeichnung für den Landstrich der "Porta" wo die Weser das Wiehen- und Wesergebirge teilt.
    In kleineren Stollenanlagen wurden zuerst Kalk-Sandstein und geringe Eisenerzflöze (Flöze = die Gesteinsschicht in der das Erz liegt) abgebaut. Dazu gehörte auch die Grube Georg unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals. Heute ist von der ehem. Grube nichts mehr zu sehen, bis auf einige Pingen (Einsturztrichter im Boden) und kleinere Löcher im Boden. Der Rest der Grube ist heute verschüttet.

    Im III. Reich wurden unter Hitler viele Betriebe die zur Fertigung von Munition, Geschützen usw. dienten unter die Erde verlagert, daher der Name U-Verlagerung. Unter anderem wurde nach dem Krieg auch die Grube Georg durch die "Britische Rheinarmee" gesprengt. Der Grund dafür war die U-Verlagrung "Stöhr II", die oberhalb des Kaiserhofes lag - sie befand sich in Teilen der Grube Georg. Durch die Sprengung entstand auch der heutige Vorplatz des Kaiser Wilhelm Denkmales. Damals befanden sich direkt unter dem Denkmal eine größere Aushöhlung und Stollensysteme.

    Zu den anderen kleinen Stollen-Anlagen gehörte außer der Grube Georg noch die Stollenanlage in Minden Königsberg, am Hang des Häverstädter Berges, eine andere Anlage an der Wittekindsquelle (Heute noch zu sehendes Stollen-Mundloch) und in Dehme der Weserstollen, der heute wohlmöglich ganz und gar unter Wasser steht.

    Der Königsberg in Minden bekam dann etwas später noch eine größere Bedeutung für den Mindener Bergbau. Doch erst einmal wurde im Jahr 1872 die Hütte der AG stillgelegt, da der Phosphorgehalt so hoch gestiegen war, dass ein Weiterbetrieb vorerst nich möglich war.

    Aus der "Porta Westfalica Actiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb" wurde dann später die Zeche Porta oder auch Grube Porta. Die Georgsmarienhütte erwarb 1890 die Grube Porta 1 und setzte 1897 wieder den Abbau in Bewegung. Abgebaut wurde zu jener Zeit in Minden-Königsberg und in der Wallücke bei Bergkirchen. Ein 10 km langer Stollen soll einmal beide Tagestollen verbunden haben, aber auf gut Deutsch sind es wohl Ammenmärchen.

    Bereits um 1632 fanden die Schweden wärend der Belagerung Mindens auf der Bölhorst Kohlen. Später um 1668 ließ der "Große Kurfürst" dort den ersten Abbau von Steinkohle stattfinden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Reihe von kleinen Kohleabbauten in Kohlegruben. Erst 1743 wurde eine Gewerkschaft gegründet, die systematisch in einem Schacht Kohle abbaute, dem Schacht Bölhorst (Foto unten). Der Schacht wird auch Feuermaschinen-Schacht genannt. Um 1800 gehörte er mit ca. 200 m zu den tiefsten Steinkohleschächten des Deutschen Reiches.

    Nach der immer stärker gewordenen Modernisierung des Steinkohlebergbaus durch Dampfmaschinen konnte der Schacht Bölhorst bis 1886 bei seiner Stilllegung eine Tiefe von fast 300 m aufweisen. Neben dem Schacht Bölhorst gab es noch zahlreiche andere kleinere Schächte. Zu der späteren "Vereinigte Zeche Laura Bölhorst" gehörten auch der Schacht Glück Auf, Schacht Aurora und der Schacht Laura, bei dessen ehem. Lage sich heute noch die Laurastraße in Minden befindet. Der Schacht Laura wurde bereits nach kurzer Zeit wegen zu geringer Ergiebigkeit wieder aufgegeben und hat es daher auch nur auf eine Tiefe von rund 60 Metern gebracht, dafür aber auf eine Stollenlänge von ca. 360 Meter.

    Nach der Stillegung im Jahr 1886 fanden die Schächte Laura und Bölhorst eine weitere und für die Umgebung einzigartige Verwendung: die Sole-Gewinnung für Heilbäder. Durch den Schacht Bölhorst wird noch heute qualitativ sehr gute Sole gewonnen. Diese kann man im Solbad Minden genießen. Dieses Solbad gehört zum Hotel Bad Minden, dessen Inhaber Herr Dr. Pudenz sich auch weiter für die Solegewinnung und den Erhalt des Schachtes einsetzen wird.

    Nach der Stilllegung im Bereich Bölhorst ging es nur noch auf dem anderem Weserufer mit dem Steinkohlebergbau weiter. Seit 1876 versuchte die Grube "Preußiche Clus" hier professioneller zu werden und arbeitete daran, den Schacht Meißen weiter auszubauen. Bis 1878 erreichte man eine Tiefe von 190 m und der Erfolg sollte sich noch einige Jahrzehnte rechnen. Die Ilseder Hütte AG übernahm 1924 die Meißener Anlage und erbaute ca. 1 km Luftlinie entfernt den Schacht Notthorn. Der Schacht wurde zum tiefsten in Minden gebaute und erreichte 500 Meter und 11 Stollensohlen in der Tiefbauebene. Die Stollen dort sollen ehemals mehrere Kilometer lang gewesen sein und sogar bis zur Weser gegangen sein. Heute sind vom Schacht Notthorn noch fast alle Außenanlagen erhalten (Eingangsbereich Foto oben, Ansicht der ganzen Anlage Titelfoto ganz oben). Ein weiterer Schacht befand sich in Röcke etwas weiter östlich. Er war der letzte Schacht, der im Steinkohlebergbau der Mindener-Geschichte in die Tiefe gegraben wurde.

    Der Abbau in früher Zeit funktionierte in den Steinkohle-Zechen folgender Maßen: Eine winzige Lore (meist ohne Schienen), auch Hund genannt, wurde in schräg nach oben gehenden Stollen (70 cm bis 1,9 m Höhe) von den Bergleuten gefüllt. Die Bergleute selber lagen auf kleinen Rollwagen, ähnlich wie man sie aus KFZ-Werkstätten kennt. Diese Rollwagen waren an Seilen gesichert. Da in Kohlegruben oftmals Gas austrat, hatten viele Bergleute einen Kanarienvogel in einem kleinem Käfig dabei, verstarb dieser plötzlich war es sozusagen das Warnzeichen, sofort ans Tageslicht zu gelangen.

    Durch Förderprogramme zu Beginn des 3. Reiches stieg das Interesse am Bergbau im Wiehengebirge bei Minden wieder an. Die Klöckner Werke AG war durch Übernahme der Georgsmarienhütte in Besitz der für Bergbau verliehenen Felder gekommen. Man begann 1935 dann mit einem Versuchbetrieb den vorläufigen Abbau. Der Betrieb befand sich am Königsberg in MI-Häverstädt, der neue Stollen wurde nur wenige Meter, etwas unterhalb des alten Königsberger-Stollen aufgefahren.

    Der neue Häverstädter-Stollen erreichte bei 105 Metern das Wittekind-Flöz. Von dort aus fuhr man dann in östliche und westliche Richtung die Stollensohle auf, einige Aufhauen dienten der Bewetterung. Die Rentabilität des Betriebes dort war so hoch geworden, dass man plante, einen weiteren Stollen bei Dehme aufzufahren, um so das Flöz der Talsohle zu erschließen.

    Der Stollen bei Dehme wurde zum Weserstollen, etwas oberhalb fuhr man dann den Wittekindstollen auf. Der Weserstollen diente fortan als Hauptwetter und Entwässerungsstollen. Vorerst wurde mittels einer Seilbahn das Erz vom Wittekindsstollen hinunter zum Weserstollen im Bereich der heutigen B61 gefördert. Später sollte dies durch den neuen Hauptförderstollen, dem Peckeloh-Stollen ge-schehen. Der vom heutigen Potts Park Gelände in MI-Uphausen aus in den Berg führte (unten mehr).

    Von der damaligen Deutschen Reichsregierung wurde eine höhere Inlandsförderung gefordert. Die Umstände der Eisenerzzeche Porta führte zu dem Plan, eine Großanlage mit 2 Mio. Tonnen Jahresförderung zu erbauen. Kurzerhand gründete man eine Gewerkschaft, welche den Betrieb übernehmen sollte. Der Betrieb wurde fortan unter dem Namen Eisenerzzeche Gew. Porta weitergeführt.

    Um das gewünschte Ziel eines Großbergwerkes im Wiehengebirge bei Minden zu erreichen wurden in kürzester Zeit verschiedene Stollen aufgefahren. Im Niveau der Weserstollensohle von 1937 bis 1940 der 730 m lange Peckelohstollen, der bis unter das Gelände Potts Park reichte, im Niveau der Häverstädter Stollensohle 1937 und 1938 der ca. 215 m lange Dützer-Stollen sowie der ca. 260 m lange Biemker Stollen in Minden-Haddenhausen. Im Jahr 1941 kam der letzte 130 m lange Denkmalstollen auf der Südseite des Gebirges.

    Wärend der Bauphase des Großbergwerkes diente der Dützer Stollen ab 1938 nach seiner Fertigstellung als Hauptförderstollen, bis 1940 der Peckelohstollen komplett aufgefahren war, an dessen Mundloch auch die neuen Außengebäude der Grube erbaut wurden. Um auch das Wittekindflöz (erzhaltige Schicht im Wiehen) unterhalb des Gebirges zu erreichen, plante man außerdem einen Schacht. So wollte man das Flöz im Tiefbau über zwei Sohlen erreichen.

    Im Jahr 1938 begann man mit dem Teufen des ersten Schachtes. 1939 hatte er seine Endteufe von 317 m erreicht. Die 1.Tiefbausohle war bereits teilweise aufgefahren und die 2. in Arbeit, als durch einen plötzlichen Wassereinbruch auf der 1. Tiefbausohle der komplette Schacht unter Wasser gesetzt wurde. Da man im Abpumpen des Wassers keine Chance sah, musste der Schacht aufgegeben werden. Durch Einbruch des Wassers versiegte auch die Wittekindsquelle bei der Wittekindsburg, da man offensichtlich auf ein unterirdisches Wasserreservoir gestoßen war.

    Nun wurde verstärkt in den vorhandenen Stollen abgebaut. Durch den Krieg ging die Jahresförderung von rund 600.000 t auf 20.000 t zurück. Dennoch beschäftigte die Zeche ca. 500 Arbeiter. Nach einer kurzen Betriebspause durch den Krieg wurde Anfang der 50er Jahre weiter gefördert. Die Mitarbeiter Zahl war zwar inzwischen auf ca. 330 geschumpft, aber es reichte um 50% der 600.000 t Jahresförderung zu erreichen.

    Die Grubenbahn fuhr anfangs noch mit Dieselloks, später nutzte man dann einen Fahrdraht für E-Loks.

    Durch Bohrungen wurden in den 1950er Jahren mehrere abbauwürdige Erzlager entdeckt. So wurde im Bereich Barkhausen eine Tiefbausohle aufgefahren, die sich weiter nördlich unter dem Niveau der Weserstollensohle befand. Zu einem größerem Abbau in diesem Bereich kam es jedoch nicht, da Ende der 50er Jahre die große Krise im Deutschen Erzbergbau durch das Bruttoinlandsprodukt einsetzte und sich der Abbau von geringerwertigen Erzen nicht mehr rentierte. Die Stillegung erfolgte 1962, ein Ersatzbetrieb am Dützer Berg baute noch bis 1967 Untertage Kalksandstein ab.

    Die letzte heute noch fördernde Grube im Mindener Revier sind die Barbara-Rohstoffbetriebe GmbH in Porta Westfalica-Nammen, mit der Grube Wohlverwahrt-Nammen. Das Erzbergwerk in Nammen ist im übrigen nicht nur das letzte der Region, sondern auch die letzte noch betriebene Eisenerzgrube in ganz Deutschland.

    Relikte des Bergbaues

    Zeugen und Zeugnisse der vergangenen Zeit finden sich nicht leicht, geschulte Augen bemerken hin und wieder etwas beim Wandern. Der Potts Park dürfte wohl das offensichtlichste Bauwerk aus der Grubenzeit sein, hier wurde auch einst ein Besucherbergwerk geplant, jedoch wurde die Idee nach Eröffnung des Besucherbergwerkes in Kleinenbremen - Porta Westfalica, wieder verworfen. An der Wittekindsburg auf der Dehmerseite des Gebirges gibt es die durch den Bergbau versiegte Wittekindsquelle in deren Nähe sich ein noch immer für Wanderer sichtbarer Stolleneingang befindet. Von Erkundungstouren in alten Bergwerken, ohne fachkundigen Führer und spezielle Ausrüstung wird nicht ohne Grund abgeraten. Man gefährdet nicht nur sehr leicht sein Leben, sondern stört womöglich auch die Tierwelt, welche sich dort entwickelt hat.
    Die ehemaligen Zugänge, zu der Grube Porta sind mitlerweiledurch das Bergamt Kamen verschlossen worden, so kann niemand sich in den alten Anlagen verletzen. Die Stollen wenigstens Teilweise für die Öffentlichkeit befahrbar zu machen, wäre ein utopischer Plan, da der Kostenaufwand wohl viel zu hoch wäre. Für Interessierte steht allerdings das Besucherbergwerk in Kleinenbremen zur Verfügung, in das man auch mit der Museums-Eisenbahn Minden vom Bahnhof Oberstadt gelangen kann. Tagebrüche kann und sollte man dem Bergamt oder einem Bergwerk melden.

    Vielleicht findet der Eine oder Andere ja auch einmal auf seinem Wanderweg durch die Wälder ein Stück Vergangenheit aus dem Bergbau, wie z.B. auf dem Foto unten ein Stollenmundloch. Da sämtliche Zugänge und auch Schächte ja wie bereits beschrieben verschlossen wurden, bleiben uns nur Erinnerungen in Form von Fotos, für den interessierten Betrachter sicherlich eine ganz neue Seite der Stadt Minden.

    Auch die Schächte der alten Steinkohle-Bergwerke wurden verfüllt, bis auf den Schacht Bölhorst der zum Teil für die Solegewinnung freiliegt, aber der Sicherheit halber immer durch das Bergamt überwacht und gewartet wird.
    Wer einmal im Potts Park ist, sollte es nicht verpassen, die zugänglichen ehemaligen Bergwerksgebäude, in denen heute Attraktionen des Parks untergebracht sind, zu besichtigen.

    Bei einer Wanderung kann man einmal an den alten Gebäuden am Königsberg vorbei schauen und sich zum Beispiel das ehemalige Kompressorgebäude ansehen, die Verladerampe oder auch die anderen leerstehenden Gebäude dort.

    Ebenfalls stößt man beim Wandern auf der Südseite in Dehme auf die Fundamentreste der Seilbahn, die einst das Erz zu den Lkw an die Straße förderte.

    Von der Strecke der Reichsbahn, die bis zur Zeche Porta führte, ist zwar nicht mal mehr eine Schiene übrig, jedoch eine Brücke über die Weser, sowie eine Brücke über die Portastraße in Barkhausen und ein Teil der Bahntrasse im Häverstädterfeld. Der ehemalige Bahnhof steht noch heute etwas abseits in Häverstädt und beherbergt einige Firmen und Wohnungen.

    Ein Buch über die Zeit des Krieges ist vor einiger Zeit von Jochen Bergmann verfasst worden und heißt "Der unterirdische Krieg an der Porta Westfalica". Das Buch ist weniger als Touristenführer zu betrachten, sondern eher als ein Bericht über eigene Erlebnisse des Autors.

    Ein Buch über den gesamten Bergbau im Mindener Revier wird Anfang 2004 erscheinen. Auf mehr als 200 Seiten erfahren Interessierte in Bild und Text alle Einzelheiten über diese bezaubernde Zeit. Aktuelles dazu auf der Seite www.bergbau-minden.de


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