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"Objekt im Fokus" sind Beigaben aus alten Gräbern

3. Januar 2018 | Minden. Alle zwei Monate stellt das Mindener Museum ein Objekt aus der großen Sammlung in den Fokus. Für Januar und Februar 2018 sind dieses Gefäße und Scherben, die in Gräbern gefunden wurden.

  • Wie bereits mit den Kabinettausstellungen, möchte das Museumsteam die Vielfalt, die Geschichte und den Dokumentationsstand seiner Sammlung vorstellen. Im Rahmen des Projekts „Objekt im Fokus“ wird daher alle zwei Monate ein Objekt der Sammlung frei zugänglich im Foyer des Museums ausgestellt und seine Geschichte erzählt. Das Objekt für die Monate Januar und Februar 2018 ist ein Konvolut von Gefäßen und Scherben aus den Brandschüttungs- und Brandgrubengräbern.

    In der Sammlung des Mindener Museums werden rund 60.000 Objekte bewahrt. Trotz Dauer- und Sonderausstellungen oder Leihgaben an andere Museen lagern 95 Prozent der Sammlung verborgen im Magazin. Die Vielfalt und die Geschichte der Sammlung und das Wissen über die Objekte stellt das Museumsteam regelmäßig in Kabinettausstellungen und auch als "Objekt im Fokus“ im Foyer des Museums aus.
                                                   
    Die jetzt ausgestellten Gefäße und Scherben wurden in Minden-Hahlen gefunden. Der Lehrer und langjährige Mitarbeiter bzw. spätere Museumsleiter Otto Kurt Laag (1954 - 1964) untersuchte und dokumentierte diesen Fund 1950.

    Anstoß für die Auswahl des Objektkonvoluts ist die am 27. Januar 2018 im Mindener Museum startende Ausstellung „Ich Mann. Du Frau. – Feste Rollen seit Urzeiten?“. Die Ausstellung beleuchtet die Behauptung, dass die heutigen Rollenklischees von Mann und Frau seit der Steinzeit auf eine angebliche Arbeitsteilung zurückzuführen sind: der Mann als Jäger - gemeint Ernährer - und die Frau als Sammlerin - gemeint Hausfrau und Mutter.

    Die Wissenschaft - explizit die Archäologie - kann für die Zeit ohne schriftliche Quellen aber nur Rückschlüsse aus materiellen Spuren ziehen. Nur bei Objekten aus Bestattungen besteht ein Zusammenhang zwischen Person und Grabbeigabe, der dazu Aufschluss geben kann. Bei archäologischen Funden aus Siedlungszusammenhängen bleibt offen, ob Beile tatsächlich nur von Männern oder Webgewichte nur von Frauen benutzt wurden.

    Das Geschlecht Verstorbener lässt sich durch anthropologische Untersuchungen an gut erhaltenen Knochen bestimmen. Anthropologen erkennen zudem Veränderungen am Skelett, die durch oft wiederholte Bewegungen entstehen und so unter Umständen Rückschlüsse auf bestimmte Tätigkeiten zulassen. Die Ausstellung „Ich Mann. Du Frau. – Feste Rollen seit Urzeiten?“ zeigt anhand von Untersuchungsergebnissen, die den gängigen Klischees wiedersprechen, dass die Urgeschichte nicht als Argumentationsgrundlage für ein noch heute wirksames, starres Rollenbild von Mann und Frau dienen kann.

    Unter den Funden aus Hahlen befanden sich Grabbeigaben, die schon kurz nach der Ausgrabung im Jahr 1938 verloren gingen und nur noch als Zeichnungen dokumentiert sind. Es handelt sich um Fragmente eines dreieckigen, aufwendig verzierten Kammes und Bronzeschmucks, die man klassischerweise einer Frau zuordnen würde. Ob diese These aber wirklich haltbar ist, lässt nicht mehr überprüfen. Die menschlichen Überreste der Feuerbestattungen wurden nach der Bergung im Jahr 1938 nicht aufbewahrt.

    Anhand der Form der Bestattung in Gruben und in Gefäßen werden die Funde als Ausschnitt aus einem Friedhof des 2.-4. Jh. n. Chr. gedeutet. Auffällig ist ein Brandschüttungsgefäß, bei dem es sich um ein provinzialrömisches Gefäß aus der Zeit des 4. Jh. n. Chr. handelt. Importe von Keramiken aus dem römischen Rheinland  kommen in den grenznahen Gebieten Germaniens häufig vor.

    Mindener Museum, Di.-So. 12-18 Uhr; Sonderöffnungszeiten für Gruppen. Weitere Infos unter www.mindenermuseum.de oder 0571 / 9724020 oder .

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